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KULTUR

Heimatherbst wie bisher wird es nicht mehr geben

09.07.2013
LR Waldner: Neue Kultur in der Kultur – keine politische Vereinnahmung, kein Eigenmarketing, nur mehr Brauchtum mit Tradition, Regionalität und Nachhaltigkeit sowie Vernetzung mit dem Tourismus
„Kärnten muss nicht nur wegen des Diktats der leeren Kassen weg von der kurzfristigen Eventpolitik und weg von reinen Folklore-Veranstaltungen hin zu einer nachhaltigen, traditionellen wie modernen Kulturpolitik mit einer neuen Willkommenskultur und vor allem einer neuen Qualität“, fasst Kulturlandesrat Wolfgang Waldner die kulturpolitischen Ziele zusammen. In den vergangenen Jahren sei die traditionelle Kultur in Kärnten mehrfach politisch vereinnahmt worden und habe über Jahre eine Instrumentalisierung der Volkskultur stattgefunden.

Gerade die Inszenierung rund um den Heimatherbst sei laut Waldner eines der Negativ-Beispiele der Vergangenheit, wie Brauchtum politisch vereinnahmt wurde, denn den größten Teil der Kosten – nahezu 500.000 Euro - verschlangen laut Waldner die Marketingaktivtäten des damaligen Kulturreferenten. Das habe die von ihm angeordnete Prüfung der Volkskulturabteilung ergeben. „Es ist an der Zeit, die ursprüngliche Bedeutung unseres Brauchtums in Kärnten wieder hervorzuheben und die Achtung aller kulturellen Ausprägungen wieder herzustellen“, so Waldner.

Unter dem Titel „Kultur Herbst Kärnten“ soll künftig nachhaltiges, authentisches Brauchtum gelebt werden und damit werde man „einer Polarisierung des Kulturbegriffs entgegenwirken, sowie das attraktive Programm über die Grenzen Kärntens hinaus bekannter machen“. Es sei für ihn ein Gebot der Stunde, Kärntens Kultur mit dem Tourismus zu vernetzen, so Waldner

Ganz bewusst werde der „Kultur Herbst Kärnten 2013“ mehrere Schwerpunkte haben. „Wir wollen Werte, Traditionen und Regionalität vermitteln, leben und erlebbar machen. Wir wollen aber auch die Vernetzung mit der zeitgenössischen Kunst vorantreiben“, betont Waldner. „Brauchtum.Heimat.Tradition“ werde authentisches, regionales und nachhaltiges Brauchtum in den Mittelpunkt stellen.

Im Jahre 2012 hatten im Rahmen des neun Wochen dauernden Heimatherbstes 78 der insgesamt 132 Kärntner Gemeinden 120 Veranstaltungen durchgeführt. Diese reichten vom Dorf- und Erntedankfest über kulinarische Schmankerln, wie Speck-, Wein-, Had’n- und Ritschertfest, bis zu Sänger- und Musikantentreffen.

Künftig sei es laut Waldner unerlässlich, konkrete und verbindliche Kriterien für die Qualität und die Durchführung der Veranstaltungen vorzugeben. So sei „kein Plastik“ eines der Schlagworte aus der Checkliste zu „Brauchtum.Heimat.Tradition“. Das beziehe sich nicht nur auf Geschirr und Festzelte, sondern auch auf das Veranstaltungsdesign und Spielgeräte für Kinder.
Unter dem Motto „weniger ist mehr“ werde künftig maximal eine Veranstaltung beziehungsweise eine Schwerpunktwoche pro Gemeinde in das Programm aufgenommen, Speisen und Getränke müssen nachweislich aus der betreffenden Region („Genussland Kärnten“, Genussland Österreich) stammen. „Wenn wir von Heimat reden, müssen wir auch Heimat leben – in allen Bereichen“, stellt Waldner klar.

Voraussetzung an der Teilnahme ist die Einbindung örtlicher Kulturvereine, heimischer Wirte, bäuerlicher Direktvermarkter sowie regionaltypischer Handwerksdarbietungen. Waldner: „Qualität wird belohnt. Niveau wird unterstützt. Diese und weitere Auflagen müssen erfüllt werden, um auch 2014 an der Veranstaltungsreihe teilnehmen zu können.“

„Brauchtum.Heimat.Tradition “ wird heuer vom 25. August bis zum 13. Oktober durchgeführt.

Alle Kärntner Gemeinden werden mit einem Schreiben heute, Mittwoch, eingeladen, je eine Veranstaltung mit schriftlichem Konzept bei der Unterabteilung Volkskultur und Brauchtumswesen beim Amt der Landesregierung einzureichen. Die Bewerbungen werden von einer Jury bewertet. Die Bevölkerung wird unter anderem mittels Folder über alle Veranstaltungen informiert werden. „Das ist die einzige Maßnahme, die wir setzen. Es wird kein Hochglanzprodukt und kein Bilderbuch. Es ist eine Termin-Info zu den Veranstaltungen“, erläutert Waldner.


Kultureller Anspruch – Qualitätskriterien NEU

Überlieferte und ursprüngliche Volks- und Alltagskultur
Frage: Warum mache ich das? Gibt es einen historischen Hintergrund? Will ich nur Geld verdienen? Kein Kirchtag mit Zeltfestcharakter! Es geht um „echte Alltags- und Brauchtumskultur“
1. Einbindung örtlicher Kulturvereine, auch wenn diese sich nicht überwiegend mit der Volkskultur befassen. (Sänger, Volksmusikanten, Tänzer, Blasmusik, Trachtenträger, sonstige Kulturvereine)
2. Musik und Tanzdarbietung möglichst interaktiv (Platzkonzerte, offenes Singen) - ohne aufwendige Beschallungsanlagen. „Weg von der Bühnen- und hin zur einer interaktiven Erlebniskultur“.
3. Thematisierung der Zugehörigkeit zum „Alpen Adria Raum“
4. Präsentation von bäuerlichem, regionaltypischen Handwerk, wie: Fassbinder, Spinner, Schmiede, Schnitzer etc..

Schwerpunkt: „regionale Handwerkskultur“
5. Regionaltypische Kost aus dem Genussland Kärnten
6. Verzicht auf Wiener mit Pommes oder Pangasiusfilet vom Grill, dafür Ritschert, Bauernschmaus, Polenta, Krautfleckerln oder Had’nnudel etc.
7. Die Zutaten sollen nachweislich aus dem Genussland Kärnten stammen, damit die Wertschöpfung lokal erhalten bleibt.
8. Einbindung der heimischen Wirte, bäuerlichen Direktvermarkter sowie
9. herbstliche Dekoration des Dorfes

Außerdem wird überprüft, ob die Veranstaltungen den Anforderungen entsprochen haben.
Überprüfungspunkte: Authentisch – Nachhaltig - Regional
Nachstehende Punkte sind mittels einer Fotodokumentation, sowie eines Evaluierungsbogens von den Veranstaltern im Anschluss an die Veranstaltung zu erbringen. Dies gilt als Voraussetzung für eine Teilnahme im Jahr 2014.

1. Örtliche Bewerbung und herbstliche Dekoration des Veranstaltungsgeländes?
2. Eintritt oder Verkauf von Festzeichen?
3. Anzahl Bauernstände bei der Veranstaltung? (mind. 4)
4. Kein Plastik (Geschirr, Besteck, Spielmöglichkeiten, Festzelt)
5. Anzahl der Handwerker, die regionaltypisches Handwerk präsentieren.
6. Kinderspielmöglichkeiten (ohne Plastik-Hupfburg, eventuell Streichelzoo)?
7. Kulinarisches Angebot (Getränke und Speisekarten –Infos zur Kärnten Produktherkunft (vom örtlichen Bauern bzw. aus dem Genussland)
8. Musik und Tanz ohne Verstärker?
9. Besucherzahlen
10. Buchbare Angebote durch die regionale Hotellerie?


Rückfragehinweis: Büro LR Waldner
Redaktion: Robitsch