Unter Berücksichtigung geltender Grenz-, Richt- und Vorsorgebestimmungen aber auch unter Berücksichtigung des ganz individuellen Schutzbedürfnisses ist primär zu klären, ob eine Abschirmung überhaupt notwendig bzw. sinnvoll erscheint. Im Hinblick auf die nicht ganz einfache Materie sollten dahingehende Beratungen und ggf. erforderliche Messungen ausschließlich von entsprechend befugten Stellen (z. B. Technische Büros, Ziviltechniker, Sachverständige oder Akkreditierte Institute) durchgeführt werden. Selbstverständlich muss die Messung und Beratung vom Vertrieb eventuell empfohlener Produkte und/oder Dienstleistungen unabhängig sein. In den eher seltenen Fällen, wo die elektrischen (NF-Bereich) bzw. elektromagnetischen (HF-Bereich) Felder tatsächlich zu hoch sind, gibt es in der Regel einige kostengünstige und wirksame Möglichkeiten zu deren Senkung (z. B. Stecker umstecken, Maßnahmen bei der Installation). Darüber hinaus kann jeder Einzelne im Alltagshandeln zur Minimierung der persönlichen Expositionen beitragen, indem er auf problematische Geräte verzichtet, nicht benötigte Geräte ausschaltet, von nicht ausschaltbaren Geräten Abstand hält, Installationen sorgfältig plant und Entscheidungen informiert trifft.
Der Erfolg von Abschirmmaßnahmen im Sinne der folgenden Schilderungen sollte immer durch kompetente Messungen überprüft werden.
1. Niederfrequente elektrische und magnetische Felder
Die einfachsten und kostengünstigsten Maßnahmen zur Minderung der Belastungen durch elektrische und magnetische Felder von Stromversorgungs- und Bahnanlagen sind in der Regel planerische Maßnahmen, die auf die Einhaltung hinreichender Schutzabstände zu Einrichtungen sensibler Nutzung abzielen. Voraussetzung für die Festlegung von Schutzabständen sind Vorsorgegrenzwerte und Planungsrichtwerte, die den Anforderungen eines vorsorgenden Gesundheitsschutzes gerecht werden. Wo die Einhaltung von Schutzabständen nicht möglich ist, kann durch den Ersatz von Freileitungen durch Erdkabel insbesondere die Immission durch elektrische Felder (die magnetischen Felder nehmen aufgrund der eng beieinander liegenden Phasen auch wesentlich rascher ab als bei der Freileitung) wirksam verringert werden.
Aufgrund physikalischer Eigenschaften liegen im niederfrequenten Bereich elektrische und magnetische Felder entkoppelt vor. Während die Abschirmung von magnetischen Feldern nur sehr begrenzt und mit erheblichem Aufwand (z. B. durch µ-Metalle) möglich ist, kann die Abschirmung von elektrischen Feldern relativ leicht bewerkstelligt werden. Dazu werden die umgebenden Flächen des zu schützenden Bereiches durch das fachgerechte Anbringen von elektrisch leitfähigen Materialien (wie Metallfolien, engmaschige Metallnetze, Tapeten und Gewebe mit Metallfäden, Abschirmputz) auf dasselbe Potential gebracht und durch begleitende Maßnahmen eine Freischaltung aller im Raum befindlichen Feldquellen herbeigeführt. Die Abschirmflächen müssen dabei nicht notwendiger Weise eine komplett geschlossene Hülle (Faraday´schen Käfig) bilden, sondern können so zwischen Schutzbereich und Feldquelle großflächig positioniert werden, dass sie – geerdet – als Feldsenke für das elektrische Feld fungieren. Wichtig ist jedenfalls, für die Feldfreiheit (Freischaltung) im dahinter liegenden Schutzbereich zu sorgen.
Dringend abzuraten ist dagegen von so genannten Abschirmmatten zur Schlafplatzsanierung. Bei den Abschirmmatten gegen „Elektrosmog“ handelt es sich zumeist um Matten aus einem leitfähigen Material, die z. B. mit Hilfe eines Kabels über den Schutzleiter einer Steckdose oder über ein Heizungsrohr geerdet werden können. Niederfrequente magnetische Felder können durch derartige Materialien nicht abgeschirmt werden. Diese Matten könnten höchstens niederfrequente elektrische Felder abschirmen, wenn sich die Feldquelle direkt unterhalb der Matte befindet. Untersuchungen des Institutes für Krankenhaustechnik der Technischen Universität Graz und des Österreichischen Institutes für Baubiologie und -ökologie (IBO) haben zudem gezeigt, dass Elektrosmog-Abschirmmatten im Niederfrequenzbereich unter realen Bedingungen (elektrische Installation in der Wand im Kopfbereich und im Bereich des Nachttischkästchens) die behauptete Schirmwirkung auch für elektrische Felder nicht besitzen, sondern im Gegenteil sogar eine Erhöhung der Exposition gegenüber diesen Feldern verursachen. Die Feldüberhöhung wird dabei durch das Erdungskabel sogar noch vergrößert.
2. Hochfrequente elektromagnetische Felder
Im Hochfrequenzbereich liegen elektrische und magnetische Felder fest gekoppelt vor. Treffen hochfrequente elektromagnetische Wellen auf die Oberfläche einer Wand, kommt es in Abhängigkeit von der Frequenz und dem Auftreffwinkel der Welle sowie den Eigenschaften und der Oberfläche des Wandmaterials zur Reflexion, Absorption und Transmission der Strahlung. Das Abschirmvermögen (Schirmdämpfung, Einheit [dB]) der Gebäudehülle – also das Ausmaß der Reflexion und Absorption – ist dabei je nach verwendeten Baumaterialien sehr unterschiedlich. Fenster mit konventioneller Verglasung haben praktisch überhaupt keine abschirmende Wirkung, wogegen die Schirmdämpfung von Wärmeschutzverglasung höher ist als die der meisten massiven Baumaterialien.
Neben den üblichen Baustoffen finden zur Schirmung auch eigene Schirmmaterialien Verwendung. Materialien mit hohem elektrischen Leitvermögen wie Metalle (nicht jedoch Graphit!) schirmen nicht nur niederfrequente elektrische sondern auch hochfrequente elektromagnetische Felder sehr effektiv ab, wobei die Schirmwirkung im in Betracht kommenden Hochfrequenzbereich (Mobilfunkfrequenzen) unabhängig von der Erdung ist. Solche elektrisch leitenden Materialien zur Abschirmung finden sich in speziellen Fassadenvorsatzelementen, Armierungsgeweben, Tapeten, Geweben und Netzen. Abschirmputze können auch metallfrei durch ihren Gehalt an Carbonfasern eine hohe Schirmwirkung entfalten.
Bei der Planung und Durchführung von Abschirmmaßnahmen muss jedenfalls der Schirmreduzierung durch Fenster- und Türöffnungen, durch Spalten, Schlitze und andere Schirmunterbrechungen (z. B. Fensterrahmen) sowie Leitungsdurchführungen Rechnung getragen werden.
Darüber hinaus ist zu beachten, dass durch zu großflächig verwendete Bleche und Folien das Wohnklima ungünstig beeinflusst wird, da sie auch als Dampfsperren wirken.
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