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Gedenkveranstaltung beim ehemaligen KZ Loibl: Erinnerung und Mahnung

13.06.2015
LH Kaiser: „Nie wieder“ ist Verpflichtung, Gedenken an Jugend weiterzugeben – BM Hundstorfer: Dem Hass und der Angst den Nährboden entziehen

Vor siebzig Jahren wurden die Häftlinge aus dem Konzentrationslager Mauthausen und seinen 49 Außenlager, darunter das KZ Loibl Nord, befreit. Heute, Samstag, fand wieder die Internationale Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die Opfer des KZ Loibl Nord auf der Kärntner Seite des Loibltunnels am ehemaligen Appellplatz statt. Gedenkreden, Stimmen von Zeitzeugen, Kranzniederlegungen sowie der Besuch der Gedenkstätte KZ Loibl Süd prägten das Programm, das von der Militärmusik Kärnten unter Professor Sigismund Seidl umrahmt wurde. Für eine Kunstinstallation unter dem Titel "Ein Grab in den Lüften"/"grob v zraku" (nach Paul Celans 'Todesfuge') sorgte die Künstlerin Bernadette Grabner.

Internationale und österreichische Delegationen, viele Vertreter von KZ-Opferverbänden und Gedenkinitiativen nahmen am Gedenken teil, seitens der Republik war Sozialminister Rudolf Hundstorfer gekommen, seitens des Landes, Landeshauptmann Peter Kaiser und Umweltreferent Landesrat Rolf Holub. Weitere Gäste, die Peter Gstettner vom Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška herzlich an der einstigen „Baustelle des Todes“ begrüßte, waren Minister Andrzej Kunert aus Polen (Vorsitzender des Rates zur Bewahrung des Gedächtnisses an Kampf und Martyrium), Guy Dockendorf (Präsident des Intern. Mauthausen Komitees, Luxemburg), Daniel Simon von der Amicale de Mauthausen, als Zeitzeuge der polnische KZ-Überlebende Stanislaw Leszczyniski und der französische Botschafter in Österreich, Pascal Teixeira da Silva, der erst kürzlich dem Landeshauptmann einen offiziellen Besuch abstattete.

Weitere Teilnehmer/innen waren: Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz, Bundesrätin Ana Blatnik, Bundesrat Bgm. Christian Poglitsch, Ferlachs Vizebürgermeister Christian Gamsler, Militärkommandant Walter Gitschtaler, Generalkonsulin Dragica Urtelj, Superintendent Manfred Sauer und Schüler der Wimo Klagenfurt.

Landeshauptmann Peter Kaiser zitierte Paul Celan „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“, zu dem viele sich hinzugesellt haben. Viel zu lange habe es in Österreich eine geschichtliche Verdrängung der Nazi-Zeit gegeben, der seinerzeitige Bundeskanzler Franz Vranitzky habe hier zu einer Änderung beigetragen, als schließlich offiziell einbekannt wurde, dass viele Österreicher nicht nur Opfer, sondern auch Täter waren. Die Erinnerung sei eine Verpflichtung, das Ge- und Bedenken über das Unrecht wachzuhalten und das Wissen an Junge weiterzugeben, betonte Kaiser. Gedenkkultur sei ein wichtiger Beitrag für uns alle. So sei es auch positiv, dass bei der Gedenkveranstaltung am Loibl immer mehr Menschen teilnehmen, dankte Kaiser den vielen internationalen Gästen. „Niemals vergessen“, laute die Losung, die wir im täglichen Leben und in allen Bereichen, ob Wirtschaft oder Gesellschaft, nicht vergessen dürfen, appellierte der Landeshauptmann.

Sozialminister Rudolf Hundstorfer, er ist auch zuständig für die Opferfürsorge, sagte, dass Demokratie, Wohlstand und Frieden fragil und nichts Selbstverständliches seien, sondern das Resultat ständiger Arbeit. Es sei unsere Pflicht und Verantwortung, dem Hass und der Angst den Nährboden zu entziehen und die Opfer zu würdigen. Er wies auf die Opferfürsorge hin und auch darauf, dass die Vergangenheit der Arbeitsmarktverwaltung nun historisch aufgearbeitet werde. Der Minister meinte, dass es weniger Alarmismus und Panikstimmung geben sollte und die Menschen auf mehr Optimismus setzen sollten.

Guy Doggendorf wies auf die internationale Solidarität hin und auf die Notwendigkeit, Frieden zu stiften und zu erhalten, weil wir ihn alle brauchen. Daniel Simon, Präsident der Amicale de Mauthausen, Sohn eines KZ Überlebenden, sagte, dass die einstigen Bauten wie der Loibltunnel Orte der Versklavung, der Gewalt und des Todes seien. Er dankte Peter Gstettner dafür, dass die Gedenkarbeit hier immer sichtbarer werde.

Stanislaw Leszczynski, Überlebender der KZ Gusen und Mauthausen, appellierte, das Zeugnis jener Tage an die Jugend weiterzugeben, als Warnung, damit sich die schrecklichen Dinge niemals wiederholen. Es gelte, aus der Vergangenheit zu lernen, daher sei es notwendig, Toleranz, Nächstenliebe, Mitleid und Verständnis für alle aufzubringen. Nur so könne der Friede in Europa stabil bleiben.Der Botschafter in Österreich, Pascal Teixeira da Silva dankte ebenfalls für die Gedenkarbeit des Mauthausen-Komitees. Zwei Schüler vom WIMO Klagenfurt wiesen auf das hohe Aggressionspotential hin, das an manchen Schulen herrsche und mahnten auch dazu, die Demokratie als höchstes Gut zu bewahren.

Am Loiblpass mussten von 1943 bis 1945 Deportierte vieler Nationen aus dem KZ Mauthausen den Tunnel graben, durch den heute die Autos fahren. Die Veranstaltung will alljährlich ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen und Verdrängen setzen, um diesen NS-Verbrechensort stärker im kulturellen Gedächtnis der Bevölkerung zu verankern. Gstettner wünscht sich die Errichtung einer würdigen Gedenkstätte, um mit Trauer und Liebe an die Opfer zu erinnern. Es solle niemals vergessen werden, wie es dazu kam, dass am Loiblpass von den Nazis Menschen zu Tode geschunden und kaltblütig ermordet wurden. Die Gedenkveranstaltung will Grenzen überschreiten und Generationen und Völker verbinden.

Info:http://loibl-memorial.uni-klu.ac.at


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: kb