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Gedenkjahr 2015: Ausstellung mit Kärntner Beteiligung in Prag eröffnet

09.04.2015
LH Kaiser und Landtagspräsident Rohr eröffneten Ausstellung „Viktor Ullmann – Zeuge und Opfer der Apokalypse“ des Kärntner Künstlers Herbert Gantschacher - Schau läuft bis 31. Mai 2015
„Die Vergangenheit zu kennen, sich der eigenen Vergangenheit immer wieder aufs Neue zu stellen ist die Voraussetzung dafür, für die Zukunft zu lernen und diese friedvoll und konfliktfrei zu gestalten“, ist sich Landeshauptmann Peter Kaiser sicher. Es war ihm deshalb ein Anliegen, gestern, Mittwoch, gemeinsam mit Landtagspräsident Reinhart Rohr die Ausstellung „Viktor Ullmann – Zeuge und Opfer der Apokalypse“ des Kärntner Künstlers und Theaterregisseurs Herbert Gantschacher im Prager Stadtarchiv zu eröffnen. Steht doch das Jahr 2015 im Zeichen mehrere Gedenkanlässe: Vor 100 Jahren kam der Erste Weltkrieg an den Grenzen Kärntens an, 30 Jahre später, 1945, fand der Zweite Weltkrieg sein Ende. Genutzt wurde der Besuch von Kaiser und Rohr aber auch für ein Arbeitsgespräch mit der Oberbürgermeisterin Adriana Krnáčová.

„Kultur verbindet“, betonte Kaiser dann in seiner Eröffnungsrede und fuhr fort: „Sie verbindet verschiedene Menschen, Länder und sogar verschiedene Zeiten.“ Diese Verbindung habe man mit dem Projekt Viktor Ullmann auf ganz besondere Weise zum Ausdruck gebracht, ist sich Rohr sicher. Gerade angesichts neuerlich aufkeimender faschistisch-nationalistischer Strömungen sei es die Aufgabe der Politik und aller verantwortungsbewusster Meinungsbildner, daran zu erinnern, wohin es führen könne, wenn es zu einer gesellschaftlichen Spaltung und zu einer Entsolidarisierung komme. „Demokratie muss jeden Tag aufs Neue erlernt und verteidigt werden. Vergessen ist die größte Schwäche.“ Der Landeshauptmann dankte Gantschacher für sein Engagement, das er auch als Fachbeirat für darstellende Kunst im Kärntner Kulturgremium an den Tag legt.

Viktor Ullmann wurde am 18. Oktober 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Viele seiner musikalischen Werke schuf er ab 1942 im Ghetto der ehemaligen k. u. k.-Festung Theresienstadt im heutigen Tschechien. Sowohl Ullmann als auch sein Vater waren an der Isonzofront unweit der Kärntner Grenzen stationiert. Die gerade eröffnete Ausstellung thematisiert die Auswirkungen auf sein Leben und Wirken, im Speziellen seine Antikriegsoper „Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerer“. Über die besondere Verbindung, die man über Ullmann zwischen Kärnten und Prag herstellen konnte, freute sich bei der Ausstellungseröffnung auch Eliška Koplizky, Vorsitzende des Kulturausschusses des Prager Stadtparlaments, die in Vertretung der Oberbürgermeisterin gekommen war. Begeistert vom Projekt zeigten sich auch Václav Ledvinka, Direktor des Prager Stadtarchivs, der Österreichische Botschafter Ferdinand Trauttmansdorff, Herwig Hösele, Leiter des ZukunftsFonds der Republik Österreich, Natascha Grilj, Direktorin des Österreichischen Kulturforums sowie Franca Kobenter, Leiterin der Österreich Werbung für Zentraleuropa. Mit einer Delegation aus Kärnten war auch Arnoldsteins Bürgermeister Erich Kessler gekommen.

Gantschachers Erstkontakt mit dem Komponisten, Dirigenten und Pianisten Ullmann liegt 38 Jahre zurück. 15 Jahre lang setzte er sich intensiv damit auseinander – wesentliche Einblicke verschaffte er sich über Gespräche mit Zeitzeugen des Ghettos. „Du wirst irgendwann unsere Geschichte weitererzählen“ – diesen Satz verstand der Kärntner Künstler als Aufforderung und begab sich an den ehemaligen Kriegsschauplätzen in Slowenien, Kärnten und Italien auf die Spuren Ullmanns. Mit seinen Projekten will Gantschacher über Kärnten hinausgehen und zeigen, was das Land in Kunst und Kultur leisten kann. Wichtig ist ihm dabei die Arbeit mit jungen Menschen, bei denen er Bewusstsein dafür schaffen wolle, was Krieg bedeutet. Die Ausstellung läuft noch bis 31. Mai. Am 14. April beginnt im Prager Stadtarchiv zudem das Viktor Ullmann Festival von ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Susanne Stirn
Fotohinweis: AMP JELINKOVA