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POLITIK

Politik handelt, Ärzte streiken

12.12.2016
LHStv.in Prettner informierte gemeinsam mit GKK-Bereichsleiterin Kerschbaumer über geplante Primärversorgungszentren – Kritik an gezielter Fehlinformation durch Ärztekammer
„Ich habe den Eindruck, dass die Ärztekammer die eigenen Ärzte blockiert“: Gesundheitsreferentin Beate Prettner kann den für Mittwoch festgesetzten Streik der Allgemeinmediziner nicht nachvollziehen. „Interessant“ findet sie es zudem, dass der Streik ausschließlich in den drei Bundesländer Wien, Burgenland und Kärnten abgehalten wird, so Prettner heute, Montag, in einer Pressekonferenz.

Bis 2025 werden mehr als 60 Prozent der Hausärztinnen und -ärzte in Pension gehen. „Unsere Aufgabe ist es, eine flächendeckende Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Die von der Politik forcierten Primärversorgungszentren würden genau das ermöglichen“, erklärte die Gesundheitsreferentin. 200 Millionen Euro werden dafür zweckgebunden bis 2021 österreichweit zur Verfügung gestellt. In Kärnten sind sechs solcher Zentren vorgesehen. Umgesetzt werden sollen diese in den Bezirken Hermagor, Spittal, Feldkirchen, St. Veit, Klagenfurt Stadt und Völkermarkt. Unter einem Dach würde dann ein „Kernteam rund um den Allgemeinmediziner“ praktizieren. Dazu könnten bzw. sollten weitere Gesundheitspartner stoßen – ein Kinderfacharzt etwa oder Diätologen oder Physiotherapeuten etc.

„Neu ist also, dass sich die Hausärztin bzw. der Hausarzt in Zukunft mit anderen Hausärztinnen und -ärzten austauscht und eng mit anderen Gesundheitsberufen zusammenarbeitet“, konkretisierte Prettner. In ländlichen Regionen sollten Allgemeinmediziner netzwerken und kooperieren. „Neue und innovative Modelle sind das Gebot der Zukunft und das Gebot des Weitblicks“, so die Gesundheitsreferentin.

Die Vorteile würden auf der Hand liegen: Für die Patientinnen und Patienten seien es lange Öffnungszeiten, mehrere Ärzte unter einem Dach und damit kürzere Wegzeiten; für die Ärzte liege der Vorteil – abgesehen von einer Kostenersparnis durch verringerte Miete und ein gemeinschaftliches Sekretariat – vor allem in einer verbesserten Work-Life-Balance, weil man sich bei der Ordination mit anderen Ärzten abwechselt. „Der Vorteil für das Gesundheitswesen in Summe heißt: Wir gehen dem drohenden Hausärzte-Engpass entgegen und sichern eine flächendeckende hausärztliche Versorgung“, so Prettner: „Die Politik handelt und die Ärztekammer blockiert.“

Kritisiert wurden von der Referentin auch die „offensichtlich gezielt und bewusst gestreuten Fehlinformationen durch die Ärztekammer“. So sei deren Aussage falsch, wonach im Gesundheitswesen gespart werde. „Richtig ist, dass die Ausgaben für die öffentliche Gesundheitsversorgung steigen dürfen – und zwar um 4,6 Milliarden Euro bis zum Jahr 2021. Eine solche Steigerungsrate gibt es in keinem anderen Bereich.“ Falsch sei des Weiteren die Aussage, wonach Hausärzte wegen der Gesundheitsreform ihre Kassenverträge verlieren würden. „Richtig ist, dass kein einziger Allgemeinmediziner seinen Kassenvertrag verliert. Im Gegenteil: Es kommen in Kärnten sechs neue dazu“, informierte Helgard Kerschbaumer von der Kärntner Gebietskrankenkasse. „Genauso falsch ist die Behauptung, dass Ärzte in einem PHC weniger verdienen würden“, ergänzte Kerschbaumer. Und sie fügte hinzu: „Es ist klar, dass wir die Ärzte mit im Boot brauchen. Da wäre es doch absurd, Gehaltskürzungen anzuvisieren.“

Prettner und Kerschbaumer appellierten einmal mehr an die Vernunft und Verantwortung der Ärztekammer, ihren Anteil dazu beizutragen, die Gesundheitsversorgung in hoher Qualität auch in Zukunft sicherzustellen.

Für den Ärztestreik am Mittwoch hat das Land folgende Maßnahmen gesetzt: Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist ganztägig erreichbar. Die Nummer dazu: 141. Außerdem wurde dafür Sorge getragen, dass die Spitalsambulanzen personell aufgestockt werden.


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Böhm