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Chancen für berufliche Integration von Menschen mit Behinderung sollen verbessert werden

02.06.2016
LHStv.in Prettner: Expertengruppe diskutierte mögliche Maßnahmen auch im Rahmen des Landesetappenplans
Die stetig wachsenden Herausforderungen im Bereich der Behindertenhilfe betreffend die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung nahm Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner zum Anlass, wesentliche Träger und Beteiligte aus diesem Sektor zu einem Vernetzungstreffen und gemeinsamen Gedankenaustausch einzuladen. Neben den Sozialabteilung und Gesundheitsabteilung des Landes Kärnten waren wichtige Akteure von Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, AMS, SMS, Autark, Behindertenanwaltschaft sowie der Sozialversicherung anwesend, um gemeinsam neue Strategien für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen auch im Hinblick auf den Kärntner Landesetappenplan zu beratschlagen. „Im Sinne der Inklusion muss auch die Arbeitswelt einen neuen Zugang für Menschen mit Behinderung bieten bzw. müssen wir Firmen einen neuen Anreiz schaffen, sich dem Inklusionsgedanken zu öffnen und den Mehrwert zu erkennen“, betonte Prettner.

Gerade Menschen mit Behinderungen seien überdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen, wie die Kärntner Behindertenanwältin, Isabella Scheiflinger aufmerksam machte. „Rund 71 Prozent aller einstellungspflichtigen Betriebe in Kärnten erfüllen die gesetzliche Einstellungspflicht nicht, oder nicht ausreichend“, so Scheiflinger. Hier gelte es anzusetzen, wie sich alle Beteiligten einig waren, um vermehrt Chancen zur Integration am Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung zu schaffen. „Betriebe werden bei der Anstellung von Menschen mit Behinderung in mehreren Bereichen unterstützt und gefördert. Um zusätzlich Anreize zu schaffen, wäre beispielsweise denkbar, jenen Betrieben, die Menschen mit Behinderung beschäftigen, eine Gütesiegel zur Verfügung zu stellen, das die Produkte kennzeichnet und darauf aufmerksam macht, dass diese im Rahmen gelebter Inklusion erzeugt wurden“, nennt Prettner einen der Vorschläge, die aus dem Arbeitstreffen hervorgingen.

Neben der Stärkung des Selbstvertrauens und Bewerbungstrainings für Menschen mit Behinderung wurde auch der Ausbau der Beratungen für Unternehmen sowie das Modell „Geringfügige Beschäftigung statt Taschengeld“ für betreute Personen in Behindertenwerkstätten diskutiert. „Im Mittelpunkt steht dabei eine Verbindung der Angebote der Behindertenhilfe und der bezahlten Erwerbsarbeit. Klienten der Werkstätten gehen dabei ein paar Stunden pro Woche einer bezahlten Arbeit nach und finden weiterhin Rückhalt in einer sozialen Einrichtung“, erklärt Prettner den Vorschlag. Ein Status als begünstigt behinderter Arbeiternehmer, Bezahlung nach Kollektivvertrag, eine volle Sozialversicherung mit Pensionsansprüchen ohne zusätzliche Kosten für die Behindertenhilfe sowie eine entsprechende Schulung und Begleitung wären die Kernpunkte des Modells.

„Nach diesem ersten Vernetzungstreffen sollen zwei Arbeitsgruppen die besprochenen Themenfelder weiterentwickeln und Vorschläge zur Umsetzung erarbeiten“, erklärt Prettner. Ein Themenkreis wird sich mit der Erarbeitung von Vorschlägen zur Erleichterung des Zugangs von Menschen mit Behinderung in eine Beschäftigung befassen. Ziel soll es sein, das Taschengeldmodell außen vor zu lassen und eine berufliche Integration mit geregeltem Einkommen als Arbeitnehmer zu schaffen. Eine zweite Gruppe, bestehend aus Vertretern der Wirtschaftskammer, der Industriellenvereinigung, von Autark sowie der Behindertenanwaltschaft wird sich mit der Entwicklung von Anreizmodellen für Unternehmen zur Einstellung von Menschen mit Behinderung befassen. „Wir erhoffen uns aus den Arbeitskreisen praktikable Vorschläge, die die Situation von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt langfristig verbessern sollen“, so Prettner.


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Schmied/Böhm