News

LOKAL

Görtschitztal: Nach HCB-Vorfall gibt Land Zukunftsperspektiven

19.11.2015
LH Kaiser: Volle Aufklärung erfolgt, Masterplan wird präsentiert – LR Benger: Engmaschiges Monitoring eingeführt, Görtschitztalfonds notwendig - LR Holub: Räumung von K20 Deponie europaweit ausgeschrieben – LHStv.Prettner: Gesundheit ist Maß allen Handelns
Das Görtschitztal muss wieder eine gute Zukunft bekommen, seit dem HCB-Vorfall vor einem Jahr hat sich durch eine Fülle von Maßnahmen wieder sehr vieles zum Positiven entwickelt. Landeshauptmann Peter Kaiser, LHStv.in Beate Prettner sowie die Landesräte Christian Benger und Rolf Holub zogen heute, Donnerstag, im Rahmen einer Pressekonferenz Bilanz und skizzierten die weiteren Schritte. Die Gesundheit der Görtschitztaler stehe im Mittelpunkt und das Görtschitztal soll ein Vorzeigetal werden, waren sich alle einig.

Die Verursacher sind bekannt, und es seien Fehler in vielen Bereichen gemacht worden, sagte der Landeshauptmann, ebenso sei klar, dass alle Schlussfolgerungen gezogen wurden, damit so etwas nie mehr passieren könne, alle Abläufe wurden überprüft, Verwaltung, Kooperation und Kommunikation müssen verbessert werden. Die nicht ordnungsgemäße Verbrennung von Blaukalk sei klar als Ursache festgestellt worden, die Politik habe sicherzustellen, dass solche Belastungen für die Zukunft ausgeschlossen und die nötigen Kontrollen verschärft werden. Kaiser verwies auf die allumfassende Aufklärung, von der Politik über die Maßnahmen der Behörden bis zur strafrechtlichen Fragen, die eingeleitet worden sei und dabei würden stets die Betroffenen im Fokus stehen.

„Die Gesundheit der Menschen ist das Wichtigste, diese ist wiederherzustellen und es ist alles zu tun, damit es keine Belastungen mehr gibt“. Das Görtschitztal soll ein prosperierendes Tal werden, so Kaiser. Hier würden die strengsten Grenzwerte zur Anwendung kommen, der Neustart erfolge mit den Menschen. Demnächst werde ein Masterplan, der unter Einbindung der Bevölkerung erstellt wurde, präsentiert werden, kündigte der Landeshauptmann an. Auf Basis des Funk-Berichtes sei seitens einer Arbeitsgruppe auch ein Bericht bzw. ein Maßnahmenpaket geschnürt worden.

Die vom Landeshauptmann eingesetzte Funk-Kommission hatte die gesetzlichen Grundlagen und Verfahren geprüft. Weiters sei auch der Bericht des Landtag-Untersuchungsausschusses zur Causa HCB in der Rohfassung fertiggestellt. „Es ist schlimm, was passiert sei. Wir tun alles im Rahmen unserer Möglichkeiten, damit das Görtschitztal in eine gute Zukunft blicken kann“, unterstrich der Landeshauptmann.

Agrarreferent Landesrat Benger stellte klar, dass seit Kenntnis der amtlich festgestellter Grenzwertüberschreitungen mit Hochdruck an der Bewältigung der HCB-Causa gearbeitet wird. Die Sicherheit für gesunde Lebensmittel im Görtschitztal, sowohl für Konsumenten als auch für die landwirtschaftlichen Produzenten, habe oberste Priorität. Man habe Genauigkeit der Geschwindigkeit vorgezogen, wodurch viel Geduld gefordert war. Unbelastete Futtermittel sind die Grundlage für gesunde landwirtschaftliche Erzeugnisse. Futtermittel, Rohmilch, Schlachterzeugnisse, Karenzzeiten und die Auswirkungen auf Nachbarn, dies alles wird deshalb weiterhin durch ein engmaschiges Monitoring laufend kontrolliert und bewertet. „Der logistische Aufwand war enorm“ verwies der Landesrat unter anderem auf den flächendeckenden Futtermittelaustausch von rund 8.000 Tonnen sowie auf die Entsorgung von Milchprodukten (über 1 Mio. kg.) sowie auf die Untersuchungen von 840 Rindern.

In 134 Betrieben werden weiterhin Schlachtkörper kontrolliert, an 37 Standorten finden nach wie vor Futtermittelproben statt , um Sicherheit zu gewährleisten. Am härtesten habe es Direktvermarkter getroffen, für sie werden im kommenden Jahr Stände an den Kärntner Messen durch das Land Kärnten zur Verfügung gestellt. Benger betonte, dass eine nachhaltige Lösung der K 20 Deponie porioritär sei und verwies abschließend auf die Notwendigkeit eines eigenen Görtschitztalfonds, der ähnlich dem Mölltal-Fonds gestaltet sein soll und unter großer Mitsprache der Gemeinden Hilfestellungen im Görtschitztal gewähren soll. Benger gab sich überzeugt davon, dass das Görtschitztal in absehbarer Zeit ein Vorzeigetal werden könne.

„Vor einem Jahr gab es einen Systemabsturz, das System wurde wieder neu aufgesetzt und sämtliche Grenzwertüberschreitungen und Auffälligkeiten müssen seit damals sofort gemeldet werden“, fasste Umweltreferent LR Rolf Holub die Ereignisse zusammen . Für ihn als Umweltreferent sei das grundsätzliche Problem die Deponie K 20 bzw. die bisherige Entsorgung des Deponiematerials zu den Wietersdorfer Werken. „Man kann in einem Industriebetrieb den Müll nicht so entsorgen wie in einer Abfallanlage. Strengere Grenzwerte sind daher notwendig“, stellte er fest. Um das Deponieproblem zu lösen werde es laut Donauchemie und Kommunalkredit als Förderstelle des Bundes in den nächsten Wochen eine EU-weite Ausschreibung für die Räumung selbiger geben. „Das beste Modell ist die Räumung, das schlechteste die Versiegelung“, teilte er mit.

Der Umweltreferent ist sich sicher dass die seit dem Bekanntwerden des HCB-Vorfalls getroffenen Maßnahmen nun für mehr Transparenz sorgen. „Durch das tägliche Monitoring wird das Görtschitztal wieder sauber und ist somit das meist beprobte Tal Europas. Zudem gäbe es durch die neue Umweltkontrollabteilung des Landes nun nicht nur mehr Kontrollen des Werkes in Wietersdorf, sondern generell aller Industrieanlagen in Kärnten. Die Zusammenarbeit mit den NGO’s ist für ihn zufriedenstellend.

Die Gesundheit ist das Maß allen Handelns und über die Landessanitätsdirektion gab es sofort nach Bekanntgabe des HCB-Falles Diagnosen und Analysen“, fasste Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner das abgelaufene Jahr zusammen. In Bezug auf die getroffenen Maßnahmen teilte sie mit, dass mittlerweile 1.600 Lebensmittelproben gezogen wurden und Blutanalysen von 177 Personen vorliegen. “Bei den Rohmilchproben von Jänner bis August 2015 lagen die HCB-Mittelwerte seit April unter den in Österreich geltenden Grenzwerten. Ziel ist es den von der Med Uni Wien vorgegebenen Vorsorgewert zu erreichen der um ein vielfaches unter dem Grenzwert liegt. Von den letzten 55 Proben vom September 2015 lagen 78 Prozent unter den Vorsorgewert und nur mehr 22 Prozent darüber.

Prettner teilte mit, dass seitens der Landessanitätsdirektion die Bevölkerung des Tales weiterhin begleitet und weiteres Monitoring zugesichert wird. Außerdem würden die Infoveranstaltungen mit Gesundheitsexperten in den Gemeinden weiter gehen. Die nächsten Sprechstunden finden am 27. November in Klein St. Paul (10 bis 12 Uhr), Eberstein (13 bis 15 Uhr) und Brückl (16 bis 18 Uhr) statt. Klar definiert wurde von Prettner auch das angepeilte Ziel. „Alle Lebensmittel auch die von den Direktvermarktern sollen unter die neunen HCB-Vorsorgewerte gebracht werden und das Tal zu einer Musterregion werden“.

Landesamtsdirektor Dieter Platzer informierte über die Maßnahmen in der Landesverwaltung, die auf Basis des Funk-Berichtes unter der Leitung von LAD-Stv. Markus Matschek erarbeitet wurden. Dabei geht es um politisch-strategische Maßnahmen ebenso wie um Krisenkommunikation, Amtssachverständige, Informationsaustausch, Vernetzung von Monitoringprogrammen, Umweltinspektion, Nachkontrolle sowie Personalentwicklung und Krisenmanagement. Alle Verwaltungsebenen sowie externe Institutionen und NGOs werden miteingebunden. Folgende Ziele werden damit verfolgt: Verbesserung der Koordination und Kooperation, Transparenz im Sinn der Good Governance, Verfahrenseffizienz/Verfahrenseffektivität und Wissensmanagement.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser, LHStv.in Prettner,
LR Benger, LR Holub
Redaktion: Zeitlinger/kb
Fotohinweis: LPD/fritzpress