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Höchste Kärntner Landesauszeichnung und „Europaeus“ für Heinz Fischer

06.12.2016
LH Kaiser zeichnete früheren Bundespräsidenten mit LHStv.in Prettner, LHStv.in Schaunig, LR Benger und LR Holub aus
Die höchste Auszeichnung des Landes Kärnten, der „Kärntner Landesorden in Gold“, wurde heute, Dienstag, dem früheren Bundespräsidenten Heinz Fischer auf einstimmigen Regierungsbeschluss hin verliehen. Landeshauptmann Peter Kaiser zeichnete ihn gemeinsam mit seinen Stellvertreterinnen Beate Prettner und Gaby Schaunig sowie den Landesräten Christian Benger und Rolf Holub aus. Fischer konnte bei der Feier im Spiegelsaal der Landesregierung außerdem den Europapreis „Europaeus“ entgegennehmen. Dieser hätte ihm bereits im September beim CEE-Wirtschaftsforum Velden übergeben werden sollen, Bundeskanzler Christian Kern hielt damals die Laudatio. Fischer war jedoch wegen der Teilnahme am Begräbnis von Israels Ex-Staatspräsident Schimon Peres nicht anwesend.

Kaiser sagte, dass das Leben des Ausgezeichneten von 45 Jahren in hohen und höchsten politischen Funktionen geprägt sei. Immer hätten ihn Maßstäbe, Ziele und Grundwerte gelenkt. „Heinz Fischer ist ein großer Europäer, fand weltweit und bei den Vereinten Nationen Gehör und ist unbestreitbar ein großer Österreicher“, sagte der Landeshauptmann. Auch dem Land Kärnten sei Fischer – auch in ernsten, kritischen Situationen – oft zur Seite gestanden. Das Dankeschön in Form des Landesordens beinhalte daher auch viel Gefühl von tausenden Kärntnerinnen und Kärntnern. Kaiser hob Fischers vermittelnden Einsatz bei der Lösung der topographischen Frage hervor, seine Verbindung mit der Kärntner Kultur. Er erinnerte an die gemeinsame Eröffnung des Museum Liaunig in Neuhaus, Messeeröffnungen, den Ankick eines Fußballjugendturniers in Klagenfurt und „sub auspiciis“-Promotionen an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Ein wichtiger Beitrag für die internationale Verständigung im Zusammenhang mit Volksgruppen sei der gemeinsame Besuch bei der deutschsprachigen Volksgruppe in Slowenien gewesen.

„Das ‚first couple‘ Margit und Heinz Fischer wird vielen Menschen in guter Erinnerung bleiben“, so Kaiser weiter. Er rechnete dem früheren Bundespräsidenten vor, dass er in seiner zwölfjährigen Amtszeit 190 Staatsbesuche absolviert und fünf Mrd. Euro an Geschäftsanbahnungen für österreichische Unternehmen erreicht habe. Ein Tag Bundespräsident Fischer habe somit 1,37 Mio. Euro gebracht. „Du hast diesem Land aber nicht nur wirtschaftlich viel gebracht. Du hast viele Menschen geprägt, auch mich“, so Kaiser, für den Fischer ein sehr väterlicher Freund war und ist. Er betonte, dass Fischer stets Respekt vor anderen habe, ihnen auf Augenhöhe begegne. „Als einer der ersten hast du die Bedeutung internationaler, insbesondere europäischer, Politik unterstrichen“, meinte der Landeshauptmann und schloss mit: „Kärnten ist eines deiner Bundesländer, das dich immer gut in Erinnerung behalten wird.“

Fischer sagte, dass er als Bundespräsident viele Ehrungen vorgenommen habe und sich dabei oft gefragt habe, woran diese Menschen gerade denken. „Diese Frage wurde mir heute beantwortet, ich weiß jetzt, wie man sich als Geehrter fühlt: man freut sich“, meinte er. Er dankte allen für die Auszeichnung, aber auch seinen ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Seine Gattin Margit entschuldigte er, sie stehe im Dienst als Großmama und müsse Vorbereitungen für den morgigen privaten Besuch von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon treffen. Fischer erzählte von seiner Kindheit, die stark vom Zweiten Weltkrieg beeinflusst gewesen sei. Diese entsetzlichen Eindrücke würden ihn sich lebenslang für Frieden einsetzen lassen. Weiters berichtete er, wie er als Jurist im Parlament zu arbeiten anfing und dass ihm Leopold Figl den ersten Dienstausweis unterschrieb. Als Mitarbeiter Bruno Kreiskys sei er auf vielen Reisen dabei gewesen, habe viele Persönlichkeiten wie Willy Brandt kennengelernt. „Die zwölf Jahre als Bundespräsident waren eine interessante, spannende Epoche in meinem Leben. Ich durfte ein Land repräsentieren, auf das ich stolz bin, mit dem ich mich voll identifizieren kann“, betonte er. An Kärnten schätzt Fischer die Berge, „die einen nicht mehr loslassen“, die Menschen, die „eine eigene Art der Kommunikation mit Hilfe von Musik und Kulinarik“ pflegen würden. Viele Beziehungen habe er zu diesem Bundesland.

Zur Verleihung des „Europaeus“ hielt die ehemalige Intendantin des Carinthischen Sommers, Gerda Fröhlich, die Laudatio. Dieser Preis wird seit 2009 von Land Kärnten, Wirtschaftskammer Kärnten und Forum Velden an wichtige Brückenbauer im europäischen Einigungsprozess verliehen. Fröhlich bezeichnete Fischer als ebensolchen. Er habe den Menschen, insbesondere der jungen Generation, immer die Bedeutung des Friedensprojektes Europa nähergebracht. Die Laudatorin hob Fischers Einsatz für eine offene, demokratische Gesellschaft hervor, aber auch dessen Interesse für Wissenschaft und die schönen Künste. Der „Vielleser“ stehe im freundschaftlichen Kontakt mit vielen Kulturschaffenden und sei auch mit dem Carinthischen Sommer eng verbunden.

Die frühere Intendantin thematisierte aber auch die Flüchtlingspolitik – sie sollte von Rationalität und Humanität geprägt sein. Fröhlich holte Linda Obuchanova aus Tschetschenien und Mahdi Alizada aus Afghanistan ans Podium. Die beiden jungen Leute erzählten, wie sie als Flüchtlinge nach Kärnten kamen, hier Hilfe erfuhren, Deutsch lernten und eine Schulausbildung begannen.

Sylvia Gstättner, die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Kärnten, dankte Fischer im Namen der 33.000 Unternehmerinnen und Unternehmer Kärntens. Er sei insbesondere nach der europäischen Ostöffnung wesentlicher Tür- und Toröffner gewesen, habe so auch entscheidend zu wirtschaftlichen Erfolgen beigetragen.

Mit seiner musikalischen Umrahmung der Feierstunde begeisterte der erst neunjährige Pianist Elias Keller den Geehrten und die zahlreichen Anwesenden aus dem öffentlichen Leben Kärntens.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Markus Böhm
Fotohinweis: LPD/Just