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„Braindrain“ sorgte in der HTL Mössingerstraße für Diskussionsstoff

17.02.2016
LH Kaiser: Menschen sollen Neues kennenlernen – Die Bindung zu Kärnten müsse bestehen bleiben - Nur damit, und mit guten Rahmenbedingungen, könne man der Abwanderung entgegnen
Der „Braindrain“ und die Frage was Kärnten gegen die Abwanderung seiner jungen Talente tun kann, stand heute, Mittwoch, im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion „Nachgefragt in der Mössingerstraße“. Diese lockte zum mittlerweile neunten Mal zahlreiche SchülerInnen in die Aula der HTL Mössingerstraße. Moderator Wolfgang Fercher, Wirtschaftsredakteur der Kleinen Zeitung, sprach dazu mit Landeshauptmann Peter Kaiser, Christoph Kulterer, Präsident der Industriellenvereinigung, WK-Vizepräsidentin Sylvia Gstättner, Uni-Rektor Oliver Vitouch und Sabine Herlitschka, CEO bei Infineon. Politik und Wirtschaft seien gefordert, den Ausbildungs- und Lebensort Kärnten mehr Attraktivität zu verleihen, sowie jene Möglichkeiten die hier bereits geboten werden besser nach außen zu tragen – darin waren sich die Diskutanten einig. Es liege aber letztlich an den jungen Kärntnerinnen und Kärntner, die gute Ausbildung die hierzulande geboten wird, möglichst breit zu nutzen, und die Chancen in Kärnten auch tatsächlich zu ergreifen.

„Ich halte es für besonders wichtig, dass junge Menschen Neues kennenlernen, sich woanders bewähren“, betont Kaiser einleitend. Es sei aber wichtig, dass die Bindung zu Kärnten nicht verloren gehe. Genau hier müsse man auch ansetzen um den „Braindrain“ zu stoppen. Die Rückkehr nach Kärnten müsse den jungen Menschen mit ausbildungsadäquaten Arbeitsplätzen schmackhaft gemacht werden. Die Abwanderung an sich sei nicht neu. „Gemeinsam mit unseren Partnern müssen wir aber vor allem an unserem Selbstbewusstsein arbeiten“, meint der Landeshauptmann in Bezug auf die Mittel die das Land dem „Braindrain“ entgegenhalten will. Kärnten biete großartige Ausbildungsmöglichkeiten, profitiere von einer sehr guten geografischen Lage, und steche gerade im technischen Bereich immer wieder als Vorreiter heraus. „Wir müssen das alles nur besser nach außen transportieren“, zeigt sich Kaiser überzeugt von den unzähligen Möglichkeiten die unser Bundesland gerade jungen Menschen zu bieten habe.

Wenn heute so viele Menschen den Wirtschaftsflüchtlingen raten, zuhause zu bleiben und das eigene Land aufzubauen, dann sehe Vitouch durchaus Parallelen zur Abwanderungstendenz in Kärnten. Man müssen den jungen Talenten ganz konkrete Angebote machen, Bedingungen schaffen, die sie zum Hierbleiben bewegen. „Gerade diese Bedingungen sind es aber, die wir alle ein Stück weit beeinflussen können“, ist sich der Uni-Rektor sicher.

„Wir leben in einem globalen Dorf“, erinnert Herlitschka das Publikum an die Notwendigkeit auch über die Grenzen Kärntens zu schauen. 22 Prozent der Belegschaft bei Infineon komme nicht aus Österreich, sondern aus insgesamt 60 verschiedenen Ländern. Gerade diese Diversität mache die besten Lösungen erst möglich. „Gehen Sie raus, probieren sie alles aus was Ihnen geboten wird, nutzen Sie Ihre Chancen und kommen Sie dann zurück nach Kärnten“, appelliert Herlitschka ans Publikum. Denn, egal ob in Kärnten, in Wien oder in New York – die Menschen müssen auch so flexibel sein jene Möglichkeiten die ihnen geboten werden auch zu ergreifen.

Kärnten müsse zu einer aufstrebenden und weltoffenen Region gemacht werden. Laut Kulterer seien gerade in der Industrie gut ausgebildete Arbeitskräfte in den Wissenbereichen sehr gefragt. Die Art der Arbeit in der Industrie habe sich aber stark verändert, und es sei jetzt wichtig, das Bild das junge Menschen davon haben dem auch anzupassen. Gefragt, wer seine Zukunft letztlich in der Industrie sehe, fanden sich im Publikum nämlich nur wenige. „Es ist aber einen Tatsache, dass knapp die Hälfte der Kärntner in diesem Bereich tätig ist“, so der IV-Präsident.

Selbst zugewandert weiß Gstättner: „Es ist tatsächlich gut, Neues auszuprobieren. Wer aber schon aus Kärnten weg will, der sollte sich auch wirklich aus seiner Komfortzone herausbegeben, und weiter weg als nur nach Graz oder Wien gehen. „Wer dann zurückkommt, hat es umso leichter“, ist sich die WK-Vizepräsidentin sicher. Für gut ausgebildete junge Menschen die ihren Lebensmittelpunkt in Kärnten haben möchten, sehe Gstättner beinahe überall Möglichkeiten. Man müsse aber auch bereit sein, das breite Spektrum das hierzulande bereits geboten werde, anzunehmen.

Man teile die Sorgen der Schüler, sei bemüht darum die besten Rahmenbedingungen zu schaffen – versicherten die Diskussionsteilnehmer einhellig. Es liege aber letztlich an den jungen Menschen selbst, ihre Talente auch in und für Kärnten einzusetzen.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Susanne Stirn
Fotohinweis: LPD/Eggenberger