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Kärntner Menschenrechtspreis 2015 geht an „Westbahnhoffnung Villach – Tabea Lebenshilfe“

12.12.2015
LH Kaiser zeichnete Villacher Initiative für ihre Menschenrechtsarbeit aus – Ort der Liebe und Annahme, der Familie und Heimat
 Im Spiegelsaal der Landesregierung wurde heute, Samstag, in einer sehr stimmungsvollen Feier der Kärntner Menschenrechtspreis 2015 verliehen. Von Landeshauptmann Peter Kaiser ausgezeichnet wurde damit die Initiative „Westbahnhoffnung Villach – Tabea Lebenshilfe mit ihrem Leiter Marjan Kac. Dotiert ist der Menschenrechtspreis mit 10.000 Euro.

„Liebe Menschenrechtsbewegte“, begann der Landeshauptmann seine Rede und erinnerte an das Jahr 1994, in dem die Verleihung des Menschenrechtspreises beschlossen wurde. „Eines der Ansinnen war damals, die Normalität der Einhaltung der Menschenrechte zu hinterfragen – wie gesichert diese sind.“ Der Landeshauptmann machte deutlich, dass der Kärntner Menschenrechtspreis heute mehr denn je seine Berechtigung habe und trotz der derzeitigen wirtschaftlichen Situation fortgesetzt werde.

Kaiser wies auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik hin, wo einzigartige Leistungen vieler Menschen nicht sichtbar würden. „Ein Grund dafür ist auch, dass es bei uns ruhig und geordnet abläuft“, so der Landeshauptmann. Derzeit seien in Kärnten 4.541 Personen als Asylwerbende untergebracht, täglich würden 3.200 Personen als Transitierende verpflegt. Das erfolge unter anderem mit Unterstützung der Polizei, des Bundesheeres, des Roten Kreuzes und des Samariterbundes sowie von Caritas und Diakonie. Es gebe aber auch junge Muslime und viele ehrenamtliche Vereine, die mithelfen. Besonders hingewiesen hat der Landeshauptmann auf Menschen, die in Österreich um Asyl ansuchen, aber kein Erstaufnahmeverfahren bekommen würden. „Ohne große Öffentlichkeit hat es gestern dazu Gespräche gegeben, mit dem Ergebnis, dass diese Menschen im Verlauf der nächsten Wochen einem Verfahren zugeführt werden“, berichtete Kaiser. Lösungen müsse es auf internationaler Ebene geben, aber Bürgerkriege, Flucht- und Klimabewegungen seien von Menschen verursacht. „Deswegen ist es wichtig, dass es auch Menschen gibt, die dagegen etwas tun und helfen“, betonte Kaiser.

„Wir zeichnen heute eine Organisation aus, die hilft, wo Menschen am dringendsten Zuwendungen brauchen. Die Initiative ‚Westbahnhoffnung Villach – Tabea Lebenshilfe‘ mit ihrem Leiter Marjan Kac wird nach sehr vielen stillen Jahren mit der Verleihung des Kärntner Menschenrechtspreises endlich öffentlich gemacht und vor den Vorhang geholt. Herzlichen Glückwunsch“, sagte der Landeshauptmann.

Juryvorsitzende Larissa Krainer bezog sich auf die Rede aus dem Vorjahr: 2014 habe sie gesagt, dass dies kein gutes Jahr im Sinne der Menschenrechte sei und dass Kärnten vor einer der größten Herausforderungen in der Flüchtlingsbetreuung stehe. Das habe sich nicht geändert. Daher sei es gut, dass es Menschen wie Marjan Kac gebe, die jeden Tag Menschenrechtsarbeit leisten. „Das ist ein Gebot der Stunde, machen Sie mit“, betonte die Juryvorsitzende.

Die Laudatio für den Menschenrechtspreisträger hielt Rechtsanwältin Astrid Roblyek. Sie beschrieb die Arbeit der Initiative „Westbahnhoffnung“, die ein gemeinnütziger, sozial-diakonischer Verein sei, der im Jahr 2000 gegründet wurde. Es werde mit Einheimischen und Asylwerbern gearbeitet. Viermal in der Woche würden kostenlose Deutschkurse angeboten, dreimal in der Woche gebe es Ausspeisungen und einmal in der Woche würden Lebensmittel verteilt. Außerdem würden gespendete Kleider und Schuhe an bedürftige Menschen verteilt. Die Einrichtung finanziere sich aus Spenden und Förderungen. Es gebe 60 ehrenamtliche Mitarbeiter. „Ich danke für die unermüdliche Arbeit, Sie haben aus dem Westbahnhof einen Ort der Menschenrechte und der Menschlichkeit gemacht.“

„Ich danke allen, die das möglich gemacht haben“, sagte Preisträger Marjan Kac zu Beginn einer sehr berührenden Rede. Die Arbeit am Westbahnhof sei rational schwer nachvollziehbar, aber immer mehr hätten den Wunsch und die Sehnsucht sich dieser bedürftigen Menschen anzunehmen. „Es gab keine Öffentlichkeit, aber die Leute, die das brauchen, wissen, wo sie hingehen müssen.“ In den letzten 15 Jahren habe es eine große Entwicklung gegeben und es funktioniere gut. „Wir sind für die Menschen da und wollen ihnen die Liebe Gottes zeigen. Es ist ein Ort der Liebe und Annahme, der Familie und Heimat“, so Kac.

Menschenrechtskoordinator Peter Karpf vom Amt der Kärntner Landesregierung sagte, dass es den Kärntner Menschenrechtspreis seit 1994 gebe. Auf Initiative des damaligen Landtagsabgeordneten Peter Kaiser würdige das Land damit Menschen und Initiativen immer um den 10. Dezember als Tag der Menschenrechte. Bisher habe es 400 Einreichungen und 37 Auszeichnungen gegeben. Karpf begrüßte u.a. Landesrat Rolf Holub, Superintendent Manfred Sauer, Bischofsvikar Caritas-Direktor Josef Marketz, den Nationalratsabgeordneten Matthias Köchl, die Landtagsabgeordnete Sabina Schautzer, Landesamtsdirektor-Stellvertreter Markus Matschek, den Bezirkshauptmann Klagenfurt-Land Johannes Leitner, den slowenischen Generalkonsul in Klagenfurt Milan Predan, die Volksgruppenvertreter Marjan Sturm und Reginald Vospernik, Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß, den Präsidenten des Roten Kreuzes Peter Ambrozy, Militärkommandant Brigadier Walter Gitschthaler, den Rektor der Diakonie de La Tour Hubert Stotter und den Klagenfurter Altbürgermeister Leopold Guggenberger. Für die musikalische Umrahmung sorgte Aref Omer.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Ulli Sternig
Foto: LPD/fritzpress