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Befreiungs- und Gedenkfeier beim Denkmal für die NS-Opfer in Greifenburg

08.05.2016
LH Kaiser: Würdiges Erinnern, um wachsam zu bleiben gegen menschenverachtende Ideologien und Unrecht
Eine ergreifende Feierstunde anlässlich des Tages der Befreiung (8. Mai) und im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal fand gestern, Samstag, beim Denkmal nahe dem Bahnhof in Greifenburg statt. Landeshauptmann Peter Kaiser würdigte diese Initiative von Peter Pirker und den Vereinen Kuland sowie Aegide, die diese Erinnerungsstätte 2012 initiiert und seither Informationen geben und Vermittlungsarbeit um das Thema Nationalsozialismus im Oberen Drautal leisten.

Kaiser dankte für die schlichte und großartige würdige Feier und wies auf das Denkmal als Gedächtniskunstwerk des Drautaler Künstlers Hans-Peter Profunser hin. Dieses ist verbunden mit 39 Namen, die unter dem damaligen Regime gelitten, gefoltert und gestorben sind. Der Landeshauptmann erläuterte die Ambivalenz des Begriffes Solidarität. Dieser könne auch schrecklich missbräuchlich verwendet werden, wie damals, als Menschen, die im Widerstand zur NS-Solidarität gestanden sind, verfolgt, gefoltert und getötet wurden. Immer gelte es daher, vorsichtig und wachsam zu sein, um solche Missbräuche im Alltag zu sehen und aufzuzeigen. Die Erinnerung sei eine Verpflichtung, das Ge- und Bedenken über das Unrecht wachzuhalten und das Wissen an junge Menschen weiterzugeben. Gedenkkultur sei ein wichtiger Beitrag für uns alle, so Kaiser.

Österreich habe lange seine Rolle nur als Opfer gesehen, was die Aufarbeitung an seiner Beteiligung am NS-Regimes verhindert bzw. verzögert habe. Vieles wurde lange Zeit verschwiegen, ehe dann infolge der Waldheim-Diskussion auch erkannt wurde, dass Österreich nicht nur Opfer, sondern auch Mittäter war. „Spät, aber doch“, so Kaiser. Die Opfer und ihre Angehörigen mussten lange warten, bis Ächtung und Verurteilung von Menschen, die im Widerstand zum NS-Regime standen, aufgehoben wurden. Dies müsse immer zu denken geben, damit Widerstand gegen Unrecht geleistet werde. „Es ist vorbei, aber nicht vorüber“, sagte der Landeshauptmann, denn das Gedächtnis müsse wachbleiben, um eine Wiederkehr menschenverachtender Ideologien im neuen Gewand zu erkennen und ihnen entgegenzutreten.

Kaiser erwähnte auch die Flüchtlingsproblematik und sagte, dass es gemeinsam gelinge, die Kraft zu Menschlichkeit und Humanität zu wahren. Es brauche jedoch klare Regeln und auch eine internationale Vorgangsweise. Schritte hin zu einer weltumspannenden Solidarität als konkrete Utopie müssten jedenfalls versucht werden. „Ich verneige mich vor den Opfern, die geholfen haben, dass Österreich für viele zum Vorbild geworden ist und für uns alle eine Aufgabe ist“, sagte der Landeshauptmann.

Initiator Peter Pirker erläuterte die historische Verpflichtung, heute anderen Menschen in Not zu helfen. Er wies auf die Menschenrechte, den Europäischen Gerichtshof und die Genfer Konvention hin, die im Zusammenhang mit der Überwindung des Nationalsozialismus zu sehen seien. Er erwähnte Personen (Hubert Mayr, Erich Ranacher und Elise und Adolf Gappnig), deren Schicksale und Widerstand gegen die NS das Vermächtnis der Solidarität deutlich machen.

Schülerinnen der HLW Spittal lasen berührende Briefdokumente dieser Personen vor, in denen auch ihre Verzweiflung zum Ausdruck kam. Die Feierstunde wurde auch gesanglich und musikalisch untermalt.

Greifenburgs Bürgermeister Josef Brandner strich ebenfalls die große Verantwortung hervor, die aus der Geschichte erwachse und die im Blick auf die enormen Herausforderungen der Gegenwart wahrgenommmen werden müsse. Unter den vielen Gästen befanden sich auch Bundesrat Bgm. Günther Novak, LAbg. Bgm. Ferdinand Hueter und Künstler Hans-Peter Profunser und Autorin Anita Profunser.

Am 28. Oktober 2012 war die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal eröffnet worden. Es handelte sich um die Einweihung des ersten Denkmals für Widerstandskämpfer/nnen und Verfolgte in Kärnten westlich von Villach seit 1945.
Von Anita Profunser und Peter Pirker wurde auch das Buch „Aus dem Gedächtnis in die Erinnerung - Die NS-Opfer im Oberen Drautal“ (im Drava Verlag) herausgegeben. Es dokumentiert die lokale NS-Herrschaft im Oberen Drautal in Kärnten und zeigt Beispiele für Solidarität und Überlebenshilfe. Im Zentrum des Buches stehen die Biografien von Verfolgten und Widerständigen, die nach 1945 im lokalen Gedächtnis verborgen wurden, verleumdet und geächtet blieben.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: kb 
Foto: LPD/Steinacher