Presseaussendungen

POLITIK

„Landschaft des Wissens“ geht es um Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung

28.09.2016
LH Kaiser referierte und diskutierte am Weissensee zum Thema Zukunftsfähigkeit von Regionen – Strategische Landesentwicklung als Ohr an neuen Ideen und Utopien
Im „Weissensee Haus“ in Techendorf am Weissensee tut sich bis einschließlich Freitag wieder ein besonderer „Denkraum“ auf. Thema ist „Die Zukunftsfähigkeit von Regionen“. Landeshauptmann Peter Kaiser brachte sich am Eröffnungstag gestern, Dienstag, in Form eines Referates und bei einer Podiumsdiskussion ein. Die Veranstaltung steht im Rahmen der „Landschaft des Wissens für Bildung und Kultur in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik“.

Kaiser titelte sein Referat mit „Strategische Landesentwicklung unter schwierigen Rahmenbedingungen – die besonderen Herausforderungen für ein zukunftsfähiges Kärnten“. Er sprach neben diesen Herausforderungen vor allem auch über Ziele sowie bevorstehende und bereits eingeleitete Paradigmenwechsel. Explizit stellte er die Strategische Landesentwicklung mit Leiter Markus Bliem vor: „Sie ist ein Ohr an neuen Ideen und Utopien.“ Als Anlaufstelle solle sie Ideen der Menschen sammeln, vorurteilsfrei prüfen und – wenn sie mit den Leitlinien des Landes zusammenpassen – in die politische Entscheidung bringen. „Nichts, das die Entwicklung des Landes voranbringen kann, soll schubladisiert werden“, so Kaiser. Für ihn hat Kärnten große Chancen – den Wegfall der Heta-Bedrohung vorausgesetzt. „Helfen Sie mit, dieses Land weiter nach vorne zu bringen. Kärnten und seine Menschen haben es verdient“, appellierte er an die Anwesenden.

Paradigmenwechsel versteht der Landeshauptmann im Sinne einer sanften Weiterentwicklung. Er will dabei möglichst viele Menschen mitnehmen, ihnen die Chance geben, mitzugestalten. Beispiele der Zukunftskoalition für diese umfassende Bürgerbeteiligung seien der Mobilitäts- und der Energiemasterplan. Bei öffentlichen Leistungen fokussiere man auf die Wirkungsorientierung. Man müsse auch „liebgewonnene Bereiche“ verändern können, „manchen Irrwegen, denen man aus Tradition folgt, auf die Spur kommen“. Kaiser verwies auf den Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG), der Schwerpunkte setze und Stärken weiterentwickle. Die Schließung eines Kärntner Krankenhauses kommt für ihn nicht in Frage: „Diese hätte volkswirtschaftliche Folgewirkungen, die man nicht mehr gut machen könnte. Der betroffene Bezirk wäre zum Sterben verurteilt“, formulierte er es drastisch.

Herausforderung Nummer Eins sei aktuell Hypo/Heta. „Diese gilt es zu bewältigen, damit überhaupt alles Zukunftsrealität bekommt“, verhehlte Kaiser nicht. Er sprach die Haushaltskonsolidierung an und betonte, dass Kärnten hier den richtigen Weg eingeschlagen habe. Der demographische Wandel mache mehr gesundheitliche und soziale Aufwendungen nötig, weil Kärnten im Schnitt immer älter werde. Auf der anderen Seite würden nur noch 600 Menschen auf die bisherige Rekordeinwohnerzahl von 561.175 fehlen – wozu natürlich auch Migration beitrage. Weitere Themen seien Urbanisierung und Ausdünnung der ländlichen Raumes, der Klimawandel (Stichwort Afritz) sowie der Braindrain, also der Abfluss junger, gut ausgebildeter Menschen. Auch technologischen Veränderungen müsse man sich stellen, die Auswirkungen von Digitalisierung, „Internet der Dinge“ auf Menschen und Arbeitsplätze genau beobachten. Wie alle Regionen sei Kärnten zudem von globalen Entwicklungen betroffen, zum Beispiel vom Handelsembargo gegen Russland.

An Kärntner Maßnahmen nannte Kaiser u.a. die Schaffung von Bildungszentren, strategische Partnerschaften wie mit den Sozialpartnern, Aufgabenreform und Verwaltungsvereinfachungen und auch die Abschaffung der Proporzregierung, die am Ende der Legislaturperiode erfolgen solle. Als Postulat für die Zukunft der Region deklarierte er „Kooperationsfähigkeit und den Willen dazu“. Er nannte den Ausschuss der Regionen (AdR) in Brüssel, die Euregio mit Friaul-Julisch Venetien und dem Veneto (Istrien solle demnächst Grünes Licht von Kroatien für den Beitritt bekommen) sowie die Alpen-Adria-Allianz. Als erste von 172 Regionen in der EU kooperiere Kärnten mit der EU-Initiative ECSEL JU. Das Land sei über das Robotics-Institut am JOANNEUM RESEARCH beteiligt, auch am steirischen Autocluster. Vernetzung, das Herstellen von Wirtschafts- und staatlichen Kontakten erfolge in dieser Woche auch beim CEE Wirtschaftsforum in Velden.

„Denkarbeit, Planung, die Konkretisierung von Utopien werden mehr und mehr zu einer Kultur in Kärnten“, meinte Kaiser. Klare Aufgabe sei die Stärkung der Region durch Infrastruktur, den Breitbandausbau, das vermehrte Nutzen der topographischen Lage, vor allem durch Fürnitz als Logistikstandort mit Zukunft. Kaiser will Kärnten auch als Studien- und Forschungsstandort mehr Profil geben. Die entsprechende Vernetzung werde auch in der Kärntner Hochschulkonferenz vorangetrieben. Das negative Triple-A Armut, Abwanderung, Arbeitslosigkeit soll laut dem Landeshauptmann durch das positive Triple-I Innovation, Internationalität und Investitionen ersetzt werden.

Die Podiumsdiskussion führten neben dem Landeshauptmann auch Emmanuel Glenck von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG, die Geographin Heike Egner von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, BABEG-Aufsichtsratsvorsitzender Gilbert Isep, Markus Bliem von der Strategischen Landesentwicklung sowie der Philosoph und Unternehmensberater Horst Peter Groß als Präsident des Universitäts.club|Wissenschaftsverein Kärnten.

„Es geht um die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung“, betonte Groß in seinem Eingangsstatement. Dem Universitätsclub sei es wichtig, dass Unis und Absolventen zur gedeihlichen Entwicklung der Gesellschaft beitragen. Unter dem Motto „Wage zu denken!“ hat der Universitätsclub 2013 daher gemeinsam mit der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und weiteren Kooperationspartnern eine Plattform gegründet. An der aktuellen Veranstaltung nehmen laut Groß rund 150 Menschen teil. Thematisieren wolle man ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Mitveranstalter seien das Land Kärnten, der Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds (KWF), der Lakeside Science & Technology Park, die Kärntner Sparkasse, der Nationalpark Hohe Tauern und der Naturwissenschaftliche Verein für Kärnten. Bei den Veranstaltungen der letzten Jahre ging es um „Politisch gestalten durch Bildung und Dialog“ (2013), „Gesellschaftliche Veränderungen verstehen und gestalten“ (2014) und „Die offene Gesellschaft – eine Illusion?!“ (2015).

Infos unter: https://uniclub.aau.at/landschaft-des-wissens/


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Markus Böhm 
Fotohinweis: LPD/Höher

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