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Opfer Kind: Geste der Verantwortung

16.11.2016
LHStv.in Prettner appellierte im Vorfeld zum Tag der Kinderrechte, wachsam zu sein - Gewalt an Kindern ist kein Mythos - Bilanz der Opferschutzkommission und Halbzeit eines Forschungsprojektes zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen
„Gewalt an Kindern ist kein Mythos. Nein. Gewalt an Kindern ist traurige und schockierende Realität. Vor dieser Realität dürfen wir die Augen nicht verschließen, denn durch Wegschauen lässt sich diese Realität nicht auslöschen. Im Gegenteil…“, appellierte LHStv.in Beate Prettner heute, Mittwoch, in einer Pressekonferenz im Vorfeld zum morgigen Staatsakt im Parlament „Geste der Verantwortung“ und im Vorfeld zum Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November.

„In Kärnten haben wir zum Schutz für Kinder und Jugendliche ein engmaschiges Netz gespannt: 44,2 Millionen Euro fließen pro Jahr in diesen Bereich“, informierte die Sozialreferentin. In 46 stationären Einrichtungen kümmert man sich um das Wohlergehen der Kinder, die insbesondere aus suchtkranken Familien kommen oder aus Familien, in denen Gewaltakte, aber auch sexuelle Übergriffe passieren. Mit Stand Oktober 2016 wurden 560 Kinder und Jugendliche in sozialpädagogischen Einrichtungen der Kärntner Kinder- und Jugendhilfe betreut. 294 Kinder (davon 131 unter zehn Jahre) befinden sich derzeit bei Pflegefamilien.

Die Kosten für die so genannte „Volle Erziehung“ in den sozialpädagogischen Einrichtungen (u. a. drei Kinderheime, 29 Wohngemeinschaften) haben sich 2015 auf 37,9 Millionen Euro belaufen. Für die „Volle Erziehung“ bei Pflegepersonen wurden drei Millionen Euro benötigt.

„Leider ist es in der Vergangenheit nicht nur in Kärnten, sondern in ganz Österreich und wohl europaweit, gerade auch in staatlichen Einrichtungen zu Übergriffen an Kindern gekommen“, erinnerte Prettner etwa an den „Fall“ des Kinderpsychiaters Franz Wurst. In dessen Folge wurden über eine Opferschutzkommission 124 Entschädigungsanträge bearbeitet. „In Summe hat das Land Kärnten 948.800 Euro an Betroffene ausbezahlt“, informierte Kärntens Kinder- und Jugendschutzanwältin Astrid Liebhauser.

„Finanzielle Zahlungen können nicht mehr als eine Geste des Bedauerns und ein Symbol der Verantwortung sein. Wir können das Geschehene nicht rückgängig machen, doch wir müssen aus diesen Fällen lernen“, so Prettner. Seit Mai erforscht daher ein Team der Universität Klagenfurt, wie es über Jahrzehnte zu Missbrauch und Gewalt in Einrichtungen des Landes kommen konnte, welche Strukturen das ermöglicht haben. Projektleiterin Ulrike Loch gab zur „Halbzeit“ Einblick in die Forschungsarbeit. Das Projekt wird vom Land Kärnten, der KABEG und der Ärztekammer finanziert. Es läuft bis Sommer 2017.


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Zeitlinger