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Schutzstatus für Wolf, Bär und Luchs überdenken

14.07.2016
LR Benger unterstützt Position der alm-/alpwirtschaftlichen Verbände im gesamten Alpenraum – Sie fordern Herabsetzung des Schutzstatus des Großraubwildes in Europa und die Regulierung durch den Menschen
„Als Tourismus- und Agrarlandesrat verstehe ich die Position sämtlicher Almwirtschaftsverbände von Österreich, der Schweiz, Frankreich, Bayern, Slowenien und Südtirol. Ansiedelungen von Bär, Wolf und Luchs sorgen für massive Konflikte mit der Landwirtschaft, der Almwirtschaft, mit Siedlungsräumen und dem Tourismus“, sagt Kärntens Agrar- und Tourismuslandesrat Christian Benger heute, Donnerstag. Grund ist die vorliegende Stellungnahme zum „Fitness-Check“ der EU FFH-Richtlinie (RL 92/43/EW) der oben genannten Länder, die im Rahmen der Internationalen Alpwirtschaftstagung 2016 in Slowenien von allen teilnehmenden Verantwortlichen unterschrieben wurde.

Diese Petition ist klar: Die Verbände fordern die Herabsetzung des Schutzstatus von Großraubwild in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und die Möglichkeit einer Regulierung der Populationen durch den Menschen.

Auf Grund strenger Artenschutzgesetze (FFH-Richtlinie) und aktiver Wiederansiedelungsprojekte sind im Alpenraum Bestände von Bär, Wolf und Luchs zu finden. Immerhin handle es sich laut Benger bei besagten Tieren um Großraubwild, immer wiederkehrende Vorfälle gerissener Tiere oder sogar Konflikte mit Menschen seien ein Beleg dafür, dass der Schutzstatus bzw. die Rückkehr von Bär, Wolf und Luchs nicht unbedenklich sind. Am Papier hätten in Österreich 39 Wolfsrudel Platz. „Wenn ich bei einem Rudeln nur mit Mal vier rechne, ist offensichtlich, dass diese Zahl nicht verträglich ist mit der Tourismus- und Almwirtschaft in Österreich“, so Benger.

„Die verständliche Forderung der Almwirtschaftsorganisationen, den Schutzstatus herabzusetzen und die Möglichkeit einer Regulierung der Populationen durch den Menschen muss diskutiert werden dürfen. Wir alle leben von Bewirtschaftung und Wirtschaft. Unterschutz-Stellungen gut und schön, aber unser Leben hat sich gegenüber vor 200 Jahren verändert und damit auch die Nutzung des Kultur- und Naturraumes“, fasst Benger zusammen.

So sei laut Benger nicht der gesamte Alpenbogen dazu geeignet, flächendeckend Wolfspopulationen aufzunehmen. „Es müssen in Zukunft zum Schutz der Alm- und Weidewirtschaft, zum Schutz der Existenzen und zum Schutz der Erholungssuchenden großraubtier-freie Zonen eingeführt werden“, unterstützt Benger die Forderung der Almwirtschaftsvereine.

Die Almwirtschaft sei nicht nur Existenzgrundlage für die Bauern im gesamten Alpenraum, sie ist auch wesentlicher Tourismus- und Freizeitfaktor. „Wir können nicht leben wie vor 200 Jahren und wir wollen unseren Wirtschafts-, Siedlungs- und Verkehrsraum nicht auf diesen Status zurückführen“, stellt Benger klar.

Kein Landwirt wolle seine Tiere mehr auf Almen auftreiben, wenn er um die Bedrohung von Großraubwild weiß. Dabei gehe es nicht alleine um den Schaden oder die Entschädigungen! „Der Wolf tötet nicht nur aus Hunger. Der Wolf tötet wie der Fuchs im Hühnerstall. Hier reden wir von Verrecken der Tiere. Das will kein Bauer, das kann auch kein Natur- oder Tierschützer wollen“, so Benger.

So haben auch Versuche mit aufwändigen Schutzmaßnahmen bis dato keine zufriedenstellenden Ergebnisse geliefert. Dazu zählen Einzäunungen, Nachtpferche oder dauerhafte Behirtungen sowie der Einsatz von Herdenschutzhunden. „Auch diese Maßnahmen sind nicht konfliktfrei, wenn ich an Wanderer und Herden-Schutzhunde denke. Zumal die Kosten und der Aufwand ohne entsprechende garantierte Wirkung zu hoch sind“, erläutert Benger. Ein Pilotprojekt in Kärnten auf einer Alm mit einem Hirten und einem Hund in einer Saison koste laut Benger 14.000 Euro.

Benger erinnert auch an den Wolf, der im Vorjahr in einem Stall in Oberkärnten eingedrungen ist. Erst kürzlich habe es in Südtirol einen Unfall nach einer Bären-Einbürgerung gegeben. „Der Bär ist kein Kuscheltier. In Südtirol waren alle für die Einbürgerung, bis ein Mensch durch diesen Bären angegriffen wurde. Jetzt ist die Stimmung gekippt“, so Benger.


Rückfragehinweis: Büro LR Benger
Redaktion: Robitsch