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Die Weltkugel am Wilson-Denkmal dreht sich wieder

28.01.2013
LH Dörfler und US-Botschaftsrat Schools enthüllten restauriertes Denkmal vor Regierungsgebäude
Kärnten bildet eine natürliche geographische Einheit und eine Mehrheit der Bevölkerung will bei Österreich verbleiben. Diesen Schluss zog 1919 die Kommission um den amerikanischen Oberstleutnant Sherman Miles. Die USA traten daraufhin für die Karawankengrenze ein und es kam schließlich zur Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920. Damit wurde der vom amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson aufgebrachte Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes angewendet. In Würdigung von Wilson, Miles und des Leiters der amerikanischen „Fieldmission“ für Zentraleuropa, Archibald Cary Coolidge, wurde im Jahr 2000 zum 80-Jahr-Jubiläum der Volksabstimmung ein Denkmal vor dem Gebäude der Kärntner Landesregierung in Klagenfurt aufgestellt. Heute, Montag, enthüllten Landeshauptmann Gerhard Dörfler und US-Botschaftsrat Jonathan Schools feierlich das restaurierte Denkmal, das aus Porträts der drei Amerikaner und einer sich nunmehr wieder drehenden Weltkugel besteht.

Der heutige Tag wurde für die Enthüllung gewählt, weil die Miles-Kommission am 28. Jänner 1919 in Kärnten ankam. Dörfler hob den Mut und die Verantwortung all jener hervor, die im Abwehrkampf für ein ungeteiltes Kärnten gekämpft haben. Die Miles-Kommission habe sich damals ein genaues Bild von Kärnten gemacht und Präsident Wilson habe sich dafür eingesetzt, dass es bei den Verhandlungen von Saint-Germain keine Entscheidung am Grünen Tisch gegen die Menschen in Kärnten gebe. Man habe damals eine Identität erkannt und ohne das Bekenntnis Kärntens zu Österreich bei der Volksabstimmung würde die Zweite Republik wohl so nicht bestehen, meinte der Landeshauptmann. „Wir müssen Geschichte als Mahnung verstehen. Kärnten und seine Nachbarn haben eine dauerhafte Friedensverpflichtung. Wer seine Wurzeln kennt, wird seine Zukunft besser leben können“, betonte er. Dörfler hob in diesem Sinne das neue Miteinander und die Vitalität durch die Ortstafellösung und die Chancen durch die Euregio „Senza Confini“ hervor. In den nächsten Tagen werde er wieder Sarajewo besuchen, wo der Erste Weltkrieg 1914 durch das Attentat auf den österreichischen Thronfolger ausgelöst wurde. Kärnten werde nämlich mit dem Kanton Sarajewo kooperieren, im Zuge einer Partnerschaft, die mehr als nur ein Papier sein solle.

„Ich freue mich, dass Kärnten immer noch die damalige Rolle der USA ehrt“, sagte Botschaftsrat Schools. Er sagte, dass die USA und Österreich vieles verbinde. Kärnten bezeichnete er als schönes Land, die Kulturen und die Volksgruppe seien eine Bereicherung für alle. „Die Menschen hier lieben ihr Land“, konstatierte er und merkte auch an, dass der Kärntner Leo Stollwitzer von der politischen Abteilung der US-Botschaft Kärnten immer als Nummer Eins von Österreich bezeichne. Er selbst komme aus Texas, das eine gewisse Ähnlichkeit mit Kärnten habe, weil es auch etwas anders als der Rest der USA sei, so Schools mit einem Augenzwinkern.

Eine historische Betrachtung der Ereignisse von 1919 bis 1920 gab es von Landesarchivdirektor Wilhelm Wadl. Er beschrieb Wilson, den 28. Präsidenten der USA, als jemanden, der rational Politik betrieben habe. Wilson sei Professor für Rechtswissenschaften und Nationalökonomie sowie Rektor der Universität Princeton gewesen. In seinem 14-Punkte-Programm habe er die Vision für eine gerechte Nachkriegsordnung in Europa formuliert. Ein zentraler Begriff seines Programms sei die „self-determination“, also Selbstbestimmung, gewesen. Kärnten habe diese bereitwillig aufgegriffen, 1918 habe es für das geschlossene deutsche Siedlungsgebiet kraft des Selbstbestimmungsrechtes der Völker den Anschluss an den Staat Deutschösterreich proklamiert, für das gemischtsprachige Siedlungsgebiet habe es das Selbstbestimmungsrecht der Bewohner, also eine demokratische Entscheidung, zur Anwendung bringen wollen. Der Miles-Kommission sei in Griffen von der Bevölkerung ein Memorandum überreicht worden, in dem sie gegen die jugoslawischen Teilungsbestrebungen protestierte. Die Amerikaner seien besonders von den „vielen Slowenen, die keine Jugoslawen sein wollen“ beeindruckt gewesen, erklärte Wadl. Die Amerikaner seien schon vorab überzeugt gewesen, dass eine Volksabstimmung zugunsten Österreichs ausgehen würde.

Geschaffen wurde das im Jahr 2000 aufgestellte Denkmal vom bekannten Osttiroler Künstler Jos Pirkner. Die Restaurierungsarbeiten wurden von der Osttiroler Firma Blassnig durchgeführt. Der Landeshauptmann begrüßte bei der Denkmalsenthüllung u.a. Slowenenvertreter Bernard Sadovnik, Leo Stollwitzer von der US-Botschaft, LHStv. a.D. Rudolf Gallob, Landesamtsdirektor Dieter Platzer, Militärkommandant Brigadier Walter Gitschthaler, Abwehrkämpferbundobmann Fritz Schretter sowie Kameradschaftsbundobmann August Eberhard mit Fahnenabordnungen, Ulrichsberggemeinschaftspräsident Hermann Kandussi und Arno Manner vom Kärntner Heimatdienst. Besonders freute er sich über die musikalische Umrahmung durch die Militärmusik Kärnten unter Oberst Sigismund Seidl. Durch das klare Ja der Bevölkerung zu allgemeiner Wehrpflicht und Zivildienst müsse man keinen Gedanken mehr darüber verlieren, wie es ohne diesen großartigen Kulturbotschafter wäre, merkte er an.


Rückfragehinweis: Büro LH Dörfler
Redaktion: Markus Böhm