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Kärntner Menschenrechtspreis geht an Marjan Štikar

13.12.2014
LH Kaiser zeichnete den Künstler, Schauspieler und Regisseur aus dem Rosental aus
Der Kärntner Menschenrechtspreis 2014 geht an den Künstler, Schauspieler und Regisseur Marjan Štikar aus St. Jakob im Rosental. Ausgezeichnet wurde er damit heute, Samstag, von Landeshauptmann Peter Kaiser unter kräftigem Applaus im vollbesetzten Spiegelsaal der Landesregierung. Der Kärntner Slowene ist Gründer der Theatergruppe „teatr trotamora“ sowie der Kinder- und Jugendtheatergruppe „teatr zora“ beim Kulturverein Rož. Seine mehrsprachige künstlerische Arbeit ist geprägt von Menschenrechten, Menschenwürde sowie der Botschaft von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Die jüngste Produktion des von der Jury einstimmig gewählten 52-Jährigen ist „Mama Afrika“. Dotiert ist der Menschenrechtspreis mit 10.000 Euro.

Kaiser würdigte Štikar dafür, dass er Kultur, Landessprache und Kinder in seinem Wirken in Verbindung bringe. Darüber baue er Zukunft und beleuchte die Dinge von anderen Seiten. Der Landeshauptmann betonte, dass Menschenrechte nie statisch seien, sondern sich immer gesellschaftlich entwickeln würden. Er verwies auf den Ersten Weltkrieg, dessen Beginn sich heuer zum 100. Mal jähre. Damals sei auch unserer Region von Krieg und Töten erfasst gewesen, heute würden wir hier in einer Friedensregion leben. Kaiser verhehlte nicht, dass in der Menschenrechtsarbeit noch viel zu tun sei und strich die Rechte auf Bildung, Arbeit, Nahrung und Wohnen hervor. „Diese elementaren Bereiche sind auch heute noch für viele Menschen Utopie und unvorstellbar“, meinte er.

In seiner Rede griff der Landeshauptmann auch die aktuelle Flüchtlingsproblematik auf. Er appellierte für mehr Mut und Bereitschaft, hier helfend beizutragen. Manche Menschen würden ein Verbalbekenntnis für die Menschenrechte abgeben, sie dann aber nicht praktizieren, wenn es in ihrem eigenen Bereich und Umfeld darauf ankomme. „Ich verurteile das nicht, mache aber darauf aufmerksam“, sagte Kaiser, der alles dafür tun wolle, dass es in Kärnten keine Zeltstädte für Flüchtlinge gibt. Stärker in die Verantwortung seien hierbei aber auch die Staaten der EU zu nehmen. Während zehn EU-Mitglieder ihre Aufgaben erfüllen würden, würden sich andere noch absentieren. Kaiser appellierte außerdem für mehr Courage, gegen Ungleichbehandlungen und Ungerechtigkeiten im Alltagsleben einzutreten. Er verwies auf ein aktuelles Beispiel, als beeinträchtigte Menschen in einem heimischen Restaurant nicht willkommen waren.

Juryvorsitzende Larissa Krainer sagte, dass 2014 kein gutes Jahr im Sinne der Menschenrechte sei und verwies auf die vielen Fälle von Folter und Todesstrafe sowie die anhaltenden Flüchtlingsströme. In Österreich hätten noch nie so viele Menschen um Asyl angesucht wie jetzt. Allein in der vorigen Woche seien es 1.152 Menschen gewesen, vergleichsweise dazu im März des heurigen Jahres nur 350. Auch Kärnten stehe vor seinen bisher größten Herausforderungen in der Flüchtlingsbetreuung, hier müsse man einen gemeinsamen Weg finden. Krainer sagte, dass Angst der größte Feind humanitärer Hilfe sei: „Die Angst der Menschen vor dem Unbekannten verschließt die Herzen“. Daher sei es gut, dass es Menschen wie Marjan Štikar gebe, „die uns erinnern, dass wir einiges zu tun haben – nicht irgendwo auf der Welt, sondern auch bei uns“, betonte die Juryvorsitzende.

Die Laudatio für den Menschenrechtspreisträger hielt Jurymitglied Caritas-Direktor Josef Marketz. Er betonte, dass Štikar die Kraft des Kunstprozesses für den Dialog der Menschen nutze. Der Preisträger wisse, dass er die Welt nicht verändern könne, wolle aber Menschen zum Weltverändern anstiften. Dabei finde er vor allem in jungen Menschen glaubwürdige Multiplikatoren. Štikar, dessen Familie im Zweiten Weltkrieg gewaltsam ausgesiedelt wurde, befasse sich in seinen Stücken immer mit Unrechtssituationen, habe ein starkes inneres Bedürfnis, für Gerechtigkeit zu kämpfen. Tatkräftig unterstützt werde Štikar von seiner Frau Rosi, wie Marketz dankend hervorhob.

„Ich war ganz wirr im Kopf und sprachlos, als ich erfahren habe, dass ich den Menschenrechtspreis bekomme“, sagte Štikar. Er habe an seine Jugendidole Gandhi und King denken müssen, die ihren kompromisslosen Kampf für die Menschenrechte mit dem Leben bezahlen mussten. King habe einen Menschenrechtspreis bekommen, Gandhi erst post mortem nach zwölf Nominierungen. „Auf meine Art und Weise versuche ich, mit Hilfe meiner Mitstreiter, etwas für die Ausgestoßenen, Verachteten, Missbrauchten zu tun sowie für jene, die für eine bessere Welt kämpfen“, sagte Štikar.

Menschenrechtskoordinator Peter Karpf vom Amt der Kärntner Landesregierung sagte, dass es den Kärntner Menschenrechtspreis seit 1994 gebe. Auf Initiative des damaligen Landtagsabgeordneten Peter Kaiser würdige das Land damit Menschen und Initiativen immer um den 10. Dezember als Tag der Menschenrechte. Bisher habe es 400 Einreichungen und 36 Auszeichnungen gegeben. Karpf begrüßte bei der Preisverleihung u.a. Bundesratspräsidentin Ana Blatnik, Landesrat Rolf Holub, Landtagspräsident Reinhart Rohr, Superintendent Manfred Sauer, Bischofsvikar Olaf Colerus-Geldern, Spitzendiplomat Valentin Inzko, Nationalratsabgeordnete Christine Muttonen, die Landtagsabgeordneten Barbara Lesjak und Sabina Schautzer, Landesamtsdirektor Dieter Platzer, Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger, Volksgruppenvertreter Marjan Sturm, Janko Malle vom Slowenischen Kulturverband, Landesgerichtspräsident Bernd Lutschounig, Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß, Militärkommandant Brigadier Walter Gitschthaler und Landesrettungskommandant Georg Tazoll. Für die musikalische Umrahmung sorgten Katarina Juvančič und Dejan Lapanja.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Markus Böhm
Fotohinweis: LPD/fritzpress