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Im Burghof wird der NS-Opfer gedacht

08.05.2015
LH Kaiser und LR Holub enthüllten Gedenktafel in der Klagenfurter Burg - Die war während des NS-Regimes die GESTAPO-Zentrale und beheimatet heute das Museum Moderner Kunst
All jene unvergessen zu machen, die in der Burg von Klagenfurt am Wörthersee während des NS-Regimes brutal verhört und gefoltert wurden, und dabei oft sogar ihr Leben lassen mussten – diesen Zweck erfüllt jene Gedenktafel, die heute, Freitag, im Burghof enthüllt wurde.

„Es ist uns eine große Freude, dass noch mehr Menschen als gedacht an dieser Feierlichkeit teilnehmen“, begrüßte Landeshauptmann Peter Kaiser die zahlreichen Gäste. Vor 70 Jahren wurde die zweite Republik gegründet, vor 60 Jahren der Staastvertrag unterzeichnet, seit nunmehr 20 Jahren ist Österreich Teil der Europäischen Union – all diese Jubiläen könnten nicht gefeiert werden, hätte es nicht das Ende des zweiten Weltkrieges gegeben. „In der Burg hat ein Recht zu wirken begonnen, das nichts anderes als ein unmenschliches Unrecht war“, betont der Landeshauptmann und fährt fort: „Es wird bald die Zeit kommen, in der wir keine Zeitzeugen mehr haben. Gerade deswegen sind solche Gedenktafeln als stumme Mahnmale so wichtig.“

„Nur wenn uns klar ist, wo Unrecht geschehen ist, können wir in eine demokratische Zukunft gehen“, sagte LAbg. Markus Malle, der in Vertretung für Landesrat Christian Benger gekommen war. Der 8. Mai 1945 markiere zwar das Ende des NS-Regimes, aber nicht das Endes des Leids.

Landesrat Rolf Holub erinnerte sich in seinen Worten an seinen bereits verstorbenen Vater, der als Berufssoldat von viel Leid zu erzählen wusste. Erzählungen von denen Holub bis heute geprägt sei. „Wir müssen die Fehler der Vergangenheit zugeben und anständige Menschen werden und bleiben“, mahnte Holub.

„Sie haben ihr Leben für die Freiheit gegeben“, zollte Franc Wakounig vom Verein Memorial Kärnten/Koroska den Opfern Respekt. Er bedankte sich nicht nur bei den hunderten Menschen, welche die Resolution zur Errichtung einer Gedenkstätte im Burghof im Jahr 2008 unterstützten, sondern auch all jenen, die letztlich für die Durchführung verantwortlich waren. Gleichzeitig mahnte er aber: „Es warten noch viele weitere Aufgaben auf uns.“

Als Ehrengäste begrüßen durfte Moderatorin Katja Gasser außerdem Landtagspräsidenten Reinhart Rohr, Generalkonsulin Dragica Urtelj sowie kirchliche Vertreter, und jene der Behörden und Kammern. An der Feier teilgenommen haben auch Peter Gstettner, Gründers des Mauthausen Komitees Kärnten/Koroska, Polizeichefin Michaela Kohlweis, Manfred Herrnhofer, Präsident der Österreichischen Richtervereinigung, Landesamtsdirektor Dieter Platzer u.v.m.

Die Burg war während des NS-Regimes Sitz der GESTAPO-Zentrale für Kärnten und Oberkrain. Der Sitz diente als „Relaisstation“, von der aus in Haft Genommene an das Landesgefangenenhaus und von dort aus in die Konzentrationslager weitergeleitet wurden. Die Burg war keine Hinrichtungsstätte – Todesfälle durch Folterung sind jedoch belegt.
Der Aufforderung des Landtages an dieser Stelle eine Gedenkstätte für alle Opfer des NS-Regimes zu errichten, kam die Kärntner Landesregierung nach. Im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbes wurden zahlreiche Entwürfe eingebracht – in der Burg enthüllt wurde gestern das Werk von Melitta Moschik. Alle anderen Projekte sind im Foyer des Museums Moderner Kunst ausgestellt.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser, LR Benger, LR Holub
Redaktion: Susanne Stirn
Fotohinweis: Büro LH Kaiser