Presseaussendungen

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Milchpreisverfall: Nothilfe für Kärntner Milchbauern

01.06.2016
LR Benger und LK-Präsident Mößler legen Nothilfe für Milchbauern auf den Tisch: 500.000 Euro vom Land als Transportkostenzuschuss – Kammer gibt Ankaufsförderung für Zuchtvieh
Der akute Milch-Preisverfall bringt vor allem die kleinstrukturierte Milchwirtschaft in Kärnten massiv unter Druck. 2.100 Milchbetriebe ringen in Kärnten zum Teil um ihre Existenz! Hauptsächlich im Berggebiet, wo sich rund auf Grund der natürlichen Gegebenheiten 80 % der heimischen Milch-Betriebe befinden, wird der Preisverfall zur Überlebensfrage für die Familienbetriebe.

„Diese Familienbetriebe haben jedoch zum Preisverfall nicht beigetragen, weil eine Überproduktion auf Grund der Betriebsgrößen gar nicht möglich ist. Daher sind finanzielle Soforthilfen ebenso wichtig wie mittel- und langfristige Maßnahmen, wie eine nachhaltige Mengenreduktion oder das Erschließen neuer Märkte“, sagte heute, Mittwoch, Agrarlandesrat Christian Benger.

Das Agrarreferat werde daher 500.000 Euro für diese Nothilfe in Form eines Transportkostenzuschusses für jene Milchbauern, die ihre Milch selber zur Milchsammelstelle bringen müssen, bereitstellen. Der entsprechende Beschluss werde in einer der nächsten Regierungssitzungen gefasst.

Die Landwirtschaftskammer aktiviere laut LK-Präsident Johann Mößler ihre Zuchtvieh-Ankaufsförderung von rund 200 Euro pro angekauftem Rind. Denn eine Milchpreis-Rallye nach unten bedeute laut Mößler auch eine Stagnation am Zuchtviehmarkt.

Im Vorfeld des am 14. Juni auf stattfindenden Milchgipfels fordert der Landwirtschaftskammerpräsident weitere Hilfs-Maßnahmen von der Bundesseite ein: „Die Sozialversicherungsbeiträge sind in der derzeitigen Situation eine hohe Kostenbelastung für die Betriebe. Ich fordere einen signifikanten Rabatt der SV-Zahlungen im zweiten Halbjahr dieses Jahres.“

Mößler erklärt die Gründe für den Preisverfall: „Der Wegfall der Milch-Quote hat zu einer Überproduktion in Europa geführt. Zuvor wurde Überproduktion bestraft. Verschärft wird die Situation durch das Russland-Embargo und den verringerten Milch-Bedarf in China“ Österreich hat bis zuletzt gegen die Aufhebung der Milch-Quote auf EU-Ebene gestimmt wurde aber von den anderen EU-Staaten überstimmt.

Es sei laut Benger eine Milch-Mädchen-Rechnung der industriellen Produktionsstätten in Europa, denn mehr Kühe, mehr Milch, mehr Umsatz sind es, was die heimische Milchwirtschaft mit in den Abgrund reiße. „Unsere kleinstrukturierten Betriebe sind nicht die Melkkühe der europäischen Agrarindustrie. Deshalb müssen wir gegensteuern“, so Benger. Ein durchschnittliches Minus pro Betrieb von 8.600 Euro verkraften die bäuerlichen Familien großteils nicht.

„Die Milch geht alle an! Die Existenzfrage der Familienbetriebe im ländlichen Raum ist nicht nur eine Frage der Landwirtschaft sondern betrifft die gesamte Gesellschaft“, betont Benger. Denn fallen die Strukturen im ländlichen Raum weg, sind sie unwiederbringlich, gehe Lebensmittelproduktion und damit Wertschöpfung im Land verloren, fehlen Investitionen, geht die Kulturlandschaftspflege zurück, was wiederum den Tourismus massiv betrifft.

Nicht nur Soforthilfen seien entscheidend. Denn die öffentlichen Einrichtungen im Land wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen, können sofort agieren. „Wer Steuergeld bekommt, muss heimische Lebensmittel kaufen. Das Bundesvergabegesetz lässt das jetzt zu. Es kann nicht sein, dass unser Steuergeld auch noch ins Ausland abfließt, damit Billigmilch aus Massenproduktionen importiert wird“, so Benger.

Auch Mößler appelliert: „Niemand versteht, dass in einem Kärntner Krankenhaus deutsche Butter zum Frühstück serviert wird. Das ist aktive Arbeit gegen regionale Wirtschaftskreisläufe! Die Milchbauern haben ihre Hausaufgaben gemacht, an den Kostenschrauben gedreht, in tierfreundliche Ställe investiert und als einziges Land weltweit füttern sie gentechnikfrei. Dass die öffentliche Hand uns die Auflagen vorschreibt und dann international einkauft , werden wir nicht hinnehmen!“, so Mößler.

Daten und Fakten: Preis pro Kilo Milch derzeit: 30 Cent Brutto; Preis vor einem Jahr: 40 Cent Brutto - Verlust von 25 % pro Kilo Milch. 86 Tonnen Milch im Jahr x 0,4 Euro – 34.400 Euro ;86 Tonnen Milch im Jahr x 0,3 Euro – 25.800 Euro- MINUS 8.600 Euro pro Jahr pro Betrieb im Schnitt.

1.Sofortmaßnahmen, finanzielle Nothilfe. Agrarreferat: 500.000 Euro Transportkostenzuschuss mit RS-Beschluss 14. oder 27. Juni. Landwirtschaftskammer: Zuchtvieh-Ankaufsförderung mit bis zu 200 Euro pro Rind. Seitens der EU gibt es rund 400.000 Euro ab Ende Juni. Auf Bundesebene findet am 14. Juni ein Milchgipfel statt.

2.Mittelfristige nachhaltige Lösungsansätze: Mengen-Reduktion, Russland-Embargo aufheben! Neue Märkte erschließen, Nachlass der Sozialversicherungs-Beiträge, Agrardiesel Preisreduktion (Österreich hat die höchsten Preise in der EU), Monitoring gegenüber dem Handel.

Daten zur Milchwirtschaft in Kärnten: 192.000 Tonnen Milch pro Jahr. 2.100 milchhaltende Betriebe, 33.400 Milchkühe, Im Schnitt pro Betrieb 86 Tonnen Milch; 80 % der 2.100 Betriebe haben weniger als 20 Kühe!. 80 % befinden sich im Berggebiet.


Rückfragehinweis: Büro LR Benger
Redaktion: Robitsch/kb

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