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Europäischer Volksgruppenkongress startete mit Podiumsdiskussion und Ausstellung

18.11.2016
LH Kaiser: Zukunft Kärntens im Bogen Volksabstimmung 1920-Landesaustellung 2020 diskutiert – Ungarisches Komitat Vas organisierte „Ars Pannonica“ im Verwaltungszentrum
 „Echo eines Jahrhunderts: Perspektiven für Kärnten 2020“ – unter diesem Titel fand gestern, Donnerstag, am Abend eine Podiumsdiskussion im Landesregierungsgebäude in Klagenfurt statt. Es handelte sich um die Auftaktveranstaltung zum heute eröffneten „XXVII. Europäischen Volksgruppenkongress“. Vor dem Hintergrund des 100-jährigen Jubiläums der Kärntner Volksabstimmung im Jahr 2020 wurden u.a. die Bereiche Wirtschaft, Bildung, Sprache, Identität, Migration, aber auch Industrie bzw. Gesellschaft 4.0 angesprochen. Berichtet wurde zudem vom bereits gestarteten Prozess hin zur Landesausstellung 2020 – sie soll einen Dreiklang aus Vergangenheit, Gegenwart und vor allem Zukunft erzeugen. Im Anschluss an die Diskussion wurde im Verwaltungszentrum des Landes die Ausstellung „Ars Pannonica“ mit Kunst aus Ungarn und Kärnten eröffnet.

Landeshauptmann Peter Kaiser will zum Jubiläum der Volksabstimmung würdigen was passiert ist und einen vergleichenden Querschnitt durch die Jahrhunderte ziehen. Vor allem aber wolle man Erlebtes/Erfahrenes vermitteln und daraus Weichenstellungen für die Zukunft ableiten „Geschichte soll nicht Verklärung sein, sondern ein Erfahrungsreservoir, aus dem heraus wir gestalten wollen“, meinte er. Zudem sollten die Menschen mit dem Gefühl aus der Ausstellung hinausgehen, andere zu verstehen. Sprachen, Kulturen, Internationalität sieht Kaiser als ganz wesentlich an für ein exportorientiertes Land wie Kärnten. Gerade Volksgruppen könnten in diesem Sinne Türen öffnen, dies müsse man noch stärker nutzen.

Als zählbaren und zukunftsorientierten Erfolg bezeichnete der Landeshauptmann die Umwandlung des Kontaktkomitees in ein Gemeinsames Komitee Slowenien-Kärnten. Er hob Kärntens vorhandene Chancen hervor, von Natur, Wasserkraft, der zentralen Lage im Alpen-Adria-Raum, der Kooperation mit den Nachbarn, der Südachse mit der Steiermark, bis hin zum künftigen Anschluss an die Baltisch-Adriatische Achse und Initiativen in der Startup-Szene. Er betonte außerdem die Wichtigkeit, auf Digitalisierung und Industrie 4.0 bereits jetzt entsprechend zu reagieren – Stichwort Gesellschaft 4.0. Die bedarfsorientierte Mindestsicherung sei wichtiges Auffangnetz bei diesen revolutionären Veränderungen in Produktion und Dienstleistung an. Die Mindestsicherung diene auch zur Reintegration in den Arbeitsmarkt.

„Wie kann man Zukunft ausstellen?“, warf Peter Fritz als Kurator der Landesausstellung 2020 in den Raum. Sein Ansatz sei es, die Besucherinnen und Besucher nach ihren Wünschen für die Zukunft zu fragen. „Und dann wollen wir die Menschen in die Verantwortung nehmen, indem wir fragen: Was ist dein Beitrag dazu?“, erklärte Fritz. Für ihn ist die Landesausstellung schon jetzt geöffnet und nicht erst 2020. Es sei bereits viel Energie da, die Menschen würden dabei sein wollen. Die Ausstellung versteht der Kurator als Kommunikationsplattform. Themen seien u.a. Identität, Erinnerungskultur, Nachbarschaft, Dialog, Vernetzung, aber auch Migration, Demokratieentwicklung. „Es soll mehr als eine Landesausstellung sein, es muss ein Paket sein“, betonte Fritz, der Vereine und Gemeinden dabei haben will: „Wir wollen einen Zug starten, der über 2020 hinausfährt.“

Europaabgeordnete Angelika Mlinar und Verleger Lojze Wieser hoben beide die große Bedeutung von Sprache für Volksgruppen hervor. „In den 49 Staaten Europas werden ohne die Dialekte 400 lebende Sprachen gesprochen, das sind im Schnitt acht pro Staat“, sagte Wieser. In der Vergangenheit sei das Slowenische in Kärnten zum Schweigen gebracht worden, viele Menschen seien verstummt. Aber Kärnten habe ein „Öffnen hin zur Verständigung“ geschafft, das sei eine Lehre, die man aus Kärnten in die Welt tragen könne. Mlinar wünscht sich mehr Mehrsprachigkeit auch im öffentlichen Raum. Die Wertegemeinschaft Europa betrachtet sie als fördernd für die Entwicklung der Volksgruppen.

Volkswirt Bernhard Felderer bezeichnete Internationalisierung als essentiell, es sei eine wirtschaftliche Notwendigkeit, mit allen gut auszukommen. Er meinte auch, dass jede Mehrheit froh sein müsse, Minderheiten zu haben. Sorgen bereiten ihm aktuelle Entwicklungen in der Welt. Er befürchte die Zunahme von Nationalismus und dass die Demokratie an Ansehen verliere. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von NEWS-Chefredakteurin Eva Weissenberger.

Die danach eröffnete „Ars Pannonica“ ist das kulturelle Rahmenprogramm zum Volksgruppenkongress. In ihrem Rahmen präsentieren 30 zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler – fünf aus Kärnten und 25 aus Ungarn –bis zum 1. Dezember gemeinsam ihre Werke. Organisiert wird die Ausstellung vom ungarischen Komitat Vas, wie Kärnten eine Mitgliedsregion der 2013 in Klagenfurt gegründeten Alpen-Adria-Allianz. Ihr gehören derzeit elf Mitglieder aus Kroatien, Österreich, Slowenien und Ungarn an.

„Kunst ist eine internationale Sprache, die Menschen zusammenbringt und Vielfalt ausdrückt“, sagte Kaiser. Er verwies auf die seit genau 30 Jahren bestehende Verbindung zwischen Kärnten und dem Komitat Vas – unterschiedlichste politische Systeme seien in diesem Rahmen überwunden worden. „Das Gemeinsame haben wir immer als das Verbindende gesehen, insbesondere durch Kultur und Sport“, meinte der Landeshauptmann. Allgemein gelte es, die gemeinsame Idee Europa weiter zu forcieren. Die Alpen-Adria-Allianz mache es vor, sei direkt bei den Menschen und in den Regionen.

Auch Gesandter Gábor Hajas von der ungarischen Botschaft hob die starke Freundschaft zwischen Kärnten und dem Komitat Vas hervor. Bálint Kondora, der Vizepräsident der Generalsversammlung des Komitates Vas, dankte allen an der Ausstellung Beteiligten sowie den Unterstützern dieser Biennale. Eine Einführung in die Ausstellung gab es vom Kunsthistoriker Ernő Szabó, moderiert wurde die Eröffnung vom Generalsekretär der Alpen-Adria-Allianz, Thomas Pseiner. Die fünf Ausstellenden aus Kärnten sind Birgit Bachmann, Rudi Benétik, Uwe Bressnik, Martin Steiner und Robert Trsek. Für ihr Schaffen geehrt wurden Rudi Benétik und der ungarische Künstler Péter Baky – für ihn nahm Judit Banovits die Auszeichnung entgegen.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser; Volksgruppenbüro; Generalsekretariat Alpen-Adria-Allianz
Redaktion: Markus Böhm
Fotohinweis: LPD/Eggenberger (Podiumsdiskussion) und LPD/Jannach (Ausstellung)