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Finanzausgleich: „Gesunde“ Herausforderung verlangt Investitionen

09.11.2016
Gesundheitswesen: Markanter Wachstumsbereich und potenzieller Wirtschaftsfaktor – LHStv.in Prettner setzt auf innovative Primärversorgung vor Ort
„Kaum einem anderen Sektor wird derart großes Wachstum vorhergesagt wie dem Gesundheitsbereich. Grund ist der demografische Wandel und damit die steigende Zahl von älteren und pflegebedürftigen Menschen“, verwies heute, Mittwoch, LHstv.in Beate Prettner auf die herausfordernde Situation im Gesundheitswesen. Herausfordernd sei die Situation vor allem in Kärnten –aufgrund des hohen Anteils der über 65-Jährigen. „Derzeit beziehen bereits 34.901 von 557.641 Einwohnern Pflegegeld, das sind 6,26 Prozent. Österreichweit liegt der Prozentsatz bei 5,23 Prozent“, informierte die Gesundheitsreferentin.

Der Finanzausgleich sieht nunmehr vor, dass der Pflegefonds mit 350 Millionen Euro weitergeführt und ab 2018 mit 4,6 Prozent valorisiert wird, was einem Wert von 110 Millionen bis zum Jahr 2021 entspricht. „Eine Höherdotierung des Pflegefonds lag alleine schon aus demografischen Gründen zwingend auf der Hand“, so Prettner. Sie betonte zudem, Ausgaben im Gesundheitsbereich „nicht als Kosten, sondern als Investitionen“ zu sehen: „Je mehr es uns gelingt, Gesundheit möglichst lange zu erhalten, desto höher wird der social return of investment“ Sprich: Präventive Gesundheitsmaßnahmen bewirken Gegenrechnungen von durchschnittlich einen Euro zu drei Euro.

Noch hervorstechender ist die Gegenrechnung bei psychischen Erkrankungen: In Österreich gehen rund 80.000 Menschen pro Jahr wegen psychischer Probleme in den Krankenstand, wobei diese Krankenstände wesentlich länger als bei sonstigen Erkrankungen dauern. Die gesamtwirtschaftlichen Kosten liegt bei 3,3 Milliarden Euro jährlich. Für Prettner steht außer Zweifel: „Jeder Euro, den wir früh und gezielt investierten, ist effektiv und effizient ausgegeben.“

Insofern begrüßt die Gesundheitsreferentin auch die im Finanzausgleich fixierte Zweckwidmung von 200 Millionen Euro, mit der es nun erstmals eine vertraglich abgesicherte Finanzierungszusage der Länder und der Sozialversicherung für die Primärversorgung geben wird. „Mit der Primärversorgung, konkret mit so genannten Primary Health Care-Stellen, kommen wir zwei großen Zielen näher: Einerseits dem Ziel, die Spitäler zu entlasten, andererseits dem Ziel, den Patienten mehr Service zu bieten. Und mit mehr Service meine ich die Wohnortnähe und die Öffnungszeiten der Ordinationen“, so Prettner.

Konkret sollen die besagten 200 Millionen Euro ermöglichen, österreichweit rund 40 PHCs umzusetzen. „Jetzt ist die Ärztekammer am Zug, ihrer Verantwortung gegenüber den Patienten gerecht zu werden und hier mitzuziehen“, forderte die Gesundheitsreferentin die Ärztekammer auf, ihre bisherige Blockade in diesem Bereich aufzugeben und an der Umsetzung der zusätzlichen Primärversorgungsstellen entsprechend mitzuwirken. „Die PHCs sind neben den Hausärzten eine wichtige ambulante Nahversorgung. Sie entlasten Spitäler, fördern Allgemeinmediziner und helfen den Patientinnen und Patienten“, sagte Prettner.

In Richtung jener Kritiker, die im Gesundheitsbereich das größte potenzielle „Sparschwein“ orten, meint Prettner: „Sie ignorieren geflissentlich, dass sich gerade der Gesundheitsbereich zu einem nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. In Kärnten ist er bereits der fünftgrößte Arbeitgeber. Und die Tendenz ist massiv steigend.“ Das Wifo sagt dem Gesundheitsbereich für Österreich bis 2020 pro Jahr einen Beschäftigungsanstieg von 8500 Personen voraus. Zudem wird Betreuungsberufen wie Pflegehelfern ein Plus von 10.000 Arbeitsstellen jährlich prognostiziert. „Gefragt und gefordert werden damit Fachkräfte auf den unterschiedlichsten Qualifizierungsniveaus sein“, unterstrich Prettner die steigende Bedeutung von Gesundheitsberufen für die Zukunft.


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Zeitlinger