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HCB: Zukunftsprojekte für das Görtschitztal

18.11.2016
Causa wurde vor zwei Jahren bekannt - Landesabteilungen informierten, beprobten, unterstützten - Fonds und Zukunftskomitee sollen Tal Perspektive geben
Im November 2014 wurden die HCB-Grenzwertüberschreitungen im Görtschitztal publik. Seit diesem Zeitpunkt gab es seitens des Landes bzw. der zuständigen Fachabteilungen eine Reihe von Maßnahmen, um den Menschen im Tal wieder eine Perspektive zu geben.

Für die Umsetzung von Projekten und Maßnahmen wurde von der Kärntner Landesregierung der mit rund 1,46 Millionen Euro dotierte Görtschitztalfonds eingerichtet, aus dem regionale Projekte zur Erreichung der Ziele des Masterplanes Görtschitztal 2015+ unter maßgeblicher Einbindung des Zukunftskomitees Görtschitztal gefördert werden. Im Jänner 2016 erfolgte die Präsentation des Masterplanes, der vom Zukunftskomitee Görtschitztal, einer regionalen Initiative, mit Bürgerbeteiligung erarbeitet wurde. In ihm sind Sofortmaßnahmen und strategische Leit- und Schlüsselprojekte zu finden.

Vom Zukunftskomitee wurden zwei konkrete Vorhaben ausgewählt bzw. sind als Förderanträge eingereicht worden: Der Breitbandausbau und das Bio-Monitoring. In einer Sitzung im Herbst wurde einstimmig beschlossen, das Projekt „Breitband Masterplan Görtschitztal“ zu starten. Sieben Gemeinden (Hüttenberg, Klein St. Paul, Brückl, Eberstein, Kappel am Krappfeld, Guttaring und Magdalensberg) haben sich zusammengeschlossen, um einen gemeinsamen interkommunalen Breitband Masterplan zu realisieren. Seine Erstellung soll u.a. aus den Mitteln des Görtschitztalfonds finanziert werden. Die Gesamtkosten sind mit rund 50.000 Euro veranschlagt.

Als zweites konkretes Projekt wurde das Bio-Monitoring genannt. Es soll vom Umweltbundesamt evaluiert und laufend verbessert werden. Dafür sind Mittel von 90.000 Euro vorgesehen. Diese sollen zur Hälfte vom Bund (Lebensministerium) und zur Hälfte durch den Görtschitztalfonds gedeckt werden.

Neben einer umfassenden Informationskampagne für die Bevölkerung des Tales gab es in den letzten zwei Jahren ein engmaschiges Umwelt-Bio-Monitoring, eine regelmäßige Beprobung der Milch und aller Milchprodukte, von Fleisch, Obst, Gemüse, pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln und von Honigprodukten. Ebenso gab es Immissionsmessungen, Fichtennadeluntersuchungen auf HCB und Schwermetalle und ein erweitertes Grundwasseruntersuchungsprogramm. Regelmäßig untersucht wurden die Böden ebenso wie die Futtermittel. Bei den Bewohnern des Tales wurden Blut- und Muttermilchuntersuchungen durchgeführt.

Zwei Jahre nach Bekanntwerden der Causa bestätigen die Probenergebnisse von Lebensmittelaufsicht, Veterinärwesen der Landwirtschafts- und der Umweltabteilung, dass die Maßnahmen greifen.

Von der Sanitätsdirektion wurden von Jänner 2015 bis Oktober 2016 bei 295 Personen Erstuntersuchungen auf HCB durchgeführt. Das Ergebnis: „Die HCB-Belastungen war in keinem Fall in einer Höhe, die unmittelbare gesundheitliche Auswirkungen hätte erwarten lassen. Bei 66 Personen wurde eine messbare Erhöhung der inneren Belastung gefunden und ihnen wurde im Rahmen des Human-Bio-Monitorings eine Nachuntersuchung angeboten. Sie wurde im Februar 2016 bei 23 Personen durchgeführt, die nächste ist für Februar 2017 geplant.

Die Lebensmittelaufsicht weitete seit Anfang Dezember 2014 ihr Kontrollgebiet aus. Insgesamt wurden 65 Direktvermarkter in den Gemeinden Pischeldorf, Brückl, Klein St. Paul, Hüttenberg, Guttaring und Kappel/Krappfeld kontrolliert. 2014 wurden 351 Proben, 415 Proben im Jahr 2015 und 288 Proben im heurigen Jahr gezogen und auf HCB, HCBD und auf Quecksilber untersucht. 2016 lag keine einzige Probe über dem Grenzwert. Beim Rohmilch-Monitoring in den sechs Gemeinden wurden 73 Betriebe erfasst, die zwei Großmolkereien beliefern. Bei den letzten beiden Untersuchungen im Juni 2016 konnte festgestellt werden, dass es keine Überschreitungen der zulässigen HCB-Grenzwerte gab und daher alle Lieferanten verkehrsfähige Produkte liefern.

Die Veterinärmedizin hat in den vergangenen zwei Jahren 1.017 Rinder untersucht. Bei 234 Proben lagen die Messwerte über dem Grenzwert, waren damit auf Grund der gesetzlichen Vorgaben für den Verzehr nicht tauglich. 296 Rinder, bei denen die Messwerte zwischen 0,1 und 0,2 mg/kg Fett lagen, wurden ebenfalls nicht zur Lebensmittelerzeugung zugelassen. Bei den Schweinen wurden 78 Schlachtkörper untersucht, wobei keiner die Grenzwerte überschritten hatte. Bei den kleinen Wiederkäuern waren es 31 Stück. Fünf waren untauglich für die Lebensmittelproduktion. Ebenso wurden 17 Wildproben analysiert. Lediglich bei einer Gemse wurde ein überhöhter Wert festgestellt.

Die Untersuchungspflicht für alle Betriebe der Region wurde aufgehoben, da seit Dezember 2015 keine erhöhten Werte, die den halben gesetzlichen Höchstwert überschritten hätten, festgestellt werden konnten. Ebenfalls eingerichtet wurde ein Bio-Monitoring System. Es umfasste drei Milchliefernde, drei Mutterkuh- und einen Schafbetrieb. Bei ihnen wurden regelmäßig Milch-, Blut-, Schlachtkörper-, Futter- und Kotproben entnommen und analysiert.

Im Institut für Lebensmittelsicherheit, Veterinärmedizin und Umwelt (ILV Kärten) wurde ein GC-MS Analysegerät für die HCB Analytik angeschafft. Damit konnte für Lebensmittel-Produzenten auch eine kostenfreie Untersuchung der selbst hergestellten Lebensmittel als Unterstützung durchgeführt werden. Das Gerät ist auf dem höchsten Stand der Technik und ermöglicht in Österreich einzigartig niedrige Nachweisgrenzen für HCB. Des Weiteren konnte damit die Analysendauer von durchschnittlich drei Wochen auf drei Tage reduziert werden, und die Kosten für das Land gesenkt werden.

Von der Landwirtschaftsabteilung wurden insgesamt 130 Proben gezogen. Die 32 Frischgras-Aufwuchs-Monitoring-Proben im Umfeld des Wietersdorfer & Peggauer Zementwerkes lagen bezüglich des HCB-Gehaltes alle unter der Bestimmungsgrenze. Beim Deponie-Monitoring im Zwei-Kilometer-Radius um die Brückler Altlastdeponie K20 wurden 33 Vorernteproben und 65 Frischgrasproben gezogen. Alle 33 Vorernteproben lagen unter der HCB-Bestimmungsgrenze. Von den 65 Frischgrasproben lagen zwei Proben über dem gesetzlichen Grenzwert. Sie stammen vom ersten und zweiten Aufwuchs einer kleinen Wiesenfläche eines Hausgartens, die nicht für die Futtermittelproduktion verwendet werden und unmittelbar an die Deponie Brückl angrenzen. Bei neun Proben war HCB nachweisbar, aber unter dem Grenzwert.

Im Dauereinsatz war auch die Umweltabteilung. Sie führte laufend Untersuchungen und Monitorings u.a. in den Bereichen Gewässer, Grundwasser, Boden, Feinstaub und Luft durch.

Der Schwerpunkt des Luft-Monitorings lag im Umfeld der Deponie K20 in Brückl und der Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke GmbH. Nachdem die Werte in Wietersdorf unauffällig waren wurde das Luftmonitoring bei der K20 verstärkt. Es gab kontinuierliche Luftgütemessungen (Halbstundenmittelwerte) im unmittelbaren Nahbereich der Altlast K20. HCB-Immissionsmessungen wurden an zehn Schwerpunktstandorten der Deponie durchgeführt. Die Auswertung der Luftqualitätsmessungen (HCB-Passivsammlermessungen) für die Jahre 2015 bzw. 2015/16 zeigt, dass im gesamten Bereich des Görtschitztales nördlich von Brückl bereits im Jahr 2015 der durch das Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien empfohlene Langzeitimmissionsgrenzwert (Jahresmittelwert) von 2 ng/m³ eingehalten wurde und sich die aktuelle HCB-Belastung auf den unmittelbaren Nahbereich der Altlast K20 der Donau Chemie AG in Brückl konzentriert. Dieser Umstand wurde auch bei der Verhandlung des Sicherungsprojektes „Altlast K20“ am 1. August 2016 berücksichtigt und umweltmedizinisch bewertet.

Die Fichtennadeluntersuchungen auf HCB und Quecksilber erfolgten an 24 Standorten. Von der Umweltabteilung wird zudem das Bioindikatormessnetz unter Berücksichtigung der Messergebnisse permanent angepasst.

Auf der Deponie Brückl, der Altlast K20, finden derzeit Detail-Erkundungsbohrarbeiten, die Errichtung von vertikalen Bodenluft-Saugleitungen, kleinräumige Profilierungsarbeiten am Deponiekörper, die Anlieferung von Schüttmaterialien und der Abbruch der Lagerboxen statt. Die Sicherung der Altlast ist in drei Stufen vorgesehen.

Bereits im Gange sind die Arbeiten für die multifunktionale Oberflächenabdichtung und Oberflächenentwässerung. Erfreulich dabei: Während der Sanierungsmaßnahmen blieben die Emissionen stets unter dem vorgeschriebenen Grenzwert. Mit der Oberflächenabdichtung bis Ende 2016 werden keine Schadstoffe mehr in die Luft emittiert. Bis zum Sommer 2017 ist die Errichtung einer Abluftreinigungsanlage mit Aktivkohlefilter geplant und bis Ende des Jahres 2017 soll eine Dichtwandumschließung samt Grundwasserhaltung und eine Grundwasserreinigungsanlage mit Aktivkohlefilter erfolgen. Danach ist in einem fünfjährigen Intervall die wiederkehrende Evaluierung der Sicherung vorgesehen.

Seitens des Landes und der Fachabteilungen werden weiterhin alle Initiativen aus dem Görtschitztal bzw. sämtliche Anliegen der Talbewohner bearbeitet und beantwortet.

I N F O: http://www.region-kaerntenmitte.at/regionalmanagement/masterplan-goertschitztal/


Rückfragehinweis: Landespressedienst (Gerd Kurath), Abteilungen 5 (Gesundheit), 8 (Umwelt, Wasser und Naturschutz), 10 (Land- und Forstwirtschaft).
Redaktion: Michael Zeitlinger