Badegewässer


Die Kärntner Seen weisen überwiegend einen (sehr) guten ökologischen Zustand auf (siehe Homepage des Kärntner Institutes für Seenforschung). Zurückzuführen ist dies einerseits auf die bereits in den 1970er Jahren begonnene vollständige Kanalisation der anliegenden Siedlungsbereiche und Reinigung der Schmutzwässer zentral in Kläranlagen und andererseits in der Vollziehung des österreichischen Wasserrechtsgesetzes, wonach alle Gewässer im Rahmen des öffentlichen Interesses rein zu halten und zu schützen sind.
Zum Schutz der Badenden wird eine repräsentative Auswahl von Abschnitten von Oberflächengewässern, an denen mit einer großen Anzahl von Badenden zu rechnen ist und für die kein dauerhaftes Badeverbot erlassen ist und auch nicht auf Dauer vom Baden abgeraten wird, regelmäßig auf ihre hygienische Beschaffenheit untersucht. Ein Eintrag hygienisch relevanter Stoffe in Badegewässer ist grundsätzlich durch Zuflüsse, Abwasser, Hangwasser, Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe, aber auch durch die Badegäste selbst und z. B. Wasservögel möglich.
Die hygienische Überwachung der Badegewässer muss seit 1997 gemäß EU-Richtlinie 76/160/EWG über die Qualität der Badegewässer erfolgen. Mit 24. März 2006 ist eine neue Badegewässerrichtlinie, die Richtlinie 2006/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Februar 2006 über die Qualität der Badegewässer und deren Bewirtschaftung und zur Aufhebung der Richtlinie 76/160/EWG in Kraft getreten. Die Umsetzung dieser Richtlinie in innerstaatliches Recht erfolgte durch eine mit 16. Juli 2009 in Kraft getretene Novelle zum Bäderhygienegesetz (BHygG), BGBl. I Nr. 64/2009, und durch eine mit 30. Oktober 2009 in Kraft getretene eigene Badegewässerverordnung (BGewV), BGBl. II Nr. 349/2009.
Die neue Badegewässerrichtlinie wird schrittweise wirksam. Im Übergangszeitraum (Badesaisonen 2010-2012) werden bereits die beiden neuen bakteriologischen Parameter Escherichia coli und Intestinale Enterokokken der RL 2006/7/EG untersucht. Die Einstufung der Badegewässer erfolgt nach jeder Badesaison auf Grundlage der Ergebnisse der neuen Parameter und lautet
■ mit den Richtwerten konform
■ mit den Grenzwerten konform
■ mit den Grenzwerten nicht konform
■ mit vorläufigem Badeverbot
■ mit Badeverbot für die Dauer der Badesaison oder
■ unzureichende Probenahme oder ohne Probenahme.
Die wesentlichen gesundheitlichen Risiken beim Baden sind Unfälle (z. B. Schnittverletzungen, Schürfwunden, Ertrinken), toxin-bildende Cyanobakterien (Blaualgen) bei massenhaftem Auftreten und vor allem Krankheitserreger. Bei der Beurteilung der Badegewässerqualität stehen daher die mikrobiologischen Untersuchungen im Vordergrund.
Die meisten Erreger werden durch Verschlucken von fäkalien-verunreinigtem Wasser übertragen. Maßgeblich für die Beurteilung der Badegewässerqualität sind die beiden Parameter Escherichia coli (in etwa Fäkalcoliforme Bakterien) und Intestinale Enterokokken (Fäkalstreptokokken). Es handelt sich dabei um Indikatorbakterien, die die fäkale Gesamtbelastung des Wassers charakterisieren und die Größe des hygienischen Risikos beim Baden abschätzen helfen.
Werden E. coli und Intestinale Enterokokken, die selbst nicht unbedingt Erkrankungen auslösen, im Wasser nachgewiesen, ist die Annahme gerechtfertigt, dass auch unterschiedlichste Krankheitserreger (wie z. B. Bakterien, Viren, Einzeller, Würmer) direkt mit Fäkalien von Menschen und tierischen Warmblütern oder indirekt über Abwässer oder Abschwemmungen ins Wasser gelangt sein können. Bei Überschreiten der Grenzwerte der Indikatororganismen wird die Anwesenheit von Krankheitserregern in Konzentrationen angenommen, die die Gesundheit der Badenden gefährden.
E. coli sterben in der Umwelt normalerweise mehr oder weniger rasch ab, sodass festgestellte Belastungen eine relativ frische Verunreinigung mit menschlichen und tierischen Warmblüterfäkalien anzeigen. Enterokokken, die vor allem in tierischen Fäkalien in hoher Konzentration vorkommen, können auch länger in der Umwelt überleben. Dadurch kann ihr Nachweis ein Indiz für eine länger zurückliegende Kontamination sein.
Mit der Badesaison 2013 erfolgt die Bewertung und Einstufung der Badegewässer auf Grund der Daten der letzten vier Badesaisonen nach vorgegebenen Perzentilmethoden. Die Einstufung und der qualitative Zustand eines Badegewässers werden dann mit
■ mangelhaft
■ ausreichend
■ gut oder
■ ausgezeichnet
angegeben. Zum Ende der Badesaison 2015 haben alle Badegewässer zumindest eine ausreichende Qualität aufzuweisen. Die RL 76/160/EWG wird mit 31. Dezember 2014 aufgehoben.
Die neue Badegewässerrichtlinie definiert nicht nur verbindliche Wasserqualitätsnormen, sondern fordert auch eine qualitative Bewirtschaftung. Für alle Badegewässer, die durch Verordnung des Landeshauptmannes festgesetzt sind, muss ein Badegewässerprofil erstellt werden, in dem insbesondere alle potenziellen Verschmutzungsquellen im Einzugsbereich beschrieben werden. Alle Badegewässerprofile Österreichs finden sich auf der Homepage der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES).
Die Überwachung der Qualität der Badegewässer wird durch die Bezirksverwaltungsbehörden unter Heranziehung der Lebensmitteluntersuchungsanstalt Kärnten als Sachverständige durchgeführt.
Vorschläge, Bemerkungen und Beschwerden, insbesondere zur Erstellung, Überprüfung und Aktualisierung der Badegewässerlisten, können über die im Bundesministerium für Gesundheit eingerichtete E-Mail-Adresse
badegewaesser@bmg.gv.at vorgebracht werden.


Weiterführende Informationen:
Bundesministerium für GesundheitQualität der Badegewässer in Österreich (EU-Richtlinien, Bäderhygienegesetz, Badegewässerverordnung)     
Europäische KommissionBathing water quality      
Europäische Umweltagentur      
WISE (Water Information System for Europe)