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Dschihadistische Gefährdung: Gezielte Aufklärungs- und Präventionsarbeit an Kärntner Schulen

07.11.2014
LH Kaiser und LSR-Präsident Altersberger: Schulpsychologie erarbeitet Kriseninterventionsplan – Krisenhotline der Schulpsychologie eingerichtet – Politische Bildung ist wichtig
Die Dschihadistische Gefährdung bzw. die Bedrohung durch radikale Islamisten wird auch in Kärnten ernst genommen. Wie Bildungsreferent Landeshauptmann Peter Kaiser heute, Freitag, mitteilt, habe er in seiner Funktion als Präsident des Landeschulrates gemeinsam mit dem amtsführenden Präsidenten des Landesschulrates, Rudolf Altersberger, veranlasst, eine gezielte Aufklärungsarbeit und Präventionsarbeit zu starten.

„Neben der Aufklärungsarbeit in Inspektoren- und Direktorenkonferenzen werden auch intensive Gespräche mit dem Fachinspektor für islamischen Religionsunterricht, Esad Memic, geführt, um gemeinsam präventive Maßnahmen für Schulleiterinnen und Schulleiter, Pädagoginnen und Pädagogen und Eltern zu setzen“, gab der Landeshauptmann bekannt. Um das entsprechende Wissen an die Schulen vermitteln zu können, werde zudem seitens der Schulpsychologie gerade ein aktualisierter Kriseninterventionsplan erarbeitet. In dem Zusammenhang unterstreicht Kaiser erneut die Bedeutung politischer Bildung: „Die Vermittlung von politischem Wissen, Hintergrund und Entwicklung politischer Geschichte ist nicht nur wichtig für die Wahrung von Solidarität und Demokratie. Sie ist auch in Zusammenhang mit religiöser Radikalisierung und dem Versuch, junge Menschen zu manipulieren und radikal zu instrumentalisieren, von Bedeutung“, so der Landeshauptmann, der sich erneut für die Realisierung eines Pflichtfaches politische Bildung ausspricht.

Für Kaiser und Altersberger ist es immens wichtig, die Persönlichkeiten von Jugendlichen zu stärken und die Pädagoginnen und Pädagogen für Gefährdungen zu sensibilisieren. „Gerade Jugendliche in der Pubertät suchen oft nach Anerkennung, Akzeptanz und neuen Werten, die sie mitunter in extremistischen Organisationen zu finden glauben. Daher ist es wichtig, bei Verhaltensauffälligkeiten und Wesensveränderungen genau hinzuschauen und sich an Vertrauenspersonen oder Beratungsstellen zu wenden“, betonen beide. Um Veränderungsprozesse der Persönlichkeiten rechtzeitig wahrnehmen und darauf reagieren zu können, werde zudem eine Checkliste erarbeitet. „Die Präventionsarbeit soll den Selbstwert junger Menschen stärken und die individuelle Reflektionsarbeit fördern mit dem Ziel, gesunde und starke Persönlichkeiten zu entwickeln“, so Kaiser.

Eng zusammengearbeitet wird seitens des Landesschulrates und der Schulpsychologie auch mit dem Verfassungsschutz. „Seitens der Bildungsberatung der Schulpsychologie wurde für Krisensituationen eigens eine Hotline unter der Telefonnummer 0810 25 52 20 eingerichtet“, gibt Altersberger bekannt. Jedes Bundesland verfüge zudem über eine Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten. Im Landesschulrat für Kärnten ist Christoph Kathollnig Ansprechpartner in rechtlichen und sozialen Angelegenheiten.

Laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung sind rund 150 Personen aus Österreich nach Syrien oder Irak in den Dschihad ausgereist (Stand Oktober 2014). Davon sind 30 Menschen mittlerweile verstorben, 60 Personen stehen derzeit in Österreich unter Beobachtung der Behörden. Die Dunkelziffer jener, die sich dem Islamischen Staat (IS) anschließen wollen, beläuft sich auf mehrere hundert Personen. Auffällig dabei ist, dass die Dschihadisten immer jünger werden. Jugendliche sind besonders gefährdet. Betroffen sind bei Weitem nicht nur Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Vor allem die Zahl der Konvertiten und Frauen, die sich der islamischen Glaubensgemeinschaft anschließen, nimmt zu. In den letzten Jahren gab es einen deutlichen Anstieg der Zahl radikaler Islamisten.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser; Landesschulrat für Kärnten (Tel.: 0463/5812301)
Redaktion: Schäfermeier/Zeitlinger