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POLITIK

Maßnahmenpaket für Allgemeinmedizin

23.09.2016
Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner: Maßnahmenpaket stellt optimale medizinische Versorgung auch in Zukunft sicher – Land Kärnten und GKK finanzieren Lehrpraxen
Mit 3.187 Ärztinnen und Ärzten zählt Kärnten so viele Mediziner wie nie in seiner Geschichte. „Aussagen wie ,Unterversorgung im ländlichen Raum‘ oder ,Kärnten gehen die Ärzte aus‘ sind Panikmache. Man schürt völlig verantwortungslos Ängste in der Bevölkerung“, erklärte Kärntens Gesundheitsreferentin LHStv.in Beate Prettner heute, Freutag, in einer Pressekonferenz. Mit heutigem Stand sind in Kärnten 405 niedergelassene Ärzte tätig, davon 256 mit Kassenvertrag. „Keine einzige Stelle ist vakant“, so Prettner. Zudem stehen derzeit 451 Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung, 73 in der Allgemeinmedizin. Und: 900 Mediziner befinden sich in Kärnten auf Reihungslisten für eine Kassenarztstelle. „Es kann also keine Rede von einem Ärztemangel sein.“

Fakt sei aber auch, dass mit der seit dem Vorjahr geänderten Medizin-Ausbildungsordnung der Weg zum Allgemeinmediziner „beschwerlicher“ wird. Größter Stolperstein ist dabei eine verpflichtende sechsmonatige Lehrpraxis am Ende der Turnusausbildung. Und genau dem wird das Land Kärnten entgegensteuern: Seit Monaten arbeiten Gesundheitsreferentin Prettner, Kärntner Gesundheitsfonds, Sozialversicherungsträger, Ärztekammer und Träger der Fondskrankenanstalten an einem entsprechenden Maßnahmenpaket. Dieses befindet sich jetzt in der Zielgeraden. „Mit diesem Paket werden wir sicherstellen, dass es in Kärnten auch in Zukunft zu keinen Engpässen kommt“, sind sich Prettner und Gert Wiegele, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, sicher. „Wir bieten ein rundes, attraktives Paket an. Hier wird etwas vom Land auf den Weg geschickt, das beispielgebend ist“, zeigte sich Wiegele zufrieden.

Herzstück des Paketes ist die Finanzierung der Lehrpraxen. Zumal seitens des Bundes bis dato keine einheitliche Lösung vorliegt, werden in Kärnten die Kosten halbe-halbe von Land und Sozialversicherung übernommen. Die Höhe des Gehaltes orientiert sich an der Höhe des Letztbezuges während der Turnusausbildung im Krankenhaus. Im Schnitt ist von 2.000 Euro pro Monat und Person auszugehen. „Die Sicherstellung einer entsprechenden Bezahlung während der Lehrpraxis-Zeit ist ganz wesentlich für den Anreiz, sich zum Allgemeinmediziner ausbilden zu lassen“, sagte Wiegele.

Drei weitere Maßnahmen komplettieren das Paket: „Es wird eine Koordinationsstelle eingerichtet, die dafür Sorge trägt, dass es während der Ausbildung zu keinen Stehzeiten kommt. Angesiedelt wird sie bei der Med-Servicestelle des KGF. Sie wird dafür Sorge tragen, dass die Vermittlung zu Lehrpraxen und die internen Abläufe reibungslos funktionieren“, erläuterte Prettner. „Außerdem werden Primarii in den Krankenhäusern als Mentoren für die Auszubildenden fungieren. Dieses System garantiert einen verlässlichen Partner innerhalb jeder Abteilung“, so die Gesundheitsreferentin. „Ein Welcome-Day, der über die Allgemeinmedizin fundiert aufklärt, wird das Paket abrunden. Seitens des Lands haben wir die Weichen gestellt, dass in Kärnten die derzeit optimale medizinische Versorgung auch in Zukunft sichergestellt ist“, resümierte Prettner.

Von der Ärztekammer wünscht sich die Gesundheitsreferentin nunmehr eine dringende Änderung der Reihungskriterien: „Es kann nicht sein, dass man erst mit durchschnittlich 48 Jahren zu einer Kassenstelle kommt. Die Kriterien sind so zu ändern, dass die lange Wartezeit nicht die Lust darauf nimmt, sich als Landarzt niederzulassen“, so Prettner.


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm