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25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention und Gewaltverbot in der Erziehung

18.11.2014
LHStv.in Prettner: Kinderlärm ist Zukunftsmusik
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November und des Gewaltverbots in der Erziehung zogen heute, Dienstag, Jugend- und Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner und Kinder- und Jugendanwältin Astrid Liebhauser in einer gemeinsamen Pressekonferenz Bilanz. Zudem wurden Ergebnisse einer Folgestudie präsentiert, die auf eine Befragung zum Thema gewaltfreie Erziehung aus dem Jahr 1977 aufbaut.

„Die aktuellen Zahlen zeigen uns, dass das Bewusstsein für Kinderrechte im Steigen begriffen ist und Gefährdungen der Kinderrechte, sei es durch Gewalt, Verwahrlosung etc. öfter gemeldet werden, als noch vor einigen Jahren. Dies erklärt sich nicht durch steigende Fallzahlen, sondern mit der bewussteren Wachsamkeit der Öffentlichkeit und des Kinderumfeldes“, betonte Prettner.

Konkret gingen im Jahr 2012 in Kärnten 937, im Jahr 2013 953 und im Jahr 2014 (bis November) bereits 1.000 Gefährdungsmeldungen bei den Jugendämtern ein. Ein Einschreiten des Jugendamtes bei Gefährdungsmeldungen sei dabei nicht als Bedrohung zu verstehen, sondern als Hilfestellung, um bei Überforderung mit Hilfeplänen den Eltern in der Erziehung zur Seite zu stehen. „Das klare Ziel ist ein Verbleiben der Kinder im Familienverband, indem entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen Beratung und Therapien angeboten werden. Involviert sind neben den Eltern und Kindern jeweils auch andere maßgebliche Personen im Umfeld des Kindes“, erklärte Liebhauser.

Kinder als eigenständige Personen mit Rechten wahrzunehmen war die Intention der UN-Kinderrechtskonvention, die in Kärnten seit einem Jahr mit dem neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz sogar noch höheren Stellenwert bekommt. „Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Wohl des Kindes, um unsere Heimat zu einem sicheren Ort des Heranwachsens zu machen. Dabei ist vor allem auch die Kinder- und Jugendhilfe zu einem beratenden Gremium gewachsen, das nicht anprangert, sondern Unterstützung bietet“, so Prettner.

Auch angesichts der sinkenden Geburtenraten in Kärnten, 1990 rund 6.400, 2013 rund 4.500, seien alle gesellschaftlichen Bereiche gefordert, eine lebenswerte Heimat für Kinder zu gestalten. „Kinderlärm ist Zukunftsmusik. Und um unsere Kinder, die die wahren Expertinnen und Experten für die eigenen Bedürfnisse sind noch besser in Entscheidungsprozesse einzubinden, wurde nun auch eine Kinderfreundlichkeitsstudie in Auftrag gegeben. So soll die Planung künftig noch verbessert werden“, erklärte Prettner.

Ein klarer Paradigmenwechsel im Umgang mit Gewalt in der Erziehung zeige sich auch anhand der neuesten Studienergebnisse, die mit dem Jahr 1977 verglichen wurden. „Waren beispielsweise 1977 noch 39 Prozent der Befragten der Meinung, dass eine Ohrfeige in der Erziehung noch keinem Kind geschadet habe, so bejahen diese Frage heute nur noch sechs Prozent der Befragten und 70 Prozent sprechen sich klar dagegen aus“, machte Liebhauser deutlich. „Klar muss jedenfalls sein, dass Gewalt in jeder Form in der Erziehung keinen Platz hat. Verstärkt wird man sich in Zukunft auch der psychischen Gewalt widmen müssen, die ebenfalls ihre Spuren hinterlässt.“


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Schmied/Zeitlinger
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner