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Kärnten setzt starkes Zeichen der Menschlichkeit

07.09.2015
Aktuelle Flüchtlingssituation: Gesprächsrunde mit LH Kaiser, Bgm. Hilde Gaggl, Polizist Dietmar Tschudnig und Intendant Florian Scholz im Stadttheater Klagenfurt
Die aktuelle Flüchtlingssituation war am Sonntagabend Thema einer Gesprächsrunde im Stadttheater Klagenfurt. Die Veranstaltung machte die enorme Betroffenheit ebenso wie die große Hilfsbereitschaft der Kärntnerinnen und Kärntner deutlich.

Landeshauptmann Peter Kaiser dankte für „das starke Zeichen der Menschlichkeit“ sowie für die beeindruckende Veranstaltung und dankte allen, die sich um Flüchtlinge kümmern. Weiters nahmen die Bürgermeisterin von Krumpendorf Hilde Gaggl, der Polizist Dietmar Tschudnig sowie Intendant Florian Scholz Stellung zur Situation in Kärnten und zum Flüchtlingsdrama insgesamt. Der Pfarrer von Krumpendorf, Hans Peter Premur, leitete die Gesprächsrunde im bis auf den letzten Platz gefüllten Stadttheater.

Erfreut zeigten sich alle über die große Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen. Ebenfalls wurde klargestellt, dass Ängste im direkten Kontakt mit den Flüchtlingen gleich geringer oder verschwinden würden. Viel Dankbarkeit würde an die Helferinnen und Helfer zurückkommen.

Der Landeshauptmann sagte, dass solche Veranstaltungen große Freude machten, aber auch der latent vorhandene Skeptizismus in Teilen der Bevölkerung sollte nicht wegdiskutiert werden. Vielmehr sollte man sich diesem mit Argumenten stellen.

Kaiser machte klar, dass die steigenden Flüchtlingszahlen breiteste Zusammenarbeit nötig machen. Es würden die Kirchen und Österreich insgesamt Großartiges zur Bewältigung leisten. Es sei ein Lernprozess, bei dem es keine Zeit gebe, weil sofortiges Handeln angesagt sei. Sorgen bereite, dass in social media-Plattformen unter dem Deckmantel der Anonymität viel gehetzt werde. Insgesamt brauche es ein umfassendes Maßnahmenbündel, von der Absicherung von Flüchtlingslagern vor Ort, etwa in der Türkei, bis hin zur Grundversorgung durch internationale Organisationen wie auch die Bekämpfung des Schlepperwesens. In der EU müssten sich alle 28 Staaten in der Flüchtlingsfrage engagieren und nicht nur zehn wie derzeit, so Kaiser. Wichtig sei weiters die rasche Integration von Flüchtlingen, sie sollten Arbeit bekommen, ohne dass es zu Dumpingeffekten komme.

Der Landeshauptmann teilte weiters mit, dass in Görtschach die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen von 25 auf 75 erhöht werde. Auch in Finkenstein werde eine Betreuungsstelle für diese Jugendlichen aufgebaut. Auch würden heuer insgesamt 280 schulpflichtige Flüchtlingskinder zur Schule gehen können.

Einig waren sich auch alle Diskutanten, dass die Zelte bald festen Unterkünften weichen müssten. Wie der Landeshauptmann sagte, werde es auch nötig sein, eine Kaserne für Quartiere zur Verfügung zu stellen. Ziel sei es auch, dass möglichst alle 132 Gemeinden Kärntens sich für Flüchtlinge engagieren, derzeit seien es 54 Gemeinden. Kärnten erarbeite auf breiter Basis ein Integrationsleitbild. Insgesamt ziele man dahin, nicht mehr als 50 Personen in einer Unterkunft zu beherbergen, außer es bestehe der Wunsch nach größeren Einheiten.

Einmal mehr forderte der Landeshauptmann, dass humanitäre Gelder zur Flüchtlingsbetreuung budgetär Maastricht-neutral gestaltet werden sollten und diese Kosten nicht zusätzlich angesichts der angespannten Budgetsituation gleichsam negativ bewertet werden.

Bürgermeisterin Hilde Gaggl sprach von sehr positiven Erfahrungen, die sie mit den Flüchtlingen gemacht habe. Sie lobte die Teamarbeit in ihrer Gemeinde. Erst sei man mit der Nachricht von 250 Aslywerbern überrumpelt worden, nun aber seien alle bemüht, die Situation bestmöglich zu bewältigen. Sie wolle den Erfahrungsaustausch mit anderen Gemeinden pflegen, so Gaggl.

Dietmar Tschudnig, Mitarbeiter von Otmar Roschitz im Zeltlager Krumpendorf, sagte, dass alle Probleme im Zeltlager gelöst werden konnten. Immerhin würden hier 200 Menschen verschiedener Nationalitäten zusammenleben. Die Leute im Zeltlager, viele sind hochausgebildet, würden arbeiten wollen. Er dankte der Betreuerfirma ORS und allen Krumpendorferinnen und Krumpendorfern, die sich sehr um die Flüchtlinge kümmern.

Der Stadttheater-Intendant las berührende Briefe von einzelnen Flüchtlingen vor. Aus ihnen ging hervor, dass sie aus politischen Gründen fliehen mussten, da sie Gewalt zu fürchten und um ihr Leben bangen mussten. Scholz war selbst sehr bewegt, während er die knappen, aber sehr dramatischen Flucht-Schicksale vorlas. Caritasdirektor Josef Marketz dankte ebenfalls den vielen Helferinnen und Helfern. Über die Caritas sei es nun möglich, kleine Quartiere bzw. Wohnungen zur Verfügung zu stellen, dabei könnten auch Freiwillige mithelfen. Diskutanten betonten, dass es vor allem um Kommunikation gehe und dass es auch Solidarität vor Ort in den Krisenherden brauche.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: kb