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Wolfsberg: Spannender Themenabend zu „Juliputsch 1934“

08.07.2014
Historiker präsentierten neue Erkenntnisse und Hintergründe –
LH Kaiser: Ziel ist es, aus der Geschichte zu lernen, um mögliche Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen
Spannend und informativ war der Themenabend zum „Juliputsch 1934“, zu dem das Renner-Institut, Stadtgemeinde Wolfsberg und Museum im Lavanthaus am Montagabend eingeladen hatten. Sehr viele Interessierte hatten sich im Rathaussaal in Wolfsberg eingefunden, um den Vorträgen der Historiker Christian Klösch, Kurt Bauer und Alexander Verdnik zuzuhören. Unter den Gästen war auch Landeshauptmann Peter Kaiser, der für die Organisation des Themenabends herzlich dankte.

Es sei wichtig, sich kritisch mit Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen. Es sei auch spannend, sich den Fragen zu stellen, wie und durch welche Faktoren es zu den Ereignissen und Verstrickungen gekommen sei. Er finde es auch bemerkenswert, dass bestimmte historische Kapitel in der öffentlichen Debatte mehr durch symbolische Gesten anstelle offener Auseinandersetzung ausgetragen würden. Die Geschichte zu verstehen, um mögliche Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern, das sollte die Aufgabe sein. Er wünsche sich durch solche Themenabende Nachdenklichkeit sowie das Erkennen des Wertes der Demokratie, die immer neu erkämpft werden müsse, so Kaiser.

Kurt Bauer ging auf Dollfuß, die Nazis und der 25. Juli 1934 näher ein und verwies auf sein neues Buch „Hitlers zweiter Putsch“. Er lieferte auch neue Erkenntnisse bezüglich des Befehls zum Putsch. Der Lavanttaler Christian Klösch befasste sich mit dem Aufstand der Nationalsozialisten speziell im Lavanttal. An die 1.300 Putschisten konnten am 26. Juli im harten Kampf gegen Gendarmen und regierungstreuen Freiwilligen das gesamte Lavanttal innerhalb weniger Stunden unter ihre Kontrolle bringen, was in dieser Form laut Klösch einmalig in Österreich war. Alexander Verdnik aus Wolfsberg beleuchtete St. Margarethen als eine der Kernzellen des Umsturzversuches im Lavanttal.

Wolfsbergs Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz sprach sich in seinem Grußwort gegen das Vergessen und Verdrängen aus. Er verwies auch auf die Ausstellung „Lager Wolfsberg“, die weiterhin zu sehen sei. Moderiert wurde die Veranstaltung von den Initiatoren Igor Pucker (Museum im Lavanthaus) und Harry Koller (Renner-Institut). Unter den Zuhörern waren auch LAbg. Hannes Primus, Bgm. Hermann Primus (St. Paul), Ulrich Habsburg und der Industrielle Hans Michael Offner.

Zur Geschichte: Am 25. Oktober 1934 stürmte eine SS-Abteilung das Bundeskanzleramt in Wien und ermordete Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Aufgrund schlechter Organisation und der internen Machtkämpfe schlugen die Nationalsozialisten in Kärnten erst los, als in Wien der Putsch bereits niedergeschlagen war. Brennpunkte des Aufstands waren das Umland von Klagenfurt und St. Veit/Glan sowie Spittal/Drau, Völkermarkt und das Lavanttal. Am Nachmittag des 26. Juli 1934 gelang es ca. 1.300 Putschisten innerhalb weniger Stunden die Macht im Lavanttal zu übernehmen.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Karl Brunner
Fotohinweis: LPD/Just