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POLITIK

Pflegeheim für geistig behinderte ehemalige Häftlinge: Standortvarianten werden geprüft

23.08.2013
LHStv.in Prettner lobt konstruktives Gespräch: Gute Idee, aber verfehlte Informationskultur und noch Entwicklungspotential
Heute, Freitag, fand auf Einladung von Kärntens Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner ein Gespräch mit Peter Gunhold, dem Betreiber des angedachten Pflegeheimes für geistig behinderte ehemalige Häftlinge, und Isabella Scheiflinger, der Behindertenanwältin des Landes Kärnten, statt. Neben einer Projektpräsentation wurde vor allem der angedachte Standort in Reifnitz diskutiert.

„Nachdem sich bei dem zu pflegenden Klientel der Bund offenbar aus seiner Verantwortung, eine Nachbetreuung nach beendeter Haftstrafe zu gewährleisten, verabschiedet, sind die Bemühungen seitens Gunhold positiv hervorzuheben. Immerhin handelt es sich bei den betroffenen Menschen um keine Schwerverbrecher, sondern um ältere, behinderte Mitmenschen, die oft unbewusst, aufgrund ihrer Behinderung strafffällig wurden und ihre Haftstrafe bereits verbüßt haben“, erklärte Prettner. Aufgrund mangelnder Angebote zur Nachbetreuung und fehlender familiärer Netzwerke müssen viele dieser Menschen ihr Dasein derzeit weiter in österreichischen Justizanstalten fristen, was laut Scheiflinger eine klare Verletzung der Menschenreichte sei.

Nicht zuletzt aufgrund der großen Anrainerproteste konnte man sich mit Gunhold darauf einigen, vom Standort Reifnitz bis auf weiteres abzusehen, die Projektierung nochmals gemeinsam mit Experten des Landes und der Behindertenanwältin zu überarbeiten und in Frage kommende Standorte gemeinsam zu überprüfen. „Unter anderem sollte dringend auf die Empfehlung der Behindertenanwältin eingegangen werden, die Kleingruppen anstatt institutionalisierter Betreuung für das angesprochene Pflegeklientel anregt“, so Prettner. Zudem müsse ein Standort gewählt werden, der eine derartige Einrichtung im Einklang mit der Bevölkerung und den Gemeindeinteressen zulässt und gemeindeintegrative Betreuung der behinderten Menschen ermöglicht. „Wohin uns Geheimniskrämerei bringen kann, hat das aktuelle Negativbeispiel deutlich bewiesen. Es sollen keine weiteren unbegründeten Ängste in der Bevölkerung geschürt werden, weshalb wir eine offene Informationskultur gemeinsam mit Gunhold und den Fachexperten anstreben. Ein derart sensibles Projekt braucht neben optimaler fachlicher Konzeption, die weitest bereits gegeben ist, auch vorbereitende Arbeit mit den Gemeindebürgerinnen und -bürgern, um Verständnis und Akzeptanz erzeugen zu können“, stellt Prettner klar.

Prettner richtet ihren Appell auch an die Kärntner Bevölkerung und Teile der Politik, keine voreiligen Stigmatisierungen des Projektes zu betreiben. „Mir ist bewusst, dass es sich hier um ein äußerst sensibles Thema handelt, doch Vorverurteilungen wären fehl am Platz“, so Prettner. „Beispiele aus der Vergangenheit haben uns bereits bewiesen, dass bei entsprechender Vorarbeit mit den Anrainerinnen und Anrainern derartige integrative Projekte erfolgreich sein können. Diesen Weg gilt es nun gemeinsam weiterzuentwickeln, um diesen Menschen eine Stimme zu geben, die derzeit keine Lobby haben. Bei den betroffenen Menschen handelt es sich um Mitglieder unserer Gesellschaft, die ein Recht auf gesellschaftliche Integration haben und unsere Unterstützung benötigen“, so Scheiflinger.

Zuallererst sollen nun weitere Standorte ausgelotet und ausgewertet werden. „Ich bin froh, dass wir uns in einem konstruktiven Gespräch auf diese weitere Vorgehensweise einigen konnten und das Verständnis für die Bürgerängste auch bei Gunhold vorhanden ist“, so Prettner. „Das heutige Vorgespräch soll nur das erste von vielen weiteren konstruktiven Treffen gewesen sein. Ich bin froh, dass das Verständnis für die fachliche Herausforderung seitens des Landes Kärnten vorhanden ist und nach ausführlichen Erklärungen die tatsächliche Problematik des zu pflegenden Klientels anerkannt wurde“, so Gunhold.

Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Schmied/Böhm