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POLITIK

Länder-Konferenz: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Blick

14.10.2016
Tagung der Kinder- und JugendhilfereferentInnen in Villach - Acht Beschlüsse einstimmig an Ministerien verabschiedet - LHStv.in Prettner: „Es geht um Kinder in prekärsten Situationen“
Rund um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) klaffen offene Fragen. Fragen, die im Blickpunkt des diesjährigen Treffens der Landes-Kinder- und JugendhilfereferentInnen heute, Freitag, in Villach standen. Die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen stellt insbesondere für die Kinder- und Jugendhilfe im Hinblick auf Fallzahlen und eingesetzte Ressourcen bereits seit längerem ein zentrales Aufgabengebiet dar. Seit 2015 hat sie zusätzlich stark an Dynamik gewonnen.

„Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die aus verschiedensten Gründen einen besonderen Betreuungsbedarf haben, werden im Rahmen der Grundversorgung die dafür entstehenden Kosten aus Bundesmitteln nicht übernommen. Die Kosten für diese zusätzlichen Leistungen, die in der Regel sofort zu erbringen sind, sind daher nicht abgedeckt und belasten die Länder im Rahmen der Kinder-und Jugendhilfe“, informierte LHStv.in Beate Prettner bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit ihrer Tiroler Amtskollegin, Soziallandesrätin Christine Baur. Der Bedarf an solchen zusätzlichen Leistungen sei steigend. Eine Kostenübernahme durch den Bund daher jedenfalls anzustreben. In Kärnten werden derzeit 150 unbegleitete Minderjährige versorgt.

Nach den Erfahrungen der Kinder- und Jugendhilfe leide ein großer Teil dieser Kinder auf Grund ihrer Kriegserlebnisse und Fluchtbiographie unter besonders schweren Traumatisierungen oder an schweren psychiatrischen Erkrankungen. „Die Betreuung erfolgt meist in sozialpädagogischen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Deren Tagsätze liegen allerdings deutlich über den Kostenhöchstsätzen der Grundversorgungsvereinbarung“, so Prettner.

Eine weitere Forderung der Ländervertreter zielt auf die derzeit lange Verfahrensdauer der UMF: „Es ist in der Fachwelt unbestritten, dass eine lange Verfahrensdauer traumatisierte Kinder zusätzlich stark belastet und in der Folge die Betreuungsarbeit und die Integrationsbemühungen wesentlich erschwert“, hielt Prettner fest.

In Summe wurden acht Beschlüsse einstimmig gefasst und diese an die zuständigen Ministerien (Familie, Inneres, Justiz) weitergeleitet. „Über 90 Prozent der UMF werden wohl in Österreich bleiben. Daher ist es wesentlich, ihnen einen Zugang zur Schulpflicht über das Pflichtschulalter hinaus zu sichern“, erklärte Baur. „Auch der Zugang zur Lehre sollte vereinfacht werden. Wir müssen die Betroffenen in den Bildungs- und Ausbildungsbereich bringen.“

Ein zweites zentrales Thema der Länderkonferenz war das Kärntner Pilotprojekt „Frühe Hilfen“: Aufgrund der vielversprechenden Testphase soll das Projekt nun flächendeckend umgesetzt werden. „Frühe Hilfen“ zielen auf das körperliche, psychische und soziale Wohl des Kindes (der Familie) ab. „Fünf bis acht Prozent der Familien leben in prekären Verhältnissen. Ihnen soll unter die Arme gegriffen werden“, sagte Prettner. Ausreichende Unterstützung und Förderung in der frühen Kindheit können Lebensqualität, sozioökonomische Lage und Gesundheit bis weit ins Erwachsenenleben hinein positiv beeinflussen. Laut Studien würde jeder Euro, der frühzeitig investiert wird, mindestens dreifach zurückkommen. „Kindliche Entwicklungsperspektiven können langfristig verbessert werden. Frühe Kindheitserfahrungen haben häufig tiefgreifende und lang andauernde Auswirkung auf die psychische und körperliche Gesundheit und die Lebensqualität im Jugend- und Erwachsenenalter. Wenn wir frühzeitig eingreifen, können wir später viel Leid verhindern“, so die Kärntner Gesundheitsreferentin.


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Zeitlinger