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Neues Buch über Zweisprachigkeit präsentiert

27.02.2014
LH Kaiser bei Buchpräsentation und Diskussionsrunde
Das Buch „Natürlich zweisprachig – seveda dvojezično“ stellt die Situation aller Minderheiten- bzw. Volksgruppensprachen in Österreich sowie das Minderheiten-Schulwesen in Kärnten und im Burgenland vor und es zeigt die vielfältigen Chancen, die diese eröffnen. Präsentiert wurde es gestern, Mittwoch, im Rahmen einer Diskussionsrunde im Klagenfurter Kulturlokal „Raj“. Herausgegeben wurde der Band als Studientext des Unterrichtsministeriums.
Bildungsreferent Landeshauptmann Peter Kaiser skizzierte seine Gedanken zum Thema Zweisprachigkeit auf Deutsch und Slowenisch. Er verwies auf den positiven Ausdruck des Wortes „Natürlich“ im Buchtitel. Die Publikation mache überhaupt sichtbar, dass man Dinge voranbringen könne. Kärnten biete ein ideales Klima für Zwei- und Mehrsprachigkeit, dies sei aber lange politisch verschüttet gewesen. Das vorliegende Buch müsse nun nicht mehr verteidigend agieren, sondern könne neue Felder erschließen und weiterentwickeln. Kaiser betonte weiters, dass Bildung und Sprachen eine gute Investition in die Zukunft seien und einen Mehrwert haben würden. „Die Fähigkeit, mehrere Sprachen anzuwenden, bringt Kärnten auch im ökonomischen Sinn sehr viel“, erklärte er. Der Landeshauptmann sagte weiters, dass im Geltungsbereich des Minderheitenschulwesens in Kärnten rund 44 Prozent der Kinder den zweisprachigen Unterricht besuchen würden, 1992 seien es noch 22 Prozent gewesen.

Für das Unterrichtsministerium sprach Wilhelm Wolf. Er betonte, dass man Zweisprachigkeit im Sinne der Selbstverständlichkeit nutzen müsse. „Natürlich zweisprachig“ sei keine Utopie, es lasse sich realisieren. Es müsse aber über die Schule hinausgehen, die Schule allein könne dies nicht schaffen. Das meinte auch die für den zweisprachigen Unterricht zuständige Landesschulinspektorin Sabine Sandrieser. Sie sieht hier Chancen in der Ganztagesschule, Kultur- oder Sportvereine könnten dann entsprechend mit ins Boot geholt werden. Sie verwies auf die Informationsarbeit zum zweisprachigen Unterricht, die nun durch das neue Buch erweitert werde, mit dem auch Studierende ausgestattet werden sollen. Motivieren wolle man Eltern und Schüler zudem zur weiteren Teilnahme am Sprachunterricht nach der vierten Schulstufe.

Theodor Domej, einer der Herausgeber und Autoren, sagte, dass auf Sprachen bezogen eins plus eins nicht immer zwei gewesen sei. Einsprachigkeit habe in der Vergangenheit sogar als anzustrebendes Ideal gegolten. Dabei sei Zweisprachigkeit mehr als zwei, weil sie mit einem Mehr an Erfahrungen verbunden sei. Domej sieht das Buch auch als Wertschätzung der Republik Österreich ihren Volksgruppen gegenüber.

Der amtsführende Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger sagte, dass die lebendige, hier gewachsene Zweisprachigkeit ein Gewinn sei und auch in den Schulen stark vertreten sei. Neben dem Landesschulrat für Kärnten war auch das Volksgruppenbüro des Landes Kärnten Mitveranstalter der Buchpräsentation. Leiter Peter Karpf kündigte weitere gemeinsame Projekte an, wie ein Dialogcamp mit Schülern aus St. Andrä, Bleiburg und Slowenien im Rahmen der Kulturwoche der Kärntner Slowenen. Zudem werde es beim Landesjugendredewettbewerb 2014 einen Sonderpreis zum Thema Erster Weltkrieg geben.

Moderiert wurde die Buchpräsentation von Fabjan Hafner. Er meinte, dass Zweisprachigkeit ein Projekt für 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche sei. Sprache sei ein Lebensprojekt, man müsse daran arbeiten. Dafür brauche es jedoch breiten Raum: „Das kann der Sport sein, die Kultur, aber auch die Liebe“, so Hafner.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Markus Böhm