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"Tatort Loibl" - Filmisches Gedenken und Erinnern an KZ-Opfer

28.04.2017
LH Kaiser bei Vorpremiere: Gedenkarbeit und auch Bedenken vorantreiben - Dokumentation läuft am 6. Mai auf ORF III
Klagenfurt (LPD). In sehr eindringlichen historischen Bildern berichtet die Dokumentation "Tatort Loibltunnel" über einen dunklen Teil der Zeitgeschichte Österreichs und Kärntens. Gestern, Donnerstag, am Abend wurde sie in der Theaterhalle 11 am Klagenfurter Messegelände in einer Vorpremiere gezeigt. Am 4. Mai um 19.00 Uhr ist sie nochmals im Polnischen Institut in Wien zu sehen. Erstmals im Fernsehen ausgestrahlt wird der Film des Regisseurs Ferdinand Macek am 6. Mai um 21.50 Uhr auf ORF III anlässlich des Jahrestages der Befreiung des KZ Mauthausen. Das KZ-Arbeitslager Loibl Süd auf slowenischer und Loibl Nord auf Kärntner Seite zählte nämlich zu dessen Nebenlagern.

Landeshauptmann Peter Kaiser betonte bei der Vorpremiere die Wichtigkeit von Gedenkarbeit und Gedenkkultur - in ihrem Rahmen müsse aber auch ein Bedenken mitforciert werden. Er verwies auf die weltweit aktuelle Situation mit Kriegen bis hin zum "atomaren Säbelrasseln". Im Zusammenhang mit dem KZ-Nebenlager am Loibl habe es zu lange ein "kollektives Verleugnen von Realitäten" gegeben. Als ganz wesentlich betrachte er "Verortungen" von schrecklichen Ereignissen, ging er auf die Bemühungen um eine entsprechende Gedenkstätte ein. "Die Opfer sollen ihre Identität, ihre Namen, ihren Ruf wiederbekommen", meinte er.

Ins Ge- und Bedenken will der Landeshauptmann vor allem die Jugend verstärkt einbinden. Als Bildungsreferent sprach er hier die politische Bildung an. Für die Filmdokumentation dankte Kaiser. Er wolle sich im Gemeinsamen Komitee Kärnten-Slowenien / Skupni odbor Slovenija-Koroska für die Möglichkeit deren Ausstrahlung auch in Slowenien einbringen. Dem Vorpremierenpublikum dankte er für das große Interesse: "Sie zeigen, dass sich Gedenkkultur in Kärnten gut weiterentwickelt."

Initiator des Films war Peter Gstettner vom Mauthausen Komitee Österreich. Die Konfrontation mit dem "Tatort Loibl" habe bei ihm bisher immer ein "Gefühl von Scham, Ratlosigkeit und Wut gegen das Verdrängte, Verschwiegene und Zugeschüttete der Kärntner Geschichte" ausgelöst. Die Filmdokumentation sei für ihn ein weiterer Schritt zu einer würdigen Gedenkstätte, löse daher bei ihm "Erleichterung, Dankbarkeit und Zuversicht" aus. Gstettner sagte, dass der Film in dreijähriger, akribischer Arbeit ohne Förderungen entstanden sei. Aus finanziellen Gründen sei eine Synchronisation ins Slowenische bisher noch nicht möglich gewesen. Die im Film vorkommenden Zeitzeugen seien inzwischen alle verstorben. "Es geht um die Bewusstwerdung der Verantwortung, aus ihrer Geschichte, die auch unsere ist, etwas zu lernen", betonte Gstettner. Menschen aus über 15 europäischen Ländern seien am Loibl gequält worden - "alles junge Männer, die dem Regime auf die eine oder andere Weise die Stirn geboten haben".

Filmemacher Macek war es wichtig, dieses Kapitel der Kärntner Zeitgeschichte aufzuzeigen und das Material zu erhalten. Er dankte allen, die die Produktion unterstützt haben. Begrüßt wurden die Vorpremierengäste in der Theaterhalle 11 vom Hausherrn und Intendanten des Klagenfurter Ensembles, Gerhard Lehner.

Das KZ-Nebenlager am Loibl wurde auch "Hölle in den Bergen" genannt. Die Häftlinge mussten rund um die Uhr am Bau der Loiblpaßstrasse und des Loibltunnels als Verbindungs- und Nachschubweg in das von der deutschen Wehrmacht besetzte Slowenien mitwirken. Im Film erzählen ehemalige Häftlinge und Zeitzeugen vom Alltag, von den Fluchtversuchen und auch vom grausamen Wirken des SS Standort-Lagerarztes Sigbert Ramsauer. Gezeigt wird zum Teil unbekanntes historisches Filmmaterial. Als Sprecher konnte Peter Matić, die Synchronstimme des britischen Charakterdarstellers Ben Kingsley, gewonnen werden.

Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Markus Böhm
Fotohinweis: LPD/Just