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„Gesunde“ Bilanz und offensive Vorschau

29.12.2016
LHStv.in Prettner bezeichnet 2016 als Jahr der Qualitätsoffensive und Jahr der innovativen Prävention - 2017 im Zeichen markanter Weiterentwicklungen
31,6 Prozent des Kärntner Gesamtbudgets bzw. 771 Millionen Euro standen 2016 unter ihrer Agenda – „Millionen, die bitter nötig waren, um die immer größer werdenden Herausforderungen im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich bewältigen zu können“, erklärte LHStv.in Beate Prettner. Nicht zuletzt aufgrund der speziellen demografischen Entwicklung in Kärnten mit dem höchsten Anteil über 65-Jähriger zielte das politische Handeln verstärkt auf die Prävention ab. „Mit innovativen Projekten müssen wir die wohnortnahe Versorgung älterer Menschen gezielt forcieren. Jeder Euro, der in die Prävention fließt, ist kein Kostentreiber, sondern ein Kostenverhinderer“, so Prettner.

Im Schnitt zahlt das Land Kärnten 1460 Euro pro Monat für jede Person, die in einem Pflegeheim untergebracht ist. In den 76 Heimen werden knapp 5670 Menschen betreut. Dazu kommen 24 alternative Lebensräume, 13 Tagesstätten und knapp 10.000 Kärntner, die von Mobilen Diensten unterstützt werden. „In Summe wurden 184 Millionen Euro für das stationäre Pflegewesen ausgegeben“, erklärte Prettner. Sie verspricht sich nun viel von präventiven Modellen, die mithelfen, ein Wohnen in den eigenen vier Wänden länger möglich zu machen. „Vor allem das Projekt CONSENSO ist erfolgreich gestartet. Diplomierte Fachkräfte werden zu so genannten family nurses ausgebildet. Sie unterstützen Seniorinnen und Senioren in ländlichen Regionen mit Rat und Tat zu Hause. Gestartet ist das Projekt in sieben Gemeinden, step by step soll es ausgebaut werden. Derzeit läuft bereits die nächste Ausbildungsschiene für family nurses“, zeigte sich Prettner optimistisch.

Ein sprichwörtlicher Meilenstein wird mit dem neuen Kärntner Heimgesetz gelegt: Im Dezember ist es in Begutachtung gegangen. „Von den darin festgelegten Maßnahmen wird die gesamte Betreuung in öffentlichen Einrichtungen jahrzehntelang profitieren“, ist die Gesundheitsreferentin überzeugt. Unter anderem wird die Umsetzung eines Qualitätsmanagementsystems verpflichtend festgeschrieben. Im heurigen Jahr haben vorausschauend schon 40 Heime das Qualitätsgütesiegel E-Qalin erworben. Und: „Erstmals soll es dem Land auch ermöglicht werden, sich bei Verdacht auf illegal ausgeführte Pflege - zum Wohle der Pfleglinge - Zutritt zu verschaffen“, sagte Prettner.

Eine Offensive wurde in der Behindertenhilfe gestartet: In Summe flossen 81,5 Millionen in diesen Bereich. Unter anderem wurden die Assistenzleistungen für Menschen mit Behinderung erhöht: Mehr als 50.000 Stunden standen Fach-Assistenten beeinträchtigen Kärntnern zur Verfügung, um ihnen ein Leben in ihrer gewohnten Umgebung und eine weitgehend autonome und eigenständige Lebensführung zu ermöglichen. „Außerdem wurde eine stärkere Integration von beeinträchtigen Menschen in die Arbeitswelt gestartet: Das Herzstück dabei heißt „weg vom Taschengeldprinzip“, hin zu geringfügiger Beschäftigung“, so die Sozialreferentin.

Im Gesundheitsbereich zeigt sich 2016 als ein Jahr der „Vorbereitung“, der „Weichenstellung“, der „Wegebnung“ für mitunter markante Entwicklungen 2017. So wird etwa unter dem Schlagwort „Psychiatrie 2020“ die psychosoziale und sozialpsychologische Versorgung im ambulanten Bereich neu aufgestellt. „Nach Vorbild der allgemeinen medizinischen Versorgung wird auch die psychiatrische und psychosoziale Versorgung näher an den Wohnort und das Lebensumfeld der Betroffenen heranrücken. Zudem wird in diesem Bereich die ambulante und tagesstrukturierende Versorgung gestärkt werden“, erklärte Prettner. „Parallel dazu entstehen an vier Standorten eigene Einrichtungen für Kinder‐ und Jugendpsychiatrie“. Ziel ist die Realisierung eines extramuralen Versorgungskonzeptes über alle Versorgungsstufen und Versorgungsregionen hinweg.

Stichwort Versorgungskonzept: Auch im niedergelassenen (hausärztlichen) Bereich steht die langfristige flächendeckende Versorgung im Blickpunkt. Mit heutigem Stand praktizieren 405 niedergelassene Ärzte in Kärnten, davon 256 mit Kassenvertrag. „Es gilt, einem Hausärzteengpass entgegenzusteuern und den Beruf des Allgemeinmediziners wieder attraktiver zu machen. Deshalb wurde mit Kärntner Gesundheitsfonds, Sozialversicherungen, Kabeg und Ärztekammer ein Maßnahmenpaket geschnürt: Dieses beinhaltet u.a. die Finanzierung von Lehrpraxen (halbe-halbe Land und GKK), die Einrichtung von Koordinationsstellen, damit es bei der Ausbildung zu keinen Stehzeiten kommt, ein Mentoren-Modell mit Primarii in Krankenhäusern und die Forcierung der Med-Kurse für die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium“, informierte Prettner, die bekanntlich für eine Abschaffung dieser Zugangsbeschränkung kämpft.

Den einen oder anderen „Überzeugungskampf“ wird Prettner 2017 wohl auch mit der Ärztekammer auszufechten haben. „Wir müssen die Primärversorgung weiterentwickeln – mit PHCs in Städten und Kooperationsmodellen auf dem Land“, so die Gesundheitsreferentin. „Nur so wird es möglich sein, den niedergelassenen Bereich wohnortnahe und mit großzügigeren Öffnungszeiten abzusichern“, ist Prettner überzeugt. Die aktuelle Situation sei unbefriedigend – aufgrund eingeschränkter Ordinationszeiten, vor allem an Feier- und Fenstertagen, würden zu viele Patienten in Spitalsambulanzen ausweichen.

Im stationären Bereich – Stichwort Regionaler Strukturplan Gesundheit – trägt Prettners Überzeugungskampf der letzten Jahre bereits Früchte: Die Umsetzung ist auf Schiene und in Plan. „Mit dem RSG wird eine sinnvolle und qualitativ hochwertige Krankenhausstruktur langfristig abgesichert“, sagte Prettner. „Eine moderne, hochwertige Krankenhausstruktur ist nur machbar, wenn man Qualitäten, sprich Stärken, bündelt.“ Übrigens: Im Jahr 2016 wurden in den elf Kärntner Fondskrankenanstalten 159.312 stationäre Aufenthalte gezählt mit knapp einer Million Belegstagen. Der ambulante Bereich verzeichnete fast 500.000 Patientenkontakte.


Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Stirn