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Biotopkartierung Kärnten




Biotopkartierung Kärnten


Was ist eine Biotopkartierung?

Eine Biotopkartierung ist die kartographische Erfassung und Abgrenzung von definierten Lebensräumen, welche als Biotope bezeichnet werden. Das können Baum- oder Strauchalleen, Feldgehölze, Bachläufe, Felsen mit Trockenrasengesellschaften, Feuchtgebiete wie Hoch- oder Niedermoore, Schilf- oder Röhrichtbestände, Auwälder, Feuchtwiesen usw. sein. Nicht von Interesse sind bzw. nicht kartiert werden beispielsweise Siedlungsgebiete, Waldflächen, Ackerflächen und Gebiete über 1.400 m Seehöhe.


Muss eine Biotopkartierung gemacht werden?

Grundsätzlich ergeben sich aus verschiedenen nationalen und internationalen Rechtsmaterien Verpflichtungen zur Durchführung einer Biotopkartierung. Neben dem Kärntner Naturschutzgesetz sind dies unter anderem die Vorgaben aus der „Biodiversitätskonvention“ (Artikel 7 des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (BGBl Nr 213/1995), aus der „Alpenkonvention“ (Artikel 3 des Übereinkommens zum Schutz der Alpen, BGBl Nr 151/1995), aus Artikel 13 bzw. 20 des „Protokolls Naturschutz- und Landschaftspflege“ zur Durchführung der Alpenkonvention (BGBl III Nr 236/2002) sowie Artikel 11 und 18 der „Habitat-Richtlinie“ 92/43/EWG.


Warum gibt es eine Biotopkartierung?

Grundsätzlich gibt es ein gesellschaftliches Interesse an der Frage, wie es um den Zustand unserer Natur im Lande steht. Die Veränderung unserer Landschaft geht Hand in Hand mit den gesellschaftspolitischen Veränderungen einher. Besonders augenscheinlich ist das in ländlichen Abwanderungsgebieten oder städtischen Zuzugsbereichen. Während periphere Täler sukzessive einen Rückgang des Grün- und Offenlands aufgrund des sich ausbreitenden Waldes verlieren, haben die städtischen Zentralräume das Problem der zunehmenden Flächenversiegelung.

Ökonomische, ökologische und soziale Faktoren können bei Überlegungen und Vorhaben nur dann entsprechend berücksichtigt werden, wenn den Entscheidungsträgern ein gewisser Wissensstand zur Verfügung steht.

Eine Biotopkartierung kann einen Beitrag leisten, dass aus ökologischer, raumplanerischer und naturschutzfachlicher Sicht zukünftig entsprechende Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stehen. Daher ist es notwendig, ausgewählte, ökologisch wertvolle und oftmals schon selten gewordene Biotope nach einem standardisierten Verfahren zu erheben.


Was bedeutet die Biotopkartierung für BürgerInnen und GrundeigentümerInnen?

Eine Biotopkartierung ist eine Dokumentation von ausgewählten Biotopen zu einem bestimmten Zeitpunkt, die von jedem interessierten Bürger und Bürgerin online im Kärnten-Atlas (https://kagis.ktn.gv.at) und in der Umweltabteilung des Landes eingesehen werden kann. Sie ist kein rechtlich verbindliches Dokument, sollte aber vorbeugend bei bestimmten Planungen und Vorhaben den Hinweis geben, ob seltene, ökologisch hochwertige Biotope betroffen sein könnten. Die Biotopkartierung ersetzt jedoch nicht eine allfällig notwendige Experteneinschätzung, weil sich Biotope im Laufe der Zeit verändern können.


Wer trägt die Kosten?

Finanziert wird die Biotopkartierung durch das Land Kärnten.


Wer macht die Biotopkartierung?

Mit der Durchführung der Biotopkartierung werden ausschließlich FachexpertInnen mit Schwerpunkt Botanik betraut. Die KartiererInnen sind angehalten, vor Aufnahme ihrer Tätigkeit im jeweiligen Gemeindeamt vorstellig zu werden. Es wird ersucht, die Kartierung im Interesse des Landes Kärnten zu unterstützen, zumal die Ergebnisse in weiterer Folge auch für verschiedene Belange herangezogen werden können, wie z.B.:

Vertragsnaturschutz

Landschaftspflegepläne

Artenschutzprogramme

Ortsentwicklungskonzepte

Projektplanung

Entwicklungsprogramme

Förderungsprogramme zur Landschaftserhaltung

Landschaftspflege und –gestaltung

Rote Listen

Lebensraumvernetzung

Infrastrukturprojekte (Straßenbau, Bahnbau)

Landwirtschaft

Forstwirtschaft

Tourismus

Bildung usw.


An wen kann man sich wenden, wenn man Fragen zur Biotopkartierung hat?

Für Fragen zur Biotopkartierung kann man sich an

Amt der Kärntner Landesregierung

Abteilung 8 - Umwelt, Energie u. Naturschutz

Unterabteilung Naturschutz

Flatschacher Str. 70

9020 Klagenfurt am Wörthersee,

Tel.: +43 (0) 50536 - 18432

E-Mail: abt8.naturschutz@ktn.gv.at

wenden.



Begriffsbestimmungen zur Biotopkartierung:


Biotop:

Der Biotop ist ein bestimmter funktioneller „Standort″ einer Lebensgemeinschaft in einem Gebiet. Zu unterscheiden ist der Begriff Biotop vom Habitat („Lebensraum″). Während der Biotop eine Funktion hat, ist ein Habitat der (räumlich verstandene) Lebensraum, die Lebensstätte einer Art oder Artengemeinschaft, möglicherweise auch nur ein Teil davon (z.B. Sommer- und Winterhabitat).

Ein Habitat ist die Konzentrationsstelle einer Art oder Artengemeinschaft innerhalb eines größeren „Biotops″ (der Raum der Lebensgemeinschaft), wobei die Gesamtbedingungen des Biotops die Artenzusammensetzung des Habitats stark beeinflusst (z.B. die „Schotterbank eines Fließgewässers″ als Habitat des Biotopes „Fluss″).

Habitate und Biotope müssen nicht deckungsgleich sein. Der Biotop einer Lebensgemeinschaft (z.B. ein Wald) kann für unterschiedliche Arten unterschiedliche Habitate bereitstellen (ein Wald hat Strukturen wie Astlöcher, Kronen- und Krautschicht, Bodenstreu…). Ein Habitat kann umgekehrt auch mehrere Biotope umfassen, wie bei wandernden Vögeln oder vielen Säugetieren, die beispielsweise Winter- und Sommerquartiere aufsuchen (z.B. bei Fledermausarten Höhlen als Überwinterungsquartier, Dachböden als Sommerquartier).


Biotoptyp:

Ein Biotoptyp ist ein aus der Gesamtheit gleichartiger oder ähnlicher Biotope gebildeter Überbegriff und dient vor allem der Klassifizierung des Landschaftsraumes im Rahmen des Kärntner Naturschutzgesetzes. Jeder einzelne Biotoptyp bietet als Lebensraum mit seinen ökologischen Bedingungen einheitliche, von anderen Typen verschiedene Voraussetzungen und ist häufig durch z.B. spezielle Pflanzengesellschaften gekennzeichnet. Sämtliche Biotoptypen sind in einem sogenannten Biotoptypenschlüssel aufgelistet. Manche Biotoptypen sind von Natur aus selten (z.B. Gletscher, Hochmoore, Zirbenwälder etc.), andere sind auf Grund des Strukturwandels in der Landschaft selten geworden (z.B. Streuobstwiesen, Magerrasen, etc.). Daraus ergibt sich ein Gefährdungsgrad von Biotoptypen, der auf Grund von wissenschaftlichen Kriterien festgelegt wird. Der Gefährdungsgrad eines Biotoptyps ist in der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Kärntens angegeben.


Selektive Biotoptypenerfassung:

Im Rahmen der Biotopkartierung wird selektiv vorgegangen. Das bedeutet, dass nur ausgewählte, naturschutzfachlich besonders bedeutsame Biotoptypen (seltene, gefährdete oder geschützte Biotoptypen) im Gelände erfasst werden. Naturschutzfachlich nicht so hoch eingestufte Biotoptypen wie Siedlungs- Gewerbe- und Verkehrsflächen, Intensivgrünland und –äcker sowie mäßig bis stark beeinflusste Forsttypen werden nicht kartiert. Welche Biotoptypen zu erheben sind und welche Mindestflächen erreicht werden müssen ergibt sich aus dem Biotoptypenschlüssel. Alpine und nivale Regionen sowie geschlossene Waldgebiete mit überwiegender forstlicher Nutzung werden im Rahmen der Biotopkartierung Kärnten nicht kartiert.



Kriterien für die Aufnahme in das Kärntner Biotopinventar sind:

Seltenheit

1. Von Natur aus selten (z.B. Hochmoor, Linden-Blockwald, Waldbestände mit baumförmigem Wacholder etc.).

2. Durch Nutzungsaufgabe oder -änderung oder sonstige Eingriffe selten oder gefährdet (vor allem im Extensiv-Kulturland) (z.B.: Streuwiese, Trockenrasen, Kopfweidenbestand, Buschweiden-gesellschaft am Fließgewässer etc.).

3. In der Gemeinde einmalig bzw. sehr selten oder falls Kartierer/In den Überblick hat (Bewertung nach: lokal – regional - national - international bedeutend - z. B.: lokal: im gesamten Gemeindegebiet nur eine Hutweide oder ein Amphibien-Laichgewässer oder international: ein Gewässer als Rastplatz für eine Vielzahl an Zugvögel).


Artenausstattung

4. Vorkommen einer Pflanzenart mit landesweiter Bedeutung für den Naturschutz.

5. Vermehrtes Auftreten seltener gefährdeter oder/und geschützter Pflanzenarten (z.B.: Magerwiese mit verschiedenen Orchideen-Arten; oligotropher Zwischenmoorbereich mit Blumenbinse, Schlammsegge etc.).

6. Sehr hohe Artenvielfalt (z.B.: Magerwiese über Kalkboden).


Besondere wissenschaftliche Bedeutung

7. Stark bedrohte Pflanzengesellschaft oder seltene Ausprägung einer solchen (z.B.: Tamarisken-Lavendelweidenbusch oder Knollige Sternmiere-Schwarzerlen-Eschenwald oder Kugelginster-Hopfenbuchenwald etc.).

8. Fundort der Erstbeschreibung einer Tier- oder Pflanzenart oder Vorkommen einer endemischen Art.

9. Sonderstandorte (mit untergeordneter Bedeutung aus vegetationsökologischer Sicht, z.B. Ruine, Lesesteinmauer etc.).

10. Besondere zoologische Bedeutung. Lebensraum von geschützten, gefährdeten und seltenen Tierarten (z.B.: größere Fledermauskolonie, bedeutendes Laichgewässer für Amphibien, Flurgehölz mit alten Eichen und Totholzanteil etc.).

11. Natur- oder/und kulturhistorische Bedeutung (z.B.: Gletschertopf, Gerichtslinde, wertvoller geologischer Aufschluss etc.).

12. Hervorragende Bedeutung für das Landschaftsgefüge (z.B.: reich strukturierter Landschaftsteil; Landschaftselemente mit hohem ästhetischen Wert, bemerkenswerte Allee etc.).

Natürlichkeitsgrad.

13. Ursprünglicher Naturlandschaftsteil (z.B.: Felstrockenrasen; ungestörte Verlandungszone am Gewässer etc.).

14. Naturnahe Flächen mit hohem aktuellen Entwicklungspotential (z.B.: in Sukzession befindliche aufgelassene Schottergrube).



Rechtliche Rahmenbedingungen:


Der Biotopkartierung liegt das Kärntner Naturschutzgesetz 2002 – K-NSG 2002, LGBl. Nr. 79/2002 (WV) idgF zugrunde. Der IX. Abschnitt des K-NSG 2002 regelt „Erhebung, Entwicklung und Pflege von Natur- und Landschaftsräumen“.


Einsicht in die Biotopkartierung

BürgerInnen haben das Recht, in das Naturinventar während der für den Parteienverkehr bestimmten Zeit in der Abteilung 8 – Umwelt, Energie und Naturschutz Einsicht zu nehmen bzw. besteht die Möglichkeit die Biotopkartierung online im Kärnten-Atlas (https://kagis.ktn.gv.at) abzurufen.


Berücksichtigungspflicht der Biotopkartierung:

Die Behörden und Dienststellen des Landes haben die Informationen, die im Naturinventar (hierzu gehört die Biotopkartierung) aufgezeichnet sind, bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen.


Betretungsrecht fremder Grundstücke und Auskunftspflicht:

GrundeigentümerInnen, PächterInnen etc. sind gemäß § 60 K-NSG 2002 unter anderem verpflichtet, behördlichen Organen oder behördlich beauftragten Personen (von Firmen, Vereinen etc.), die unter anderem mit der Erstellung der Biotopkartierung beschäftigt sind, ungehinderten Zutritt zu den in Betracht kommenden Grundstücken, ausgenommen Wohnungen sowie sonstige zum Hauswesen gehörige Räumlichkeiten, zu gewähren.


Ausweispflicht der Organe:

Obige Organe und Erhebungspersonen sind verpflichtet, sich auf Verlangen gegenüber dem Grundstückseigentümer oder Verfügungsberechtigten auszuweisen. Beauftragte Personen haben zusätzlich zum Lichtbildausweis eine vom Amt der Kärntner Landesregierung ausgestellte Bescheinigung vorzuzeigen. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sind von den Organen zu wahren.


Auskunftspflicht der Grundeigentümer und sonst. Verfügungsberechtigten:

Jedermann ist verpflichtet, den oben erwähnten Organen auf deren Verlangen Auskünfte im Rahmen amtlicher Erhebungen in Vollziehung dieses Gesetzes oder der auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Verordnungen zu erteilen.


Aktuelles


In welchen Gemeinden wird aktuell kartiert?

Für die Vegetationsperiode des Kalenderjahres 2020 ist geplant, dass die Biotope folgender Gemeinden im Rahmen einer Feldkartierung erhoben werden:


Bezirk St. Veit an der Glan:

  • Althofen
  • Brückl
  • Deutsch-Griffen
  • Eberstein
  • Frauenstein
  • Friesach
  • Glödnitz
  • Guttaring
  • Hüttenberg
  • Kappel am Krappfeld
  • Klein St. Paul
  • Metnitz
  • Micheldorf
  • Mölbling
  • St. Georgen am Längsee
  • St. Veit an der Glan
  • Straßburg
  • Weitensfeld im Gurktal


Bezirk Feldkirchen in Kärnten:

  • Albeck
  • Feldkirchen in Kärnten
  • Gnesau
  • Himmelberg
  • Reichenau
  • St. Urban
  • Steuerberg


Durchgeführt werden diese Kartierungen von der Firma „ZT KOFLER Umweltmanagement, Dr. Hugo Kofler, Traföß 20, 8132 Pernegg an der Mur.