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POLITIK

Kick-Off für Frauen am Polit-Steuer

21.10.2016
LHStv.in Prettner: Nur 5,95 Prozent der Gemeinden werden von Frau Bürgermeister geführt – Heute zwölfter Durchgang des Politikerinnen-Lehrgangs
Was haben Estland, Kroatien, Malta, Chile, Litauen, Liberia, Südkorea, Mauritius, und Nepal gemeinsam? Richtig! Sie haben eine Frau als Staatspräsidentin. Vielleicht ab 8. November auch die USA. Was verbindet Norwegen, Lettland, Polen, Großbritannien, Jamaika, Schottland und Deutschland? Exakt! An der Spitze der Regierung steht eine Frau. In Österreich hat es zwar noch keine Frau ins höchste politische Amt geschafft – doch wer weiß, was da noch kommt. Unterdessen muss sich unser Land mit 56 Frauen im Parlament begnügen (was bei 183 Sitzen 30,6 Prozent entspricht).

„Das ist mehr als nur ausbaufähig“, sagt Kärntens Frauenreferentin LHStv.in Beate Prettner im Vorfeld zum Politikerinnen-Lehrgang, der Frauen in Kärnten seit mittlerweile elf Jahren fit für die Politik macht. Heute geht dieser mit einem „Kick Off“ im Casinohotel Velden, 15 Uhr, in seine zwölfte Runde. „Von den insgesamt bereits 145 Absolventinnen finden sich viele als Landtagsabgeordnete, Stadträtinnen oder Gemeinderätinnen wieder, auch eine Bürgermeisterin ist dabei“, zeigt Prettner auf die „Früchte des Erfolgs.“

Apropos Bürgermeisterin: Düster sieht es mit dem Frauenanteil in Österreich auf kommunaler Ebene aus. Nur 5,95 Prozent der 2.354 österreichischen Gemeinden werden von einer Frau Bürgermeister geführt. Seit der letzten Gemeinderatswahl verzeichnet Kärnten acht Bürgermeisterinnen (plus fünf) und liegt damit über dem Österreichschnitt. „Doch es warten noch zahlreiche Gemeindechefsessel darauf, von Frauen erobert zu werden“, sagt Prettner. Übrigens: Mit besagten 5,95 Prozent an Bürgermeisterinnen findet sich Österreich EU-weit im unrühmlichen Schlussfeld wieder. Nur Zypern (0 %), Griechenland (2 %), Rumänien (4 %) und Slowenien (5%) weisen noch katastrophalere Werte auf.

„Erstes kurzfristiges Ziel muss es sein, dass es keine Gemeinde mehr gibt ohne mindestens eine Frau im Gemeinderat“, meint LHStv.in Prettner. Zur Zeit sind es noch zwei – Dellach im Gailtal und die Gemeinde Lesachtal. „Im Lehrgang erhalten zukünftige oder bereits aktive Kommunalpolitikerinnen ein umfangreiches Rüstzeug für die Politik – das reicht von Vorträgen zur Allgemeinen Gemeindeordnung über Rhetorikkurse bis hin zu Projektmanagement und EU-Förderungen“, informiert Michaela Slamanig, Leiterin des Frauenreferates. Heuer wird ein zusätzliches Augenmerk auf Social Media gelegt.
An den Start des 12. Politikerinnen-Lehrganges gehen 22 Teilnehmerinnen. Acht mussten auf die Warteliste für den 13. Durchgang vertröstet werden.

Als ReferentInnen konnten unter anderem Christian Pirker (Unternehmensberater, Managementtrainer), Martina Rattinger vom Verbindungsbüro Kärnten in Brüssel und Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle gewonnen werden.

Laut einer vom Gemeindebund beauftragten Studie (September 2016) gilt die schlechte Vereinbarkeit von Zivilberuf, politischem Amt und Familie nach wie vor als größte Hürde für Frauen, ein politisches Amt zu übernehmen.

Weitere Ergebnisse der Studie sind:
- 76 Prozent der weiblichen Bürgermeister wenden mehr als 30 Stunden pro Woche für ihre politische Arbeit auf.
- Das Bürgermeisteramt bleibt im Normalfall nicht die einzige Aufgabe: 83 Prozent geben an, in mehr als drei Organisationen zusätzlich tätig zu sein.
- Nur in Ausnahmefällen (11 Prozent) streben Frauen das Amt aktiv an. Die meisten (44 Prozent) geben an, dass sich das aufgrund der Umstände so ergeben hat, 33 Prozent der Frauen wurden direkt gefragt, 11 Prozent mussten überredet werden.
- Hoher Bildungsgrad der Frauen
- Kaum junge Frauen: Es gibt kaum Bürgermeisterinnen unter 40 Jahren in Österreich. Gerade einmal 4 Prozent fallen in diese Altersstufe.
- Nur 55 Prozent der Ortschefinnen haben österreichweit mit ihrer Liste oder Fraktion eine absolute Mehrheit im Gemeinderat, das heißt Kooperationsfähigkeit ist gefragt.
- Der Begriff „Gestaltungswille“ wird von Frauen am häufigsten als Motiv für die Kandidatur genannt.

Allgemeine Informationen zu „Frauen in der Politik“:
1918: fiel der Verbotsparagraph des Vereinsgesetzes, mit dem „Ausländern, Frauenspersonen und Minderjährigen“ die Mitgliedschaft in politischen Vereinen unmöglich gemacht wurde.
1919: durften Frauen erstmals wählen
1948: erste weibliche Bürgermeisterin-Zenzi Hölzl, SPÖ, in Gloggnitz.
1966: erste Ministerin (für Soziales)- Grete Rehor, ÖVP
1985: erstmals Quotenregelung einer politischen Partei-SPÖ, 25 Prozent-Quote
1993: erste weibliche Parteivorsitzende- Heide Schmidt, Liberales Forum
1996: erste Landeshauptfrau – Waltraud Klasnic, Steiermark, ÖVP
2000: erste Vizekanzlerin – Susanne Riess-Passer, FPÖ


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner