Presseaussendungen

POLITIK

Infrastruktur 1 – Koralmbahn ist Korridor-Herzstück von europäischer Bedeutung

02.10.2015
LH Kaiser, LR Holub und LT-Abg. Wieser im Kamingespräch mit Europäischem Koordinator Bodewig – Mit Koralmbahn und ALPLOG Fürnitz Kärnten auf die Überholspur bringen
Die Koralmbahn und der Semmeringbasistunnel sind Herzstücke der Baltisch-Adriatischen Achse. Das wurde gestern, Donnerstag, am Abend von sehr profunder Stelle attestiert. Kurt Bodewig, früherer deutscher Verkehrsminister und nunmehr als Europäischer Koordinator für die Trans Europäischen Verkehrsnetze (TEN-T) für den Korridor von der Ostsee bis zur Adria zuständig, stellte sich bei einem Kamingespräch im Klagenfurter „Sandwirth“ den Fragen der Journalisten. Die Bedeutung des Eisenbahnkorridors für Kärnten legten Landeshauptmann Peter Kaiser, Verkehrslandesrat Rolf Holub und Landtagsabgeordneter Franz Wieser in Vertretung von Wirtschafts- und Tourismuslandesrat Christian Benger dar.

Der Landeshauptmann betonte, dass der Besuch Bodewigs für Kärnten sehr wichtig sei. Er erklärte zudem, dass die Zuerkennung von EU-Mitteln für die Koralmbahn über den finanziellen Aspekt hinaus „Symbol-, Signal- und Zukunftswirkung“ habe. Daran sei nämlich ganz klar die Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit des Großprojektes ablesbar. Kaiser strich das große Engagement Kärntens – beginnend schon bei seinen Vorgängern Jörg Haider und Gerhard Dörfler – im Sinne einer zukunftsorientierten, europäischen Verkehrspolitik hervor. Enorme Chancen sollten sich auch über das Logistikprojekt ALPLOG eröffnen. Man arbeite dafür mit den Nachbarregionen in Italien und mit Slowenien zusammen. 2016 wolle man ALPLOG bei einer Konferenz in Rotterdam präsentieren. „Eisenbahnen verbinden Menschen, optimieren die Waren- und Güterbeförderung. Leben, Arbeit und Wirtschaft entstehen entlang der Strecken“, sagte Kaiser. Koralmbahn und ALPLOG sind für ihn wesentlich, um Kärnten auf die Überholspur zu bringen. Die Bahn werde durch neue Erreichbarkeiten aber vor allem auch den Menschen neue Lebensperspektiven und Qualitäten eröffnen.

Für Holub stärkt die Koralmbahn das Selbstvertrauen Kärntens. Immerhin würden viele Initiativen für die Baltisch-Adriatische Achse aus unserem Land kommen und auch dieser Begriff für die Achse sei hier kreiert worden. Holub strich zudem die fruchtbare Zusammenarbeit von EU, ÖBB, Österreich und Kärnten hervor. Die ÖBB würden sehr harmonisch mit der Natur umgehen, betonte er als Umweltreferent. Mit der Achse werde man europäische und Kärntner Zukunft schreiben. Auch Holub verwies auf die Chancen durch ALPLOG. Man werde Warenströme elektrisch, ohne CO²-Ausstoss durchleiten. Zuversichtlich zeigte sich der Landesrat auch, eine Lösung für die Wörtherseetrasse zu finden.

Laut Landtagsabgeordnetem Wieser sind die Akzeptanz der Koralmbahn und die Erwartungshaltung bei der Bevölkerung sehr hoch. Er verwies auf die Chancen für Tourismus und Wirtschaft. Wichtig sei es, Betriebe an die Bahnstrecke anzubinden, meinte er auch in Bezug auf den Bahnhof Kühnsdorf.

Koordinator Bodewig berichtete von seinem intensiven und interessanten Programm in Kärnten. „Man muss vor Ort gewesen sein, Stimmungen, Engagement und Erwartungen aufgreifen“, erklärte er seinen Ansatz. „Wir sind keine EU-Beamten, sondern Mediatoren, Koordinatoren“, sagte er weiters. Man biete eine Plattform, wo Regionen mitwirken können, Kärnten sei dabei sehr aktiv. Mehrfach betonte Bodewig, die Bedeutung von Koralmbahn und Semmeringbasistunnel. „Sie sind kein Thema rein nationaler Politik, es geht hier um das Funktionieren der europäischen Netze“, machte er deutlich. Bodewig versicherte, dass sich die Attraktivität der Region steigern werde, wenn das Kernnetz realisiert sei. Die Arbeitsplatzeffekte seien schon beim Bau hoch, sie würden auch anhalten, wenn man den logistischen Sektor anreize. Fürnitz könnte in nachhaltiger Weise eine besondere Bedeutung zufallen, meinte er auch in Hinblick auf einen neuen Suezkanal oder den chinesischen Markt.

Bodewig prognostizierte weiters eine neue ökonomische Attraktivität durch reduzierte Fahrzeiten, etwa Graz-Klagenfurt in weniger als 50 Minuten. Bei der Kärntner Bevölkerung erkenne er eine große Offenheit für die Achse: „Die Menschen erkennen die Chance darin, das empfinde ich, das höre ich.“ Von Journalisten zum Thema Lärmbelastung auf der Wörtherseestrecke gefragt, meinte er, dass eine veränderte Strecke mit Tunneln sehr aufwendig und im hohen dreistelligen Millionenbereich angesiedelt wäre. Eine wirksame Möglichkeit wäre aber auch, an der Quelle des Lärms anzusetzen, etwa durch höhere Trassenpreise für Lärmerzeuger.

Beim Kamingespräch waren auch die Leiterin des Kärntner Verbindungsbüros in Brüssel, Martina Rattinger, und der Leiter der Abteilung 7 – Wirtschaft, Tourismus, Infrastruktur und Mobilität, Albert Kreiner, anwesend.


Rückfragehinweis: Büros LH Kaiser/LR Holub
Redaktion: Markus Böhm
Fotohinweis: LPD/Just

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