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Kinderschutzfachtagung 2015: Risiko „Sucht“

22.10.2015
LHStv.in Prettner: Vernetzter Austausch und Weiterbildung sollen Kinder- und Jugendhilfe in Kärnten zusätzlich stärken
Wie man Kindern und Jugendlichen mit Suchtproblemen helfen kann, ist Thema der diesjährigen Kinderschutzfachtagung in Ossiach, die heute, Donnerstag, wieder zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzeichnen konnte.
Der bekannte Psychiater und renommierte Gerichtsgutachter Reinhard Haller konnte in diesem Jahr als einer der beiden Hauptredner gewonnen werden. Haller ging in seinem Vortrag auf die Ursachen von Suchtverhalten im Kinder- und Jugendalter ein. Die zweite Hauptrednerin, Renate Clemens-Marinschek hat seit 2010 die ärztliche Leitung des Krankenhauses de la Tour in Treffen inne. Sie befasste sich in ihrem Referat mit der Entgleisung Jugendlicher in süchtiges Verhalten und der Umgang der Gesellschaft damit.

„Wir wählen für die Kinderschutzfachtagung bewusst Themen, die das reale Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen betreffen. Sucht spielt da leider eine große Rolle“, erklärt Jugendreferentin LHStv.in Beate Prettner die Wahl des Themas. Die Kinder- und Jugendhilfe ist primär mit den Auswirkungen der Suchterkrankungen unter Jugendlichen konfrontiert, sei es direkt bei den Jugendlichen oder indirekt in Form eines vorliegenden Suchtverhaltens seitens der Eltern. Im Rahmen der Kinderschutzfachtagung konnten die rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer Strategien für den Umgang mit den Folgen der Suchtproblematik austauschen.

„Mir ist es sehr wichtig, dass alle Kinder und Jugendlichen eine Chance erhalten, ihre Probleme zu überwinden“, nennt Prettner eine wichtige Motivation für ihre Arbeit als Jugendreferentin. Natürlich wäre es ihr generell lieber, dass Kinder und Jugendliche ein Umfeld vorfinden, das ihre Entwicklung positiv beeinflusst. „Aber leider leben wir in keiner perfekten Welt und solange Minderjährige in ihrer Entwicklung gefährdet sind, wird die Arbeit der Kinder und Jugendhilfe dringend gebraucht“, hebt Prettner den Stellenwert des täglichen Einsatzes der rund 100 Sozialarbeiter/-innen in den Jugendämtern hervor.

Die Kinderschutzfachtagung, es ist bereits die 15., stellt den Höhepunkt des Arbeitsjahres der Kinder- und Jugendhilfe Kärntens dar. Sie wird alljährlich in Kooperation mit dem Landespolizeikommando Kärnten durchgeführt. „Die Kinderschutzfachtagung bietet Gelegenheit zum fachlichen Austausch und bringt durch die ständig wechselnden Referenten und Referentinnen frische Ideen für die tägliche Arbeit“, ergänzt die Leiterin der Kärntner Kinder- und Jugendhilfe, Christine Gaschler-Andreasch. Besonders aufgrund der aktuellen Herausforderungen, wie die zunehmende Zahl der unbegleiteten minderjährigen Fremden, sei es wichtig, die Arbeit der Akteure und Akteurinnen der Kinder- und Jugendhilfe wertzuschätzen.

„Tag für Tag suchen Sozialarbeiter/-innen nach individuellen Lösungen für die rund 2.500 im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe betreuten in- wie ausländischen Minderjährigen“, beschreibt Gaschler-Andreasch die täglichen Problemstellungen. Gerade in dem Bereich gebe es kein „Schema F“. Jedes Kind benötige andere Unterstützungen, jeder Fall habe ein anderes Umfeld und daraus resultierend gebe es so viele Lösungsansätze wie es unterstützte Kinder und Familien gäbe.

„Was mir noch am Herzen liegt, ist die Mär vom bösen Jugendamt zu widerlegen. Die Mitarbeiter/-innen der Jugendämter sind Partner/-innen der Familien und nicht die Gegner“, plädiert Prettner dafür, die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe in Kärnten positiv zu sehen.

Je früher Familien die Unterstützung bei einem der Jugendämter suchen, desto besser die Chancen, dass die Entwicklung nicht nur des Kindes, sondern der gesamten Familie positiv verläuft. „In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe als das wahrgenommen wird, was sie ist: Unverzichtbar für das Kindeswohl“, resümiert Prettner.

Daten & Fakten aus dem Kinder- und Jugendhilfebericht 2014: Einwohner Kärnten: 555.881, davon Minderjährige: 93.151; Ambulante Betreuung: 1.581, stationäre Unterbringungen: 645, Pflegekinder: 224;


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Schmied/kb
Fotohinweis: Büro LHStv.in Prettner