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Islamische Religionsgemeinde lud zu „Tag der Begegnung“

08.10.2015
LH Kaiser und LR Holub unter den Gästen – Themen Flüchtlinge und Integration, Gemeinsames und Miteinander prägten die Reden
Zu einem „Tag der Begegnung“ lud gestern, Mittwoch, am Abend die Islamische Religionsgemeinde Kärnten in Zusammenarbeit mit dem Muslimischen Sozialdienst Kärnten. Die Ansprachen im Konzerthaus Klagenfurt prägten die Themen Flüchtlinge und Integration – aber vor allem auch das Gemeinsame und das Miteinander. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Land Kärnten und vom Österreichischen Integrationsfonds. Seitens der Landesregierung waren Landeshauptmann Peter Kaiser und Landesrat Rolf Holub anwesend.

Kaiser beschrieb in seiner Rede die vom „Tag der Begegnung“ in ihm ausgelösten Gefühle. Es sei zuerst Stolz über das hier ausgedrückte Gemeinsame. Stolz empfinde er aber auch dafür, dass in Kärnten, trotz vieler Ängste, Mut zum aufrechten Gang herrsche und im Sinne der Humanität Menschen in Not geholfen werde. Der „Tag der Begegnung“ mache aber auch nachdenklich, weil man in den Reden einige Fragezeichen gespürt habe, ob wir den Herausforderungen gewachsen sind. Niemand könne sagen, wie lange und wie es mit den Flüchtlingsströmen weitergeht. „Kärnten hat großartige Menschen bei den Einsatzorganisationen, Institutionen, es gibt viele Helfende“, dankte der Landeshauptmann. Es gelte aber auch unbedingt, deren Durchhaltevermögen nicht zu überfordern.

Letztendlich und ganz besonders löse der „Tag der Begegnung“ in ihm ein Gefühl des Bestärktseins aus, so Kaiser weiter. „Durch Menschen wie Sie, Veranstaltungen wie diese und Worte wie sie hier gehört wurden, wird man bestärkt. Auf Europa kommt eine völlig neue Situation zu. Offenheit, Weitblick, Lernbereitschaft, akzeptieren und akzeptiert werden – das ist es, was wir benötigen“, betonte er.

Esad Memic, der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinde Kärnten, appellierte für das Rationalisieren von Ängsten, um einander näher zu kommen. „Der Koran ruft sehr deutlich auf: Helft euch gegenseitig, nehmt nicht Teil an Sünde und Feindschaft“, betonte er. „Wir sind uns sehr ähnlich, auch in unseren Hoffnungen, Wünschen und Sorgen“, sagte Memic. Islam, Christentum und Judentum würden mehr Verbindendes als Trennendes haben. Der Vorsitzende dankte den Menschen in diesem „wundervollen, humanen Land“ und strich die Bedeutung von Demokratie und Rechtsstaat hervor: „Dieses Land öffnete uns Türen, nahm uns auf. Es ist unsere Pflicht, etwas zurückzugeben: Liebe und Loyalität.“

Für die christlichen Kirchen in Kärnten sprachen Superintendent Manfred Sauer und Diözesanbischof Alois Schwarz. Beide betonten die Wichtigkeit und große Bereitschaft in Kärnten, Menschen auf der Flucht und in Not zu helfen. Zum Thema Respekt, Miteinander und gegenseitiges Erkennen, verwendete Sauer die Archäologie als Metapher. Auch bei dieser gelte es, mit Zeit, Neugier und Geduld nachzuforschen – und manchmal viele Steine aus dem Weg zu räumen. Schwarz betonte, dass Integration nur gelingen könne, wenn auch das Thema Religion in einem ehrlichen Dialog zur Sprache gebracht werde. Der Bischof forderte dazu auf, stärker und von Anfang an zu vermitteln, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit für alle gelten und Werte wie Respekt und Gleichberechtigung unverrückbar und nicht verhandelbar seien. Außerdem rief er im Sinne des gegenseitigen Verstehens auf: „Seien wir auskunftsfähig.“

Für den Österreichischen Integrationsfonds sprach Geschäftsführer Franz Wolf. Er meinte, dass momentan viele Debatten mit Angstmache geführt würden. Österreich habe jedoch eine lange Geschichte in Bezug auf Zuwanderung und auch den Islam. Unwissenheit schaffe Unsicherheit, entsprechend wichtig sei der Dialog. Gelungene Integration liegt für Wolf in der Verantwortung jeder und jedes einzelnen. Fundament der Integration sei aber auch eine gemeinsame Sprache: Deutsch. Für den Geschäftsführer ist eine moderne Gesellschaft eine plurale, dies sei ihr höchster Wert. Wesentlich seien dabei aber Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung, Respekt, Offenheit, Humanität. Wolf berichtete zudem, dass 20 Prozent der Menschen in Österreich Migrationshintergrund haben und mehr als 600.000 Muslime in unserem Land leben.

In Vertretung des amtsführenden Landesschulratspräsidenten Rudolf Altersberger sprach Gerlinde Duller darüber, was Schule zur Integration beitragen kann. Aus dem Koran rezitierten Imam Musa Celik aus Spittal und Imam Adnan Gobeljic aus Klagenfurt, der Generalsekretär der Islamischen Religionsgemeinde Kärnten, Hasudin Atanovic, sprach ein kurzes Gebet. Unter den Anwesenden waren u.a. auch der stellvertretende Landesamtsdirektor Markus Matschek, Kärntens Militärkommandant Brigadier Walter Gitschthaler und Helmut Mayer vom Landesamt für Verfassungsschutz.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Markus Böhm
Fotohinweis: LPD/Eggenberger