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Nationalpark: Wildtiermanagement hat sich bewährt

19.01.2016
LR Ragger: 25.000 Hektar Wildruhezone im NP Hohe Tauern Kärnten – Nationalparkverwaltung und Jägerschaft präsentierten ihren gemeinsamen erfolgreichen Weg
Vor 20 Jahren wurde mit den Anpachtungen der Alpenvereinsreviere - Pasterze und Umgebung, Brunnwiesen sowie Hochalmspitze - im Jahr 1995 und ein Jahr später der Eigenjagd „Wolfgangalpe“ von Franz Dietrich im hinteren Maltatal, der erste Schritt zur Umsetzung des Wildtiermanagements in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern gesetzt und damit die Basis für die internationale Anerkennung als IUCN-Kategorie II Nationalpark gelegt. In der neuen, reich bebilderten Dokumentation „20 Jahre Kärntner Nationalparkreviere: Von der Jagd zum Wildtiermanagement“, die heute, Dienstag, von Jagd- und Nationalparkreferent LR Christian Ragger auf Schloss Mageregg präsentiert wurde, wird der Weg zum Wildtiermanagement im Nationalpark Hohe Tauern Kärnten umfassend und verständlich dargestellt.

„Der im Jahr 2000 eingeschlagene Weg – enge Kooperation mit der Jägerschaft, aber auch mit den Grundeigentümern und Wissenschaftlern (Jagdbeirat) – hat sich voll bewährt. Durch eine Vielzahl von gemeinsamen Maßnahmen und Projekten konnten nicht nur das Vertrauen der Grundeigentümer und der Jägerschaft gewonnen werden, sondern auch wichtige Erkenntnisse über die großen Huftiere Gams-, Stein- und Rotwild insgesamt“, informierte Ragger. Dieser erfolgreiche Weg werde auch in Zukunft fortgesetzt – eine Ausweitung der Jagdreviere und bundesländerübergreifende Forschungsprojekte seien das erklärte Ziel. „Wie uns die vergangenen 20 Jahre gezeigt haben, ist ein gemeinsames Miteinander von Grundeigentümern, Naturschützern und Jägern das Erfolgsrezept für den Nationalpark Hohe Tauern und dies soll auch in Zukunft so bleiben“, betonte Ragger. Es werde jedoch keine aktive Einbürgerung von Bär, Luchs und Wolf geben.

Die angestrebte - und im Jahr 2001 erreichte - internationale Anerkennung, gemäß den weltweit gültigen Kriterien der IUCN (Weltnaturschutzunion) für die Kategorie II Nationalpark habe die Umstellung der herkömmlichen, d.h. landesweit üblichen Jagd auf ein nationalparkgerechtes Wildtiermanagement erforderlich gemacht. „Wildtiermanagement steuert einen Prozess, in dem Ziele und Wünsche von Menschen mit den Eigenheiten von Wildtieren und deren Lebensräumen unter einen Hut gebracht werden. In einer engen Welt ist das oft schwierig. Die Aufgabe ist auch komplex, weil die Wünsche der Menschen vielgestaltig daherkommen“, erklärte Wolf Schröder, Professor für Wildbiologie und Jagdkunde an der Technischen Universität München. Auch die Erarbeitung des Modells für die Handhabung der Jagd im Nationalpark Hohe Tauern Kärnten sei eine klassische Aufgabe des Wildtiermanagements gewesen. Der Nationalpark Hohe Tauern in Kärnten habe insofern Neuland beschritten, als er zu 98 Prozent auf Privatgrund liegt und die jagdliche Nutzung in der Kernzone ursprünglich keinerlei Einschränkungen unterlag.

Die Lösung der „Jagdfrage“ ist und bleibt der Schlüsselfaktor der internationalen Anerkennung des Kärntner Anteils als IUCN-Kategorie II Nationalpark. Kernelemente der Lösung sind die Anpachtung der Jagdrechte in der Kernzone des Nationalparks durch den Kärntner Nationalparkfonds und das Übereinkommen mit der Kärntner Jägerschaft zur Umsetzung des Wildtiermanagements in den Nationalparkrevieren. Derzeit sind über 25.000 Hektar als Nationalparkreviere angepachtet, das sind 57 Prozent der Nationalparkfläche bzw. 70 Prozent der Kernzonen- und Sonderschutzgebietsfläche.

„Durch die Partnerschaft mit der Kärntner Jägerschaft haben wir einen Weg eingeschlagen, der internationale Beachtung findet“, erläuterte Nationalparkdirektor Peter Rupitsch. Heute sei der Kärntner Nationalparkfonds als Pächter von Jagdrevieren in der Kernzone weithin anerkannt. „Gemeinsam mit Klaus Eisank ist es uns auch gelungen, ein Team – bestehend aus fünf qualifizierten Nationalpark-Rangern, die auch als Berufsjäger ausgebildet sind – aufzubauen“, so Rupitsch. Sie seien nicht nur für eine konsequente Umsetzung des nationalparkgerechten Wildtiermanagements in den Kärntner Nationalparkrevieren verantwortlich, sondern könnten auch immer wieder für neue Forschungsprojekte begeistert werden.

Landesjägermeister Ferdinand Gorton, der im Jahr 2000 gemeinsam mit dem damaligen Nationalparkreferenten Georg Wurmitzer das bahnbrechende Übereinkommen zwischen der Kärntner Jägerschaft und dem Kärntner Nationalparkfonds über die Umsetzung des Wildtiermanagements in den Nationalparkrevieren unterzeichnet hat, betonte die gute Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung. „Never change a good system“, so ist Gorton überzeugt, „dass die Kärntner Jägerschaft und der Nationalpark Hohe Tauern den gemeinsamen Weg auch in Zukunft fortsetzen werden.“ Obwohl in den Nationalparkrevieren das Kärntner Jagdgesetz in seinem vollen Umfang gelte, sei es in den letzten 20 Jahren mit den Grundeigentümern und der Kärntner Jägerschaft gelungen, die herkömmliche Jagd in ein nationalparkkonformes Wildtiermanagement hineinzuführen.

Das Wildtiermanagement in den Nationalparkrevieren werde auch in Zukunft einen Schwerpunkt der Nationalpark-Arbeit darstellen. „Sowohl die internationale Anerkennung des Nationalparks als auch die enge Zusammenarbeit mit der Kärntner Jägerschaft ist mir ein besonderes Anliegen“, so Nationalparkreferent Ragger.

(I N F O: Erhältlich ist die Jubiläumsdokumentation bei der Nationalparkverwaltung in Großkirchheim unter der Telnr.: 04825 6161 oder unter nationalpark@ktn.gv.at)


Rückfragehinweis: Büro LR Ragger
Redaktion: Reiter/Sternig