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POLITIK

Balkan als Chance – Balkan kot možnost

21.10.2014
Hochkarätige Konferenz in Klagenfurt mit LH Kaiser, Bundesratspräsidentin Blatnik und EU-Repräsentant Petritsch
Zum Thema „Balkan als Chance – Erinnern - Versöhnen – Zukunft gestalten“ wurde heute, Dienstag, im Klagenfurter Konzerthaus in hochkarätiger Runde diskutiert. An der internationalen Konferenz nahmen neben Landeshauptmann Peter Kaiser, Bundesratspräsidentin Ana Blatnik und EU-Repräsentant Wolfgang Petritsch Vertreter aus Slowenien, Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina teil. Von Schülerinnen und Schülern aus Kärnten und Slowenien wurde ein Brief an Europa vorgelesen. Das Konferenz-Resümee soll an EU-Kommissar Johannes Hahn und an die Parlamente der einzelnen Regionen übermittelt werden.

Erinnern – Versöhnen – Zukunft gestalten seien prägende Begriffe und Kärnten habe diese schon in einer Reihe von Veranstaltungen behandelt, sagte der Landeshauptmann. So habe es beispielsweise eine Gedenkenquete mit Blick auf Gegenwart und Zukunft „100 Jahre 1. Weltkrieg“, den 25. Europäischer Volksgruppenkongress: „Mit Bildung und Kultur die Zukunft gestalten“ oder eine eigene Konferenz bei den Open Days in Brüssel, wo die Alpen-Adria-Region ihre Stärken präsentiert habe, gegeben.

Kaiser nahm Bezug auf die die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts, die mit dem Attentat in Sarajevo ihren Ausgang genommen habe. Zwei grausame Weltkriege mit Millionen von Toten und der systematische Aufbau von Feindbildern sowie die Dämonisierung des vermeintlichen Gegners hätten das geistige Klima über Generationen vergiftet. „Großer politischer und menschlicher Weitsicht ist es zu verdanken, dass aber jene Bewegungen die Oberhand gewannen, die ein neues Europa errichten wollten und sich zum Ziel setzten, ein europäisches Friedensprojekt, die heutige Europäische Union, ins Leben zu rufen“, so der Landeshauptmann.

In Kärnten habe auf regionaler Ebene bereits Ende der 1940er-Jahre eine grenzüberschreitende, friedliche Zusammenarbeit begonnen. Erste Partner Kärntens seien damals Friaul-Julisch Venetien und Slowenien gewesen, die das Kerngebiet des heutigen Alpen-Adria-Raumes darstellen. Für diese Form gelebter Nachbarschaft habe sich der Begriff „Alpen-Adria“ eingebürgert. „Ein Synonym für eine Politik der guten Nachbarschaft, die das Gemeinsame vor das Trennende stellt“, betonte Kaiser. Die 1978 gegründete Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria sei 2013 unter Kärntner Vorsitz in die „Alpen-Adria-Allianz“ transformiert worden.

„Kärnten kommt dabei durch seine geopolitische Lage als Drehscheibe dreier Kulturkreise eine zentrale Rolle als Brückenbauer zu“, sagte der Landeshauptmann und verwies dabei auf die vielen Möglichkeiten und Chancen. Die Zukunft Europas liege in starken Regionen und damit in starken grenzüberschreitenden Partnerschaften. „Nur wenn wir eine kritische Masse darstellen können, wird sich die EU diesem Raum stärker zuwenden, daher muss die Gelegenheit genutzt werden – besonders von der Jugend -, die Entwicklung noch mehr zu bestimmen und die eigene Zukunft in einem gemeinsamen Europa, mit integriertem Balkan zu sehen.“

Bundesratspräsidentin Blatnik betonte, dass es ihr eine besondere Ehre und Freude sei, Jugendliche sowie Spitzenpolitikerinnen und -politiker aus Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Kärnten willkommen heißen zu dürfen. „Wenn wir uns heute mit den Spuren der Geschichte in der Gegenwart und den Erwartungen an die Zukunft beschäftigen, endet dieser Diskurs schon lange nicht mehr an Staatsgrenzen. Er kann überhaupt erst durch die Möglichkeit internationaler Begegnung sowie einer europäischen und internationalen Friedenspolitik zur Entfaltung kommen. Wenn wir von Chancen sprechen, dann sehe ich eine solche in einem vereinten Europa“, so Blatnik. Es sei eine große gemeinsame Verantwortung, die Strahlkraft dieses Friedensprojektes nicht verblassen zu lassen und einen klaren Entwurf zu vermitteln, wohin die EU gehen soll. Ein Europa der Zukunft müsse sich auch daran messen lassen, wie Menschenrechte geachtet werden und wie Mehrheiten mit Minderheiten umgehen.

Blatnik verwies in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit der Jugend. Es gelte genau hinzuhören, was sich Jugendliche vom europäischen Projekt erwarten, welche Ängste, Hoffnungen und Skepsis sie damit verbinden. „Ich bin überzeugt davon, dass wir aus dem Brief, den Schülerinnen und Schüler aus Kärnten und Slowenien an Europa formuliert haben, wichtige Einsichten mitnehmen werden“, betonte die Bundesratspräsidentin.

Statements zum Thema „Balkan als Chance“ gab es von Mitja Bervar, Präsident des Staatrates der Republik Slowenien und von EU-Repräsentant Wolfgang Petritsch. An der Diskussion nahmen die Abgeordneten Melita Mulić, (kroatisches Parlament), Nataša Vučković (serbisches Parlament) und Ismeta Dervoz (bosnisches Parlament) teil. Der Brief an Europa wurde von je zwei Schülern aus Kärnten (Natalie Heinzer, Michelle Motschnig, Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe mit dem Ausbildungszweig Sozialmanagement des Kärntner Caritasverbandes) und Slowenien (Klara Korat, Miha Rebol, Gimnazija Ravne na Koroškem) vorgelesen. Unter den zahlreichen Besuchern waren unter anderen LR Rolf Holub, der 2. Landtagspräsident Rudolf Schober, Landesamtsdirektor Dieter Platzer, Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger, Dragica Urtelj, Generalkonsulin der Republik Slowenien und Tanja Milašinović –Martinović, Botschafterin von Bosnien-Herzegowina. Für die musikalische Umrahmung sorgten der Jugendchor Danica unter der Leitung von Barbara Mistelbauer-Stern und Miriam Sadnikar, die Tamburizzagruppe aus St. Johann im Rosental unter der Leitung von Anja Šlemic und die Vokalsolisten unter Martin Ebner. Durch die Veranstaltung führte ORF-Redakteurin Katja Gasser.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Ulli Sternig
Fotohinweis: LPD/fritzpress