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LR Benger: Erträge in der Waldwirtschaft steigern

27.01.2016
Kärnten beispielgebend: Vermehrter Einsatz von Laubhölzern steigert Erträge in der Waldbewirtschaftung - Österreichs einziger Beispielflächenkatalog hilft Waldbauern
Leicht zu behandeln und leicht zu vermarkten - die Fichte wurde aus diesen Gründen in der Vergangenheit vielfach künstlich in Lagen eingebracht, wo von Natur aus Laubhölzer wachsen würden. „Jetzt stellen uns klimatische Veränderungen vor neue Herausforderungen. Trockenheit und Borkenkäfer setzen unseren Wäldern zu und schädigen sie nachhaltig. Finanzielle und gesamtgesellschaftliche Einbußen sind die Folge“, erklärt Forstlandesrat Christian Benger heute, Mittwoch. Es sei daher ein Gebot der Stunde, vermehrt Laubhölzer in die Wälder zu bringen, um die Stabilität und Gesundheit eines Waldes sicherzustellen.

Innovation macht auch vor der Waldbewirtschaftung nicht Halt. Die Herausforderung für die Kärntner Wälder liege laut Benger darin, den Anteil an höherwertigen Holzsortimenten beim Laubholz (z.B. Furnierholz) zu steigern und somit auch beim Laubholz in Zukunft eine mit dem Nadelholz vergleichbare Wertschöpfung zu erreichen. Denn Mischwälder seien anpassungsfähiger und artenreicher.

„Die Kärntner Forstwirtschaft geht neuen Zeiten entgegen. Neben den bewährten Nadelhölzern werden wir auch aus Laubhölzern gute Erträge erwirtschaften müssen. Und Laubholz ist nicht nur Brennholz“, betont Benger. Durch eine aktive Laubwaldbewirtschaftung können höherwertige Produkte, wie Furnierholz, erzeugt werden, womit auch eine Erhöhung der Wertschöpfung sichergestellt ist.
Doch hat die waldbauliche Behandlung von Laubwäldern in Kärnten noch keine Tradition. Sehr wohl hat das Forstreferat des Landes Mischwaldaufforstungen in den vergangenen Jahrzehnten gefördert oder diese bei Neuaufforstungsprojekten selbst geplant und umgesetzt. Ein eigener Arbeitskreis Mischwald des Landesforstdienstes hat es sich sogar zur Aufgabe gestellt, dem Klimawandel aktiv entgegen zu treten und die Waldwirtschaft bzw. die Erträge daraus sicher zu stellen.

Es entstand ein österreichweit einzigartiges Produkt: der Beispielflächenkatalog. „Eine Handlungsanleitung anhand von dokumentierten Beispielen, wie mit Laubholz umzugehen ist, wie die Bewirtschaftung aussieht, wie sich Erträge entwickeln. Praktisch ein Handbuch für mehr Mischwald, sichere Erträge und beste Waldbewirtschaftung“, beschreibt Benger. Bereits 2010 wurde der Beispielflächenkatalog zum ersten Mal aufgelegt. Als Dokumentation von erfolgreichen Umsetzungsbeispielen liefere er für die waldbauliche Behandlung potenzieller Wertholzbestände eine fundierte Entscheidungshilfe.
Dabei wird jede Beispielsfläche wird mit einem Lageplan samt Anfahrtsroute, den wesentlichen waldbaulichen Stammdaten und Fotos dargestellt. Alle interessierten Waldbesitzer und Forstleute können diese Flächen selbst aufsuchen und sich anhand der im Katalog enthaltenen Informationen weiterbilden. In einem vorgesehenen fünfjährigen Erhebungsrhythmus wird die Entwicklung der jeweiligen Baumarten beurteilt und dokumentiert, mit zunehmendem Alter erlangen die Beispielsflächen damit immer mehr an Aussagekraft.
„Waldbesitzer von laubholzreichen Wäldern bzw. Waldbesitzer, die wegen des Klimawandels mit einem erhöhten Laubholzanteil in ihren Wäldern rechnen müssen, werden bei der Bewirtschaftung unterstützt. Daher ist der Beispielsflächenkatalog auch eine Motivation, alternative Waldbaustrategien umzusetzen.

Der Beispielsflächenkatalog ist als Online- Blätterkatalog: www.j.mp/DIGIB sowie im KAGIS – Kärnten Atlas: www.j.mp/KAGIS16 abrufbar.

Kärntens Wald und Holz in Zahlen
• Mit einer Waldfläche von 584.000 ha und einem Waldflächenanteil von über 60 % (Österr. 48 %) ist Kärnten nach der Steiermark das waldreichste Bundesland Österreichs.
• Auf jeden Kärntner entfällt 1 ha Wald (Österr. 0,5 ha).
• Mit 70 % weist Kärnten den höchsten Kleinwaldanteil (Waldbesitz kleiner 200 ha) auf. Betriebe besitzen 26 %, die Bundesforste 4 % des Kärntner Waldes.
• Kärntens Wald wird von rund 23.000 Waldbesitzern bewirtschaftet, wobei die durchschnittliche Waldausstattung im bäuerlichen Kleinwald bei rund 18 ha liegt
• In Kärnten dominieren Nadelholzbestände. Im wirtschaftlich nutzbaren Wald wachsen 72 % Nadelbäume und 28 % Laubholz. Die Fichte ist dabei mit 60 % der „Brotbaum der Forstwirtschaft“.
• Im Kärntner Ertragswald stockt ein Holzvorrat von rund 178 Mio. Vorratsfestmeter. Die jährlich genutzte Holzmenge (rund 3,0 Mio Vfm.) entspricht damit rund 2,1 % des Holzvorrates.
• Es wächst jährlich mehr Holz zu als genutzt wird (in Kärnten werden ca. 71 %, in Österreich ca. 87 % des jährlichen Zuwachses genutzt).
• Die Holzwirtschaft ist in Kärnten mit ca. 20.000 Beschäftigten ein bedeutender Arbeit-geber.
• Neben der Forstwirtschaft sind es in Kärnten 163 Holzindustriebetriebe mit zirka 3.000 Beschäftigten, rund 180 Zimmereien mit etwa 1.000 Beschäftigten, 749 Tischlereien (zirka 2.000 Beschäftigte) und eine Papierfabrik (zirka 500 Beschäftigte).


Rückfragehinweis: Büro LR Benger
Redaktion: Robitsch/Stirn
Fotohinweis: Büro LR Benger