News

LOKAL

Kinderschutzfachtagung 2016: „Vom richtigen Zeitpunkt“

05.10.2016
LHStv.in Prettner eröffnet Kinderschutzfachtagung in Ossiach – 3.326 Minderjährige in Betreuung der Kinder- und Jugendhilfe, davon 2.320 in ambulanter Versorgung
„Die jährliche Kinderschutzfachtagung, die in Kärnten heuer zum mittlerweile 16. Mal abgehalten wird, gibt uns die Möglichkeit, gemeinsam einen Scheinwerfer auf eine Thematik zu richten, die uns zeigt, dass wir in einer immer fordernderen und herausfordernderen Welt leben“, erklärte LHStv. Beate Prettner in ihrer Funktion als Kinder- und Jugendhilfereferentin bei der Eröffnung des ExpertInnen-Treffens heute, Mittwoch, in Ossiach.

Allerdings zeige die Fachtagung auch, dass die Politik alles daran setze, sich diesen Forderungen und Herausforderungen zu stellen: mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe gebe es kein „Schema F“. „Jedes Kind benötigt andere Unterstützungen, jeder Fall hat eine individuelle Herausforderung“, so Prettner.

Die diesjährige Tagung (mit rund 500 TeilnehmerInnen) ist der Frage „Vom richtigen Zeitpunkt“ gewidmet. „Je früher Familien die Unterstützung bei einem der Jugendämter suchen, desto besser stehen die Chancen, dass die Entwicklung nicht nur des Kinders, sondern der gesamten Familie positiv verläuft“, betonte Prettner. Zur Tagung konnten namhafte Referentinnen und Referenten gewonnen werden, wie Prof. Dr. Michael Macsenaere, Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe, Dr. Adele Lassenberger, Mag. Astrid Liebhauser, MMag. Thomas Preßlauer, Mag (FA) Raphael Schmid und Abteilungsinspektor Rainer Tripolt.

Die Kinderschutzfachtagung stellt den Höhepunkt des Arbeitsjahres der Kinder- und Jugendhilfe Kärntens dar. Sie wird alljährlich in Kooperation mit dem Landespolizeikommando Kärnten durchgeführt.
Mit Stand Ende August 2016 standen in Kärnten 3.326 Minderjährige in Betreuung der Kinder- und Jugendhilfe (von insgesamt 104.600 Minderjährigen). Davon 2.320 in ambulanter Betreuung, 737 in stationärer Unterbringung und 269 bei Pflegeeltern.

Novum der Tagung: Erstmals wurde die Zielgruppe, also die Minderjährigen selbst, aktiv einbezogen. Als ExpertInnen in eigener Sache nahm eine Gruppe 10- bis 15-Jähriger an einem Workshop teil und diskutierte ihre Erfahrungen. Diese Neuerung wurde aufgrund der Ergebnisse eines internationalen EU-Projektes eingeführt, an dem die Kärntner Kinder- und Jugendhilfe teilgenommen hatte. Dabei wurden Jugendliche mit Betreuungshintergrund über ihre Situation befragt. Ihr Wunsch: gehört zu werden. „Wir möchten daher den Kindern und Jugendlichen eine Stimme geben, denn alle Anstrengungen in der Kinder- und Jugendhilfe verfolgen ja nur ein Ziel: die Zukunftschancen der Jugendlichen zu verbessern“, erklärte Prettner, deren Ziel es ist, in diesem Bereich „schnell und effizient zu helfen“. Denn: „Es darf nicht sein, dass ein Kind aus Spargründen nicht bestmöglich versorgt wird“.

Unabdingbar sei es dennoch, die Unterstützungsmaßnahmen für Kärntner Familien von Zeit zu Zeit zu reflektieren und auf Erfolg und Wirkung hin zu überprüfen. Der deutsche Psychologe Professor Michael Macsenaere referierte dazu als einer der Hauptredner und gab dem anwesenden Fachpublikum spannende Anregungen aus dem Bereich der Wirkungsorientierung für seine tägliche Arbeit.

Der zweite Hauptvortrag von Professorin Uta Maier-Gräwe widmete sich der Nutzung der vorhandenen Potentiale. Wie können gefährdete und benachteiligte Familien unterstützt werden, um bessere Chancen zu erhalten? Maier-Gräwe regte an, nicht nur die Familien und deren Kinder im Fokus zu haben, sondern auch das jeweilige soziale Umfeld in die unterstützenden Maßnahmen einzubauen. „Dieser sozialraumorientierte Ansatz gefällt mir sehr gut, denn vereinfacht gesagt, haben wir alle als Gesellschaft eine gewisse Verantwortung für unser Umfeld“, plädierte Prettner dafür, die Kinder- und Jugendhilfe nicht als isolierten Hilfsapparat zu sehen.


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/kb