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"Zero-Projekt" nimmt Unternehmen Angst vor behinderten Menschen

08.05.2017
LHStv.in Beate Prettner fordert Anhebung der Ausgleichstaxe für säumige Betriebe - Unterstützung für Unternehmenskatalog von KR Essl - Betrieben wird MehrWert durch Vielfalt aufgezeigt


Klagenfurt (LPD). Für viele Unternehmer ist das soziale Thema ein Nebenthema. Oder aber ein Thema, das mit Barrieren verbunden ist. "Manche dieser Barrieren existieren allerdings nur im Kopf. Diesen Barrieren zu begegnen, ist das Ziel des "Zero-Project", einer Initiative der Essl Foundation von Martin Essl", informierte heute, Montag, Sozialreferentin LHStv.in Beate Prettner bei einer Pressekonferenz.

Fakt ist nämlich: Rund 69 Prozent der heimischen Unternehmen kommen aktuell der Beschäftigungspflicht von Menschen mit Behinderung nicht nach. "Sie bezahlen stattdessen eine so genannte Ausgleichstaxe", so Prettner. Die Sozialreferentin forderte deshalb eine empfindliche Erhöhung der "Strafzahlung" - und zwar von derzeit 253 bis 377 Euro pro Person und Monat (gestaffelt nach Betriebsgröße) auf das durchschnittliche Monatseinkommen des Unternehmens.

Warum sich die Mehrzahl der Betriebe - trotz einer in Studien nachgewiesenen win-win-Situation - scheut, beeinträchtigte Menschen anzustellen? "Es ist die Angst, alleine gelassen zu werden", meinte Martin Essl. Sein Wunsch wäre es, dass "alle behinderten und nicht-behinderten Menschen nach ihren Stärken und Talenten in ein Unternehmen integriert werden." Sein "Zero Project" (ein global aufgestelltes Netzwerk) will deshalb Betrieben die Scheu nehmen, ihnen die Vorteile schmackhaft und ihnen bewusst machen, welches Potenzial sie hier liegen lassen.

Sandra Wilding, Niederlassungsleiterin von P. Dussmann (der Konzern beschäftigt in Österreich 2500 Mitarbeiter, darunter nie weniger als 100 behinderte Menschen) bestätigt: "Die beeinträchtigten Menschen bringen eine unglaubliche Leidenschaft mit. Wir müssen zum Teil zwar Arbeitsplätze und Wochenstunden anpassen, trotzdem macht sich die Anstellung für uns bezahlt." Wilding appellierte: "Betriebe sollen keine Ausgleichtaxe zahlen, sondern Behinderte beschäftigen".

Die Dussmann GmbH arbeitet in Kärnten mit autArK zusammen: "Damit berufliche Integration funktioniert, muss das Zusammenspiel aller Beteiligten klappen. AutArK funktioniert hier als Drehscheibe und Schnittstelle", erklärte Andreas Jesse von autArK. Konkret hilft sein Unternehmen bezüglich gesetzlicher Rahmenbedingungen aufzuklären, hilft bei der Suche nach geeignetem Personal, hilft bei bürokratischen Wegen. Jesse ruft daher Kärntner Betriebe auf, am "Zero-Project Unternehmensdialog" am 11. Mai (15 bis 18 Uhr, Messezentrum Klagenfurt) teilzunehmen. "Es geht nicht zuletzt um volkswirtschaftliche Wertschöpfung", ist Jesse überzeugt. Daher lautet auch das Motto: "MehrWert durch Vielfalt."

Zum Schluss gab Essl mit einem Beispiel zu denken: "Ob Stephen Hawking, Beethoven, Roosevelt - drei Genies, drei Behinderte. Jeder Mensch ist mit seinem individuellen Talent einzigartig."

Übrigens: Kärntens größtes Unternehmen, die Kabeg, ist diesbezüglich ein Musterunternehmen: Bei 8000 Beschäftigten müsste die Kabeg laut Behinderteneinstellungsgesetz 306 behinderte Menschen einstellen. Tatsächlich sind es 454. Und das zur Zufriedenheit aller Beteiligten.



Rückfragehinweis: Büro LHStv.in Prettner
Redaktion: Grabner/Zeitlinger