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Suizid: Risikofaktor Einsamkeit im Alter

10.09.2019
LHStv.in Beate Prettner eröffnete Fachtagung Suizidprävention - Suizidrisiko ist ab dem 75. Lebensjahr doppelt so hoch wie das der Durchschnittsbevölkerung - Hauptgründe Einsamkeit, soziale Isolation, Angst vor dem Altsein und davor, zur Last zu werden


Klagenfurt (LPD). "In 20 Jahren werden wir mehr Großeltern als Enkelkinder haben - und damit steigt nicht zuletzt das Risiko, einsamer zu werden": Einsamkeit wiederum, also soziale Isolation, sei eine der wesentlichen Gründe für die hohe Anzahl von Suizidfällen älterer Menschen. Auf diesen Umstand wies Georg Psota in seinem Referat im Rahmen der heutigen Fachtagung Suizidprävention im Konzerthaus Klagenfurt hin. "Neben psychischen Erkrankungen, insbesondere unbehandelter Depressionen und der Angst vor einer schweren Erkrankung wie Demenz ist Einsamkeit der Hauptrisikofaktor für Suizide bei Menschen über 75 Jahre. Auch das Erleben steigender Abhängigkeiten und das Gefühl, man wolle für Angehörige keine Last sein, lässt manche Menschen verzweifeln, so dass sie für sich nur noch einen Ausweg - nämlich den des Selbstmordes sehen", stellte Psota fest.

Tatsächlich ist das Suizidrisiko ab dem 75. Lebensjahr etwa doppelt so hoch wie das der Durchschnittsbevölkerung. Aus diesem Grund widmete sich die heutige Fachtagung unter dem Titel "Risikofaktor Alter?" genau dieser Thematik.

In ihrer Begrüßungsrede wies Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner darauf hin, dass in Österreich pro Jahr rund 1250 Menschen durch Suizid sterben. "Das sind zweieinhalb Mal so viele wie im Straßenverkehr. Und acht Mal so viele wie durch Drogenkonsum. "Doch während über Verkehrssicherheit und Drogen intensiv diskutiert wird, werden psychische Gesundheit und Suizide meistens nur am Rande gestreift", sagte Prettner, die anlässlich des heutigen Welttages der Suizidprävention zu besagter Fachtagung einlud. Eine Fachtagung, die heuer zum dritten Mal abgehalten wurde und für ein randvolles Konzerthaus sorgte.

Wie Prettner betonte, habe Kärnten schon vor Jahren begonnen, ein Bündel an Maßnahmen gegen Depression und Suizid zu schnüren. Zum einen ist dies der Psychiatrieplan 2020, zum anderen das europäische "Bündnis gegen Depression", dem sich Kärnten - nach Tirol und Niederösterreich als drittes Bundesland - angeschlossen hat. "Parallel dazu wurde in Kärnten eine Suizidpräventionsstrategie umgesetzt", so Prettner.

Was aber kann die Suizidprävention, und was kann die Gesellschaft im Kollektiv tun, um diesem Phänomen der steigenden Suizidrate im Alter entgegenzuwirken? "Es sind mehrere Faktoren, die ineinandergreifen müssen", so Psota. "Das ist zum einen die Vorbereitung auf das Alter, das heißt die frühzeitige Auseinandersetzung mit und die Akzeptanz von Älterwerden und Sterblichkeit; zum anderen ist es die Förderung der sozialen Teilhabe; und es ist auch die Annahme von Hilfen bei Krankheit", meinte der Experte.

Laut Primaria Christa Rados und Primarius Herwig Oberlerchner sei die wichtigste und effektivste Kampfmaßnahme zur Suizidprävention die Enttabuisierung und dass die Thematik in die Köpfe der Menschen dringe. "Es geht letztlich darum, psychische Erkrankungen, aber auch Einsamkeit und Ängste zu erkennen. Nur dann können wir darauf reagieren", so Rados und Oberlerchner.

Die Fachtagung dauert noch bis 15 Uhr mit Vorträgen an.


Rückfragehinweis: Büro LHstvin. In Prettner
Redaktion: Grabner/ Zeitlinger