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Fischotter darf in Kärnten erstmals bejagt werden

02.06.2015
Jagdreferent LR Ragger kündigt Ausnahme nach alarmierendem Bericht über Fischschwund an
Der Kärntner Jagdreferent LR Christian Ragger nimmt den am Dienstag präsentierten alarmierenden Jahresbericht über den Fischbestand in Kärnten (Rückgang der Fischbiomasse um 70 Prozent) zum Anlass, um eine Ausnahme vom Schutz des Fischotters anzukündigen. „Der Fischereirevierausschuss St. Veit wird per Bescheid ermächtigt, drei Stück Fischotter im Bereich des Görtschitzbaches und der Quellflüsse des Lölling- und Mosinzbaches zu entnehmen. Dabei sollte in erster Linie versucht werden, die Tiere einzufangen“, teilt Ragger mit. Die Ausnahme gilt aus wildbiologischen Gründen (Berücksichtigung der Tragzeit, Setzzeit, Säugezeit bzw. Aufzuchtzeit) vom 1. November bis 31. Jänner.

Der Fischotter gehört zu den Arten, die im Rahmen der sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU speziellen Schutz genießen und daher ganzjährig geschont sind. Gemäß Kärntner Jagdgesetz kann aber die Landesregierung Einzelstücke einer Wildart in Abweichung von den Schonvorschriften zum Abschuss oder zum Fang freigeben, wenn dies im Interesse eines geordneten Jagdbetriebes, der Land- und Forstwirtschaft, zur Erhaltung einer bedrohten Wildart oder sonst im öffentlichen Interesse erforderlich erscheint.

Die Bedingungen dafür sind laut Ragger deutlich erfüllt. „Wie in vielen Teilen Kärntens sinkt auch im Görtschitztal der Fischbestand dramatisch (um 80 Prozent), was Experten vor allem auf den Fischotter zurückführen. Hier droht auch das Aussterben der bodenständigen Kärntner Bachforelle. Dieser letzte große Genpool der bodenständigen, wild lebenden Urforelle ist absolut schützenswert und steht als gefährdete Standortvarietät auch auf der Roten Liste der bedrohten Arten.“ Es müsse hier ein geschütztes Tier bejagt werden, um ein anderes geschütztes Tier zu erhalten.

Die EU-Richtlinie erlaube eine Ausnahme, wenn die Population in einem "günstigen Erhaltungszustand" bleibt. Eine Fischottererhebung im Vorjahr ergab, dass der Fischotter, gegenüber Untersuchungen 2004 und 2009, nunmehr in Kärnten nahezu flächendeckend vorhanden ist. Es ist von einem Fischotterbestand von 160 Individuen auszugehen, wobei die höchsten Dichten im Unterkärntner Raum bestehen.

Laut Ragger wird auch dafür Sorge getragen, dass die Entnahme EU-rechtskonform durch entsprechende Dokumentationen abgewickelt wird. Der Landesrat sieht die Vorgangsweise als Pilotprojekt, das nach entsprechender Evaluation auf andere Kärntner Fischereigebiete ausgedehnt werden könnte.


Rückfragehinweis: Büro LR Ragger
Redaktion: Reiter/kb