News

LOKAL

Kärnten hat Top-Strahlenschutz-Notfallmanagement

01.02.2017
LH Kaiser, LR Holub und Strahlenschutzbeauftragter Weissitsch präsentierten 1. Cäsium-Landkarte für Kärnten - Belastung nach Tschernobyl heute geringer als berechnet: - „Wir tun alles, um im Ernstfall bestens vorbereit zu sein und die Bevölkerung bestmöglich schützen zu können“

„Kärnten vor radioaktiver Strahlung schützen“ lautete der Titel der Pressekonferenz heute, Mittwoch, im Medienraum des Amtes der Kärntner Landesregierung. Dabei präsentierten Katastrophenschutzreferent Landeshauptmann Peter Kaiser und Umweltreferent LR Rolf Holub mit dem Strahlenschutzbeauftragten des Landes Kärnten, Rudolf Weissitsch, die 1. Kärntner Cäsium-Landkarte, die via KAGIS in Kürze transparent für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Ebenso wurde der Probenahme-Plan für Bewuchs-Boden-Schnee (KÄRN:PROBE-BBS) vorgestellt und auf den neuen Kärntner Strahlenalarmplan (KÄRN: STRAHL) hingewiesen. Das Land Kärnten hat mit Rudolf Weissitsch seit dem Jahr 2013 einen Strahlenschutzbeauftragten. Er ist für die Koordination sämtlicher radiologischer Notfälle und für die Erstellung von Notfallplänen verantwortlich.

Für den Landeshautmann ist die 1. Cäsium Landkarte auch eine wichtige Präventionsmaßnahme. Mit ihr wurde nicht nur der Status Quo, 30 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl, erhoben. Durch die Messdaten von 13 Probenahmestellen bzw. 48 ausgewählte Boden-Bewuchsproben zwischen Großglockner und Koralm wisse man nun genau, wieviel Cäsium 137 noch tatsächlich im Boden sei. „Alle erhobenen Messdaten aus dem Jahre 2016 werden nun in die KAGIS-Landkarte auf der Homepage des Landes eingepflegt“, teilte Kaiser mit. Der erfreuliche Nebenaspekt der durchgeführten Messungen für den Landeshauptmann: „Die Belastungswerte sind geringer als erwartet.“

Der Landeshauptmann betonte auch, dass Kärnten im Bereich des Strahlenschutzes durch die gute Zusammenarbeit von Verwaltung und Exekutive gut aufgestellt sei. „43 speziell ausgebildete StrahlenspürerInnen der Polizei stellen eine wesentliche Säule des Kärntner Strahlenalarmplanes dar“, so Kaiser. Ziel aller Verantwortlichen sei eine ständige Weiterentwicklung mit speziellen Ausbildungsprogrammen und die Fortsetzung des Cäsium-137-Projektes zur Messwertverdichtung.

„Mir ist es wichtig alles zu tun, um im Fall der Fälle bestens gerüstet zu sein, und die Bevölkerung bestmöglich zu beschützen“, so Kaiser, der betonte, dass In einem Strahlungs-Notfall sofort eine Informations- und Anleitungskette in Kraft trete. „Erster Schritt ist die Alarmierung über den dreiminütigen Zivilschutzalarm, nachdem die Bevölkerung sofort feste Gebäude aufzusuchen hat. Über Radio und Fernsehen werden dann, je nach Art des Notfalles, der Bevölkerung Handlungsanleitungen vorgegeben, die diese unbedingt befolgen sollen. Davor werden Medien mit vorbereiteten Informationen versorgt.“

„Wir haben aus der Vergangenheit, sprich Tschernobyl, gelernt und sind für die Gegenwart gerüstet. Neben der Vorsorge, denken wir auch voraus und wissen dank der Messungen und der Karte nun ganz genau, wo Cäsium vorkommt“, betonte Holub. Kärnten sei für Strahlenkatastrophen ebenso gerüstet wie für neue Klimaszenarien durch die neu erarbeiteten Gefahrenzonenpläne, so der Umweltreferent, der darauf verwies, dass die heutige Cäsium-Belastung , 30 Jahre nach dem Unfall in Tschernobyl, so gering sei, dass beispielsweise auch der Verzehr von Speisepilzen kein Gesundheitsrisiko aus strahlungstechnischer Sicht darstelle: „Nicht einmal, wenn man täglich über sechs Kilo Schwammerl aus Kärnten isst, würde man die vorgegebenen Grenzwerte erreichen.

Weissitsch stellte die normierte Beprobung im Detail vor. Sie fand vom 27. Juni bis 28. Juli.2016 an 48 Messstellen statt und zusätzlich wurden sogenannte In-situ-Messungen (Vor-Ort-Messungen) mit einem speziellen Nuklidbestimmungsgerät (RadEAGLE) durchgeführt. Der Strahlenschutzbeauftragte legte mit dem Dienstkraftwagen 2.606 km und zu Fuß 98 km zurück und überwand dabei 5.770 Höhenmeter in 40 Stunden. Der höchste Messpunkt war auf 2.673 Meter, der niedrigste Punkt lag bei 348 Meter. Die Auswertung erfolgte im September 2016 durch die AGES-Wien. „Von den 48 Proben lagen nur zwei über der Halbwertzeit“, so der Strahlenschutzbeauftrage. Nach den Messungen verfüge das Land nun über eine genaue Darstellung via KAGIS-Karte und kenne die tatsächliche Bodenbelastung. „Bei einem möglichen Reaktorunfall und nach der Beprobung am Ende der Kontaminierungsphase ermöglicht die Karte eine genaue Darstellung und Bewertung der Höhe einer zusätzlichen Belastung und man kann Maßnahmen effizienter treffen“, so Weissitsch.


Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser, LR Holub, Dr. Weissitsch
Redaktion: Michael Zeitlinger
Fotohinweis: LPD/Eggenberger