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Cäsium137-Projekt-Kärnten



Cäsium137-Bodenbelastung in Kärnten. Aktualisierung 4.11.2019



Fragen zum Projekt


Was ist der Grund für das Projekt?

Der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 hat die Böden in einigen Gebieten in Österreich mit radioaktiven Stoffen stark belastet. Es handelt sich um Gebiete, in denen es Ende April/Anfang Mai 1986 starke Niederschläge gegeben hat. Das Umweltbundesamt (UBA) erstellte auf Grund von Messungen eine Belastungskarte für ganz Österreich.

Auf der UBA-Karte sieht man, dass der Bereich der Kor- und Saualpe, Teile der Karawanken sowie das Tauerngebiet stärker betroffen waren.


Was ist Cäsium 137?

Cäsium 137 mit einer Halbwertszeit von ca. 30 Jahren ist nach wie vor nachweisbar. Der Begriff „Halbwertszeit“ bedeutet, dass ein radioaktiver Stoff zerfällt, und nach dieser Zeit noch die Hälfte desselben vorhanden ist.

Im Jahr 2016 ist rechnerisch die Hälfte des radioaktiven Cäsium 137 von Tschernobyl zerfallen.

Die Verlagerung des Cäsium 137 von der Oberfläche in die Tiefe hängt von der Zusammensetzung des Bodens ab (Waldökosystem vs. Kulturboden). Die Sicherstellung aktueller Werte ist nur durch Messungen zu erreichen.


Wie wurden die Probenahmestellen ausgewählt?

Unter einer technisch vorgegebenen Nachweisgrenze ist kein Messwert zu erwarten, d. h. primär wurden Orte gewählt, die 1986 einer stärkeren Belastung ausgesetzt waren. Liegen diese Stellen in gebirgigen Gegenden, so sind sie überwiegend nur zu Fuß erreichbar, weshalb das gesamte Instrumentarium per Rucksack mitgenommen werden muss.


Sind das dieselben Probenahmestellen welche auch für einen Katastrophenfall (Unfall in einem KKW mit Freisetzung von radioaktiven Stoffen) verwendet werden?

Nein: Ziel des Cs137-Projektes war festzustellen, wie hoch die tatsächliche Bodenbelastung ist. Bisher gab es für Kärnten nur die UBA-Karte, welche die aktuell errechneten Werte beinhaltet.

Für den Katastrophenfall werden Boden- Bewuchs- und/oder Schneeproben von 13 Probenahmestellen gezogen, welche nach meteorologischen Kriterien über ganz Kärnten verteilt sind. Diese Punkte sind leicht per Auto erreichbar, und man erhält in Zusammenhang mit dem Strahlenfrühwarnsystem einen ausgezeichneten Lageüberblick.

Die Proben werden in diesem Fall von speziell ausgebildeten Strahlenspürern der Polizei gezogen. Notfallübungen finden zu diesem Zweck alle 2 Jahre statt.


Wie verhält sich Cäsium 137 im Boden?

Das Verhalten von Cäsium137 in Waldböden unterscheidet sich stark von jenem in Wiesen- oder Ackerböden. In Waldböden ist der größte Teil in der organischen Auflageschicht (Streu, Humus) gebunden, und bleibt so in einem Mikrokreislauf oberflächlich vorhanden. Das ist der Grund, warum bestimmte Pilze - und damit auch das Fleisch von Wildtieren, die überwiegend diese Pilze fressen - immer noch höhere Werte von Cäsium 137 aufweisen.

In Ackerböden fehlt eine organische Auflageschicht, das Cäsium137 wird durch Pflügung in den Oberboden eingemischt, bindet sich an Tonminerale, und ist so nicht pflanzenverfügbar, d. h. kann nicht von Pflanzen aufgenommen werden.


Wie sind die Ergebnisse?

Erwartet werden konnte die Hälfte des ursprünglich abgelagerten Cäsium 137 (Halbwertszeit 30 Jahre). Studien gaben den Hinweis, dass Cäsium137 in Ackerböden bereits in größere Tiefen verlagert wurde, und dadurch an der Oberfläche eine geringere Belastung darstellt. Cäsium137 in Waldböden verhält sich überwiegend nach dem physikalischen Prinzip der Halbwertszeit.

In Kärnten sind bei dieser Messreihe bis auf 3 Ausnahmen alle Messergebnisse (weit) unterhalb des Erwartungswertes.


Nutzen im Katastrophenfall?

In einem Katastrophenfall (Unfall in einem KKW mit Freisetzung und Verfrachtung von radioaktiven Stoffen nach Kärnten) gibt es so die Möglichkeit abschätzen zu können, wie viel zusätzlich an Belastung entstanden ist. Wir wissen in so einem Fall, welche Teile Kärntens wie stark betroffen sind. Die dann notwendigen Maßnahmen können auf ihre Effizienz hin besser beurteilt werden.

Das Projekt soll fortgesetzt werden, um so einen noch besseren Überblick über alle Teile Kärntens zu erlangen. Die weiteren Messergebnisse werden ebenfalls veröffentlicht.


1. Schneeprobenahme-Notfallübung in Österreich. Link zu kaernten-tv

Ergebnisse der Probenahmeübung KÄRN:PROBE-SCH 2018 (siehe Erklärungen zur Probenahmeübung Schnee)


Link: Cs-137 im Kärnten-Atlas (Anm.: Messwert -999 (z. B. Arnoldstein) bedeutet unter der Nachweisgrenze)


Link: Erklärungen zur Probenahmeübung Schnee

Link: Cs137-Karte als pdf

Link: Erklärungen zur Cs137-Karte

Link: Werte und Koordinaten

Link: UBA-Cäsiumkarte Österreich

Link: UBA-Cäsiumkarte Österreich Probenahmestellen

Link: mehrere Studien zum Thema auf der Seite der AGES

Link: Informationen zum Strahlenschutz auf www.ktn.gv.at