Nachkriegszeit bis Staatsvertrag

Von der Nachkriegszeit bis zum Staatsvertrag

Im Mai 1945 bildeten Vertreter der Widerstandsbewegung und der demokratischen politischen Parteien Kärntens einen vorläufigen Vollzugsausschuss. Sie konnten den Gauleiter zum Verzicht auf die Macht veranlassen und den Nationalsozialismus somit aus eigener Kraft überwinden noch bevor die Besatzungsmächte einmarschierten. Diese Fakten waren auch im Zusammenhang mit den Staatsvertragsverhandlungen ein wichtiges Argument.

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Am 7. Mai überschritten schließlich britische Truppen aus Italien kommend auf dem Plöckenpass die Landesgrenze. Eine provisorische Landesregierung wurde daraufhin konstituiert und der Sozialdemokraten Hans Piesch zum Landeshauptmann bestellt. Am 8. Mai erreichten britische Panzer Klagenfurt, wenige Stunden nach ihnen rückten erste jugoslawische Einheiten ein. Der jugoslawische Truppenkommandant forderte von der Landesregierung u.a. das Einverständnis zur Eingliederung Kärntens in den Staat Jugoslawien.

Hans Piesch

Der britische Feldmarschall Sir Harold Alexander ersuchte Marschall Tito am 11. Mai die jugoslawischen Truppen aus Kärnten abzuziehen. Die Jugoslawen verschleppten eine größere Zahl von Kärntner Zivilpersonen, von denen 91 nicht mehr zurückkehrten. Am 19. Mai begann schließlich der jugoslawische Rückzug aus Kärnten.

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Sir Harold Alexander

Am 9. Juli 1945 wurde von den vier Siegermächten das sogenannte Zonenabkommen unterzeichnet, in dem Kärnten und die Steiermark als britische Besatzungszone ausgewiesen wurden. Von der britischen Militärregierung wurde Hans Piesch per Dekret zum Landeshauptmann ernannt, dem neugebildeten konsultativen Landesausschuss gehörten Vertreter der SPÖ, der ÖVP, der Kommunisten und der Kärntner Slowenen an. Im Oktober 1945 beschloss die Landesregierung eine Minderheitenschulverordnung, die eine verpflichtende Zweisprachigkeit für alle Kinder in einem genau abgegrenzten Gebiet vorsah. In der konstituierenden Sitzung des Kärntner Landtages am 10. Dezember 1945 wurde Piesch zum Landeshauptmann gewählt. Die Briten zogen sich schrittweise aus der Landesverwaltung zurück.


Im Jänner 1947 legte die jugoslawische Delegation in London den Sonderbeauftragten der Außenminister ein Memorandum über "Slowenisch-Kärnten" vor. Darin wurde von Kärnten die Abtretung eines Gebietes mit 180.000 Einwohnern gefordert. Der Kärntner Landtag fasste daraufhin einstimmig eine Entschließung, in der die Unteilbarkeit Kärntens betont wurde. Im Juni 1949 einigten sich die Außenminister der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges in Paris darüber, dass der künftige Friedensvertrag mit Österreich den Schutz der slowenischen und kroatischen Minderheiten gewährleisten sollte. Die jugoslawischen Gebietsforderungen wurden nicht mehr angesprochen.


Im Staatsvertrag von Wien wurden im Mai 1955 ebenso die Rechte der österreichischen Minderheiten verankert (Artikel 7). Mit dem Abschluss des Staatsvertrages, der auch von Jugoslawien mitunterzeichnet wurde, endete die internationale Diskussion um die Kärntner Grenzfrage.