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POLITIK

Landtagsenquete thematisierte Entwicklungszusammenarbeit

24.05.2016
LH Kaiser referierte als Vorsitzender des Entwicklungspolitischen Beirates – Auch LT-Präsident Rohr betonte Bedeutung von Entwicklungszusammenarbeit
Zum Thema „Herausforderungen der Entwicklungszusammenarbeit im Kontext des globalen Umbruchs“ fand heute, Dienstag, eine Enquete des Kärntner Landtages im Landesarchiv in Klagenfurt statt. Gefordert wurde sie vom Entwicklungspolitischen Beirat des Landes Kärnten. Diesem geht es neben der Förderung von Projekten mit Kärntenbezug vor allem um die entsprechende Bewusstseinsbildung.

Landeshauptmann Peter Kaiser hielt sein Eingangsreferat auch als Vorsitzender des Entwicklungspolitischen Beirates. Er erinnerte daran, dass der Beirat vor 25 Jahren im Landtag beschlossen – Kaiser war damals Landtagsabgeordneter – und 1993 unter dem bei der Enquete ebenfalls anwesenden Referenten Peter Ambrozy umgesetzt worden sei. „Und die Ursprungsintention ist heute noch umfassend gültig“, betonte Kaiser. Damals habe man formuliert, dass man lebenswürdige Umstände schaffen wolle, wo Menschen unter Klimawandel, Nord-Südgefälle, Bürgerkriegen und Auseinandersetzungen zu leiden haben. Der Landeshauptmann strich hervor, dass viele dieser Situationen aus Ausbeutung, Kolonialpolitik, Imperialismus und manchen ideologischen Ismen resultieren würden. Dies werde noch immer viel zu wenig beleuchtet.

Kaiser erläuterte weiters, dass der Kärntner Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit auf Hilfe zur Selbsthilfe aufbaue. Immer wieder sei gemeint worden „wozu brauchen wir das“ oder „wir haben doch selber arme Leute“. Angesichts der Flüchtlingsproblematik eröffne sich, wie schnell man durch globale Ereignisse selbst in Betroffenheit geraten kann, meinte der Landeshauptmann.

Verteilungsgerechtigkeit war ein Begriff den Kaiser noch aufs Tapet brachte. Er führte vor Augen, dass die 62 reichsten Personen gleich viel Vermögen haben wie die ärmere Hälfte der Welt, also rund 3,7 Milliarden Menschen. In Österreich hätten fünf Prozent gleich viel wie die anderen 95. „Es gilt, viel zu verändern und zu tun, mit Beharrlichkeit und Engagement“, so Kaiser. Kärnten wolle jedenfalls auch in Zeiten einer angespannten finanziellen Situation an der Entwicklungszusammenarbeit festhalten. „Es ist nicht immer das Geld. Es sind auch das Wollen, die Tat, ein geändertes Bewusstsein“, sagte er.

Landtagspräsident Reinhart Rohr dankte dem Entwicklungspolitischen Beirat und allen in der Entwicklungszusammenarbeit Tätigen. Auch er verwies auf die Herausforderungen durch die Flüchtlingsproblematik. Entwicklungspolitik sei für ihn ein klares Bekenntnis, dort zu helfen, wo Menschen durch Ausbeutung, Klimawandel, Kriege um ihre Chancen und Perspektiven gebracht wurden. Dort gelte es, wirtschaftliche, soziale und umweltbezogene Rahmenbedingungen zu verbessern. Der Landtagspräsident meinte ebenso wie Kaiser, dass Entwicklungszusammenarbeit auch in der aktuellen finanziellen Situation unbedingt erfolgen müsse. So könnten möglicherweise Herausforderungen im eigenen Land gelöst sein, bevor sie relevant würden, bevor Sorgen bei der eigenen Bevölkerung ausgelöst würden.

Bei der Landtagsenquete referierten Werner Wintersteiner von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt zum Thema „Niemand ist eine Insel – Warum wir Entwicklungspolitik kosmopolitisch denken müssen“ und Marion Fercher von der Caritas Kärnten über „Persönliche Erfahrungen und Rückschlüsse aus Auslandseinsätzen mit der Wirtschaftskammer, HORIZONT3000, Oikocredit, Don Bosco und der Caritas“. Heinz Hödl als Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission sprach über „Trends und Herausforderungen der EZA. Fluchtursachen, Nord-Südproblematik und Ungleichheiten“. Präsentationen von Projekten in u.a. Äthiopien und Südafrika erfolgten durch Jürgen P. Wirnsberger vom Studiengang Architektur der Fachhochschule Kärnten sowie von Erfried Malle vom Verein SONNE International. Moderiert wurde die Veranstaltung von Friedbert Ottacher von Ottacher Development Consulting, einem Praktiker der Entwicklungszusammenarbeit, Lehrenden, Autor und Publizisten.

Bei der Enquete konnte der Landtagspräsident u.a. Landesrat Rolf Holub, Superintendent Manfred Sauer, die Landtagspräsidenten Rudolf Schober und Josef Lobnig, die Klubobleute Barbara Lesjak und Herwig Seiser, Gemeindebundpräsident Peter Stauber, Martina Rattinger vom Kärntner Verbindungsbüro in Brüssel sowie Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Ämter, Behörden und Institutionen begrüßen.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Markus Böhm
Fotohinweis: LPD/Just