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„Kärnten 2015- Ein Gedenkjahr“: Großer Festakt im Wappensaal

10.05.2015
LH Kaiser, Landtagspräsident Rohr und Erhard Busek thematisierten Vergangenheit und Zukunft – Podiumsdiskussion über Kärntens Zukunftschancen im Neuen Europa

Im Wappensaal des Kärntner Landhauses fand gestern, Samstag, am Abend ein offizieller Festakt des Landes unter dem Motto „ Kärnten 2015 - Ein Gedenkjahr (1995, 1955, 1945, 1915)“ statt. Die drei Festredner, Landeshauptmann Peter Kaiser, Landtagspräsident Reinhart Rohr, Vizekanzler a.D. Erhard Busek bzw. die Podiumsdiskutanten, Botschafterin Ursula Plassnik sowie die Historiker Univ. Prof. Stefan Karner und Univ. Dozent Hellwig Valentin (Moderator: Peter Karpf) beleuchten markante Ereignisse der vergangenen siebzig Jahre ebenso wie die gegenwärtige Entwicklung Kärntens bzw. die Zukunftschancen des Landes in der EU und im Alpen-Adria-Raum. Einhelliger Tenor aller: „Das Gedenken und die Erinnerung an die Vergangenheit ist für alle ebenso verpflichtend wie das Denken und Handeln in der Gegenwart, um die derzeitigen Herausforderung zu bewältigen“. 100 Jahre nach Beginn des 1. Weltkriegs stehe das Land vor großen Herausforderungen. Diese lassen sich im Blick zurück auf die Geschichte besser bewältigen, war eine Erkenntnis des festlich begangenen Abends im Großen Wappensaal des Kärntner Landhauses. Gedenken sei „Denken und Handeln in der Gegenwart“. In Anlehnung an Günther Grass hieß es dazu von Moderatorin Katja Gasser: „Wir schulden den Opfern der Geschichte Gerechtigkeit und das Bemühen um Aufklärung“.

Für den Landeshauptmann ist das Gedenkjahr 2015 retrospektiv auch ein Zeugnis für große gesellschaftliche Transformationen in den vergangenen 70 Jahren. Explizit hob Kaiser das Plebiszit der Kärntner Volksabstimmung und die Verbündeten der Lagerstaße hervor. „Ersteres war Zeugnis einer frühen demokratischen Entwicklung in Kärnten und das Erlebnis der Lagerstraße führte zur Einsicht das die großen politischen Lager ein geeintes Land wieder herstellen wollten“, replizierte Kaiser. In Bezug auf das Jahr 1955 meinte der Landeshauptmann, dass Österreich nicht nur frei wurde. „Die Gesetze von damals, der Staatsvertrag und das Neutralitätsgesetz wirken noch bis heute nach“, stellte er fest. Durch den EU-Beitritt Österreichs am 1. Jänner 1995 bekam Kärnten die Chance in Europa aktiv mitzuwirken. „Durch das Verbindungsbüro in Brüssel, ebenso wie durch die Euregio und die Alpen-Adria-Allianz, lebt Europa seit 20 Jahren auch in Kärnten“, verwies Kaiser auf die aktive EU-Rolle des Landes.

Bezugnehmend auf die derzeitige schwierige Lage des Landes durch die Hypo/Heta-Causa fand Kaiser ebenfalls klare Worte. „Kärnten bekannte sich stets und bedingungslos zur Republik. Ich erwarte mir und wünsche mir vom Bund, dass mit dem selben Respekt auch Kärnten gegenübergetreten wird in einer Situation, in der wir Partnerschaft und gemeinsames Handeln brauchen“, so Kaiser. Man werde vielleicht da und dort mit ein wenig Bescheidenheit noch mehr anpacken müssen aber er sei sich sicher, dass wir es schaffen, so der Landeshauptmann.

Landtagspräsident Reinhart Rohr brachte in seiner Rede Passagen der Antrittsrede des 1. Landtagspräsidenten Julius Lukas nach der konstituierenden Sitzung das Landtages am 10. Dezember 1945 zu Gehör. Zugleich erinnerte er daran, dass sechs Kärntner Landtagsabgeordnete Opfer des Faschismus wurden. „Franz Aschgan, Anton Falle, Peter Melcher und Franz Svoboda starben im Konzentrationslager Dachau. Vinko Poljanec starb an den Folgen der Gestapo-Haft und Karl Krumpl wurde wegen antifaschistischen Widerstands hingerichtet“, so Rohr. Für alle sechs Mandatare wurde am 8. Mai 2014 eine Gedenktafel im Kärntner Landhaus enthüllt.

Leopold Figls legendäre Sätze „Österreich ist frei“ bzw. „Glaubt an dieses Österreich“ thematisierte Ex-Vizekanzler Erhard Busek in seiner Rede. Seine bemerkenswerte Schlussfolgerung: „Die Insel der Seligen gibt es nicht mehr. Das Vertrauen in Österreich ist zu stärken. Österreich ist nur frei und hat Zukunft wenn wir daran glauben und es wollen.“ Zur derzeitigen Krise in Kärnten meinte er: „Kärnten und die Politik müssen versuchen Hirn und Talent der Menschen wieder zu mobilisieren. Um der Jugend wieder Perspektiven zu geben, brauchen wir Arbeit, Bildung, außergewöhnliche Berufe und Bescheidenheit“.

In der Podiumsdiskussion wurden unter anderem die Volksgruppenfrage, Kärnten als Land der Dichter und Denker und die Rolle Kärntens seit dem EU-Beitritt erörtert. Einig waren sich alle drei Diskutanten, dass die Lösung der Volksgruppenfrage in Kärnten keine Geschichte von Gesetzen und Paragraphen, sondern eine Geschichte der Toleranz und Dialogbereitschaft gewesen sei. Das große diplomatische und kreative Potential eines Wolfgang Petritsch, eines Valentin Inzko, einer Maja Haderlap oder eines Peter Handke sei die Zweisprachigkeit des Landes gewesen „Das Miteinander zweier Kulturen aber auch die Grenzen waren kreative Herausforderungen, sowohl für Diplomaten als auch für Künstler“, meinte Valentin. In Bezug auf die Rolle Kärntens in der EU lautet der gemeinsame Tenor: „Kärnten hat sich in der EU positioniert und eine Stimme. Seine regionale Lage hat viele Vorteile und seine Chancen liegen in der Zusammenarbeit in der Euregio und der Alpen-Adria Allianz“.

Dem Festakt wohnten seitens des Regierungskollegiums LHStv.in Beate Prettner, die Landesräte Christian Benger und Rolf Holub und LAbg. Franz Pirolt in Vertretung von LR Christian Ragger bei.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser, Kärntner Landtag
Redaktion: Michael Zeitlinger 
Fotohinweis: Büro LH Kaiser/ LPD Fritzpress