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Europas modernstes Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II ist am Netz

07.10.2016
Feierliche Inbetriebnahme durch BM Mitterlehner und LH Kaiser – Wichtiger Schritt in Energiezukunft – „Grüne Batterie“ in den Alpen liefert Leistung von 200 Windkraftwerken
Spektakulär wie der Bau des Kraftwerks selbst war auch seine Inbetriebnahme heute, Freitag, im Inneren des Berges: Mit einem Knopfdruck starteten Wirtschaftsminister Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und Landeshauptmann Peter Kaiser gemeinsam mit den Vorständen und Geschäftsführern von Verbund, Kelag und Energie AG Oberösterreich die Maschinen des neuen Pumpspeicherkraftwerks Reißeck II. Die „grüne Batterie“ in den Alpen wurde um 400 Millionen Euro vollständig im Inneren des Berges errichtet und liefert einen bedeutenden Beitrag zur Energiezukunft. Herzstück sind die beiden hocheffizienten Pumpturbinen, die gemeinsam über eine Leistung von 430 Megawatt verfügen.

„Heute ist ein Freudentag und ich danke dem Verbund sowie seinen Partnern, dass hier große Investitionen getätigt wurden - auch in eine Region, die es durchaus brauchen kann“, sagte der Vizekanzler. Es sei eine richtige Investition in ein zukunftsweisendes und wichtiges Projekt gewesen, das die Versorgungssicherheit garantiere und in ganz Europa herzeigbar sei, so Mitterlehner.

Auch Kaiser bezeichnete das Kraftwerk Reißeck II als „Projekt der Superlative“ und betonte, dass es wunderschön sei, an solchen Tagen Landeshauptmann von Kärnten zu sein. „Ich bin sehr stolz auf die Leistung der ‚Hydrobauer‘ sowie aller am Kraftwerk beteiligten Mitarbeiter.“ Bis zu 350 Personen seien hier, auf einer der größten Kraftwerksbaustellen in Europa, beschäftigt gewesen. Insgesamt seien rund drei Millionen Arbeitsstunden geleistet worden. „Besonders erwähnenswert ist auch der wirtschaftlich bedeutende Faktor für Kärnten, denn 20 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens von 400 Millionen Euro sind direkt der Region zugutegekommen“, berichtete der Landeshauptmann.

In Verbindung mit den Kraftwerken Malta und Reißeck sei im Kärntner Mölltal nun eine der leistungsstärksten Wasserkraftwerksgruppen Europas entstanden. „Die Bedeutung dieses Pumpspeicherkraftwerks strahlt weit über die Region und Österreich hinaus“, so Kaiser. Mit dem Kraftwerk werde ein ganz wichtiger Schritt in die Energiezukunft gemacht. Reißeck II sei eine „grüne Batterie“ in den Alpen, die zeige, dass man mit hochentwickelter Technologie, großer handwerklicher planerischer Leistung und auch mit vorliegenden Ressourcen viel erreichen könne. „Was hier gelungen ist zeigt Weitblick in die Zukunft und fordert größten Respekt. Ich danke allen daran Beteiligten“, sagte der Landeshauptmann.

Wolfgang Anzengruber (Verbund CEO) verwies auf den massiven Umbruch am Energiesektor. „Wasserkraft ist das Potential der Zukunft und eine Energiewende ist ohne Wasserkraft nicht denkbar.“ Michael Amerer, Geschäftsführer der Verbund Hydro Power, dankte allen Mitarbeitern allen voran Projektleiter Markus Larcher. „Im Projekt Reißeck II stecken nicht nur drei Millionen Arbeitsstunden, sondern auch ein ausgesprochen hoher Anteil an österreichischer Spitzentechnologie und 90 Prozent heimische Wertschöpfung.“ Karl Heinz Gruber, technischer Geschäftsführer der Verbund Hydro Power, hob die Besonderheiten des Kraftwerks hervor: „In Verbindung mit Malta-Reißeck entstand eine der leistungsstärksten Wasserkraftwerksgruppen Europas. Reißeck II ist eine Kraft- und Flexibilitätszentrale, das Energiepaket liefert 430 Megawatt Leistung, kann die Stromerzeugung von 200 Windkraftanlagen aufnehmen, speichern und bei Bedarf diese Leistung auf Knopfdruck wieder bereitstellen.“ Armin Wiersma (Kelag) bezeichnete Reißeck II als Meilenstein der Unternehmensgeschichte, mit dem man den Kunden „grünen Strom“ bereitstellen könne. Leopold Windtner (EAG CEO) gratulierte zur technischen Meisterleistung, aber auch zur Abwicklung mit allen Ämtern und Behörden bis hin zur Politik. Erwin Angerer (Bürgermeister Mühldorf) betonte, dass die Umsetzung vorbildhaft gewesen sei und die ökologischen Akzente neue Maßstäbe gesetzt hätten. Stefan Hinteregger (ARGE Reißeck II) verwies auf die Größe des Projektgebiets mit ganz besonderen Herausforderungen, so beispielsweise im Winter 20 km Straße sicher zu erhalten.

Unter den vielen Gästen waren unter anderem die Landesräte Christian Benger und Rolf Holub. Die Segnung erfolgte durch Generalvikar Engelbert Guggenberger und Superintendent Manfred Sauer. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Trachtenkapelle Kolbnitz.

Sechs Jahre lang befand sich im Kärntner Mölltal im Gebiet des Mühldorfer Grabens die höchstgelegene Wasserkraftwerksbaustelle Österreichs. Im Inneren des Berges wurde eine 43 Meter hohe und 58 Meter lange Felskaverne ausgebrochen. Mit einer 880 Tonnen schweren Tunnelbohrmaschine wurde auf 2.200 Meter Seehöhe ein kilometerlanger Stollen zum Großen Mühldorfer See in den Berg getrieben. Sämtliche Kraftwerkskomponenten, wie die 200 Tonnen schweren Generatoren und Transformatoren, mussten vom Mölltal aus mit Schwertransporten auf den Berg und in die Kaverne gebracht werden. Bis zu 350 Fachkräfte arbeiteten gleichzeitig im hochalpinen Projektgebiet. Insgesamt wurden drei Millionen Arbeitsstunden für die Errichtung des Pumpspeicherkraftwerks Reißeck II geleistet.

Errichter war die Verbund-Hydropower (VHP) GesmbH, eine 100-Prozent-Tochter der Verbund AG. Investiert wurden 400 Millionen Euro, wobei die VHP und Kelag je 45 Prozent und die Energie AG zehn Prozent trugen. 90 Prozent der Investitionssumme wurden in Aufträge an die österreichische Wirtschaft mit heimischer Wertschöpfung vergeben. So verblieben mehr als 50 Millionen Euro an lokaler und regionaler Wertschöpfung in Kärnten. Acht Millionen Euro flossen in ein breites Bündel an ökologischen Begleitmaßnahmen, wobei insbesondere die Renaturierung im hochalpinen Raum weit oberhalb der Baumgrenze international neue Maßstäbe setzt.

(I N F O: www.verbund.com)


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Ulli Sternig
Foto: LPD/Augstein